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24 Mac-Jahre: 1988 – Mit Microsoft im Krieg

05.12.2007 | 00:00 Uhr |

Apple legt langsam wieder an Marktanteilen zu, das Quasi-Monopol von Windows-PCs ist aber lange nicht in Gefahr. Kaum zu glauben, dass Apple dem Konkurrenten selbst in den Steigbügel geholfen hatte. 1988 versuchte Cupertino, die Bremse zu ziehen – vergeblich. Und wo war Steve Jobs? Hier der NeXTe Teil unserer Adventsgeschichte.

Macwelt-Adventskalender 2007, 5. Dezember
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On my way to Mars...
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Aber erst einmal ein Blick zurück: Mars 2, am 19. Mai 1971 gestartet, erreichte als erste Sonde die Oberfläche des Mars. Von einer Landung kann man aber nicht sprechen, eher von einem Zusammenstoß, den der kleinere der Himmelskörper nicht überstand. Shenzou nennen die Chinesen ihre Raumschiffe, auf dem Mars waren bisher noch keine Sonden aus dem Reich der Mitte. Wer weiß, ob aber nicht der erste Mensch auf dem Mars ein Taikonaut sein wird? Die richtige Antwort auf unsere gestrige Frage lautet also Viking I, die am 20. Juli 1976 auf dem Mars sanft landete. Die von ihrer Landeeinheit an die Erde übermittelten rund 2.300 Fotos lieferten gute Hinweise darauf, dass ein „Krieg der Welten“ so schnell nicht stattfinden würde – mangels Marsianern.

Ein anderer Krieg der Welten begann 1988. Nur überfielen keine Marsbewohner die Erde, sondern die einst gut kooperierenden Firmen Apple und Microsoft begaben sich in einen Zwist, der erst 1997 offiziell endete, in den Köpfen vieler Macianer aber bis heute fort wirkt.

Tiger-Plakat auf der WWDC 2004
Vergrößern Tiger-Plakat auf der WWDC 2004

„Redmond, start your photocopiers“ spottete Apple auf großem Plakaten zur WWDC 2004, als das Unternehmen erstmals Mac-OS X 10.4 Tiger in der Öffentlichkeit zeigte. Hat Windows Vista nicht verdammt viele Ähnlichkeiten mit Mac-OS X 10.4? Nach der WWDC 2006 hielt Apple lange weitere Details von Mac-OS X 10.5 Leopard unter Verschluss, mit der spöttischen Begründung, Microsoft so keine Gelegenheit zur Kopie geben zu wollen. Ehrlich gesagt, das ist heute folkloristisches Geplänkel, 1988 war es Apple aber bitter ernst mit einer Patentklage gegen Microsoft.

Die fatale Lizenz

Das Unternehmen von Bill Gates zählte nicht nur zu den treuen Softwareentwicklern für den Apple II, auch der Mac hatte es Redmond von Anfang an angetan. So sehr, dass Microsoft auch ein Betriebssystem mit einer GUI haben wollte. Um nicht alles von vorne neu erfinden zu müssen, fragte Microsoft in Cupertino nach einer Lizenz nach und bekam diese auch gewährt. Schon 1982 konnte Apple Microsoft dazu zwingen, keine Software für grafische Konkurrenzsysteme, etwa vom damals gefürchtetem IBM, zu entwickeln, ein Microsoft-Betriebssystem schloss die Vereinbarung aber nicht aus. Bill Gates hatte einen gewaltigen Trumpf in der Hand: Würde Apple Microsoft wegen Windows verklagen, stelle man eben die Entwicklung von Office-Programmen für den Mac ein, drohte er 1985. Apple gab zähneknirschend bei und erlaubte Microsoft gar, bestimmte Apple-Techniken in Windows 1.0 einzusetzen. Als nach der eher schwachen Premiere von Windows 1.0 im Jahr 1988 Windows 2.0 auf den Markt kam, das immer mehr dem Mac-System glich und wie das Vorbild sich überlappende Fenster anzeigen konnte, verging Apple der Spaß.

„Die haben unsere Ideen geklaut!“ – schrie Cupertino am 17. März 1988 in Form einer in San Jose eingereichten Klage auf. „Welche denn genau?“ – wollte daraufhin das Gericht wissen. „Ja, die 189 hier!“ – spezifizierte der Mac-Hersteller. „So ein Schmarrn!“ – befand Justizia: „179 davon deckt die Lizenzvereinbarung, und die anderen Ideen sind so allgemein, dass man sie gar nicht anders darstellen kann und, meinetwegen, Papierkorb darf nicht sein.“ Rechtskräftig abgeschlossen wurde der Prozess im Februar 1995 – im Herbst des gleichen Jahres kam Windows 95 auf den Markt – mit Papierkorb und so Mac-like wie nie zuvor. Zugegeben, der Prozess ist hier in aller Kürze, wenn nicht sogar unzulässig verkürzt wiedergegeben, aber Apples Patentangriff auf Microsoft scheiterte. Der Rest ist Geschichte, wobei man bis heute eigentlich nicht so recht verstehen will, wie es Microsoft gelang, einen derart allgemeinen Begriff wie „Fenster“ für sich schützen zu lassen.

Ein seltsames Paar: Steve Jobs du Bill Gates 2007 auf der D: All Things Digital
Vergrößern Ein seltsames Paar: Steve Jobs du Bill Gates 2007 auf der D: All Things Digital

Wo war Steve Jobs während der Zeit? Hätte er die Eskalation des Streits verhindern können, er und Bill Gates sind doch trotz aller Unterschiede gewissermaßen vom gleichen Schlag? Jobs hatte nach dem Abschied sein nächstes Geschäft begonnen, programmatisch nannte er die von ihm und anderen ehemaligen Apple-Angestellten gegründete Firma einfach Next.

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