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24 Mac-Jahre: 1996 – Der Gründer kehrt zurück

13.12.2007 | 00:00 Uhr |

1996 ist das Jahr des neuen Apple-CEO Gil Amelio. Ende Januar in Amt und Würden gekommen, holte er sich Ende des Jahres jenen Mann ins Haus, der sein Nachfolger werden sollte: Steve Jobs. Zwar wurde jener bis 2000 „iCEO“ genannt, die wirkliche Interimslösung war aber Amelio. Immerhin schlug er den entscheidenden Sanierungskurs ein und ein neues Kapitel in Sachen Betriebssystem auf.

Macwelt-Adventskalender 2007, 13. Dezember
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Die offizielle Website des Police-Drummers Stewart Copeland
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Zunächst zur Frage von gestern: Am Schlagzeug von Led Zeppelin saß beim Reunion-Konzert Jason Bonham, der Sohn des 1980 verstorbenen originalen Zep-Drummers John Bonham. Bei Genesis teilen sich Chester Thompson und Phil Collins die Schießbude. Stewart Copeland heißt der Mann an den Stöcken bei „The Police“. Die Rückkehr alter Herren auf die Bühne war 2007 ein wichtiges Thema.

Macwelt 2/97. Die Rückkehr des Steven P. Jobs überrumpelte die Mac-Gemeinde vier Tage vor Weihnachten 2006
Vergrößern Macwelt 2/97. Die Rückkehr des Steven P. Jobs überrumpelte die Mac-Gemeinde vier Tage vor Weihnachten 2006

Um die Tragweite einer anderen Rückkehr eines nicht ganz so alten Herren zu verstehen, begeben wir uns in die Vorweihnachtszeit 1996 auf die Redaktionsflure der Macwelt. Es ist Freitag, der 20. Dezember – der vorletzte Arbeitstag vor Heilig Abend. Die Redaktion von Europas meistgelesener Mac-Zeitschrift kann zufrieden sein – das zurückliegende Jahr brachte neue Auflagerekorde, der Markt für Computerzeitschriften boomt. Auch für die Macwelt ist es eine gute Zeit, obwohl für Apple ein schauderliches Jahr zu Ende geht, mit einem Verlust von 816 Millionen US-Dollar. Die Ausgabe 2/97 ist soeben fertig gestellt, satte 200 Seiten dick, CD klebt auf dem Titel. Glühwein- und Kaffeetassen werden geschwenkt, von harter Arbeit ausgelaugte Redakteure erfrischen sich mit Plätzchen und Stollen, zünden Kerzen und freuen sich mit funkelnden Augen auf das Fest und die im Januar folgende Macworld Expo San Francisco. Plötzlich und unerwartet rumpelt das Fax, die Ticker der Nachrichtenagenturen spucken die Sensationsmeldung aus: „Apple kauft Next inklusive aller Mitarbeiter und Softwarepatente für 400 Millionen US-Dollar. Steve Jobs kehrt als freier Berater zurück. Copland ist Geschichte.“ Der Glühwein verschwindet im Ausguss, Plätzchen und Stollen in ihren Blechschachteln, die Kaffeemaschine wird neu befüllt, die Kerzen ausgeblasen, das Licht und die Rechner wieder eingeschalten. Die Druckerei stoppt die Maschinen und die Macwelt-Redaktion macht sich in letzter Minute daran, das Heft umzubauen, inklusive Bembel auf dem Titel: „Letzte Meldung: Apple kauft Next“. Zwar sollte es erst am 15. Januar am Kiosk erscheinen, die damals üblichen langen Vorlaufzeiten zwangen jedoch dazu, die Februar-Ausgabe schon vor Weihnachten weitgehend fertig zu stellen. Nach einer Reihe hektischer Last-Minute-Aktivitäten war aber klar, dass Druckerei und Vertrieb ausnahmsweise die Abgabe eines letzten Artikels nach der Keynote der Macworld Expo am 7. Januar erlauben würden. Auf Glühwein und Plätzchen hatte dann keiner mehr so recht Lust, aber die Augen strahlten und funkelten ob der Vorfreude auf die Macworld Expo, auf der Apple Details zur neuen Betriebssystemstrategie nennen würde.

Weil’s so schön war auf der Macworld Expo San Francisco 1997, hier ein Auszug aus Macwelt 2/97:

Die Gerüchteküche hatte lange gebrodelt, am 7. Januar schaffte Apple-Chef Gil Amelio Klarheit. Kernaussage seiner Eröffnungsrede auf der diesjährigen Macworld Expo in San Francisco: Das Betriebssystem von Next, von Apple gerade erst erworben, wird den Kern des neuen Mac-OS bilden. Parallel zum neuen Betriebssystem, das den Codenamen Rhapsody trägt, wird System 7 weitergeführt. Damit wird Apple ab Anfang 1998 zwei Betriebssysteme haben, Rhapsody für den Highend-Bereich, System 7 für Anwender mit normalen Ansprüchen an das Mac-OS. Rhapsody beruht auf einem Unix-Kern namens Mach und bringt symmetrisches Multiprocessing, Speicherschutz, Objekttechnologie sowie eine moderne Microkernel-Architektur. Damit ist entschieden, daß nicht der Kern von System 8, Codename Copland, die Basis eines neuen Betriebssytems bildet, sondern die eingekaufte Technologie von Next.

Copland ade: Mit System 8 hatte Apple von Anfang an kein Glück. Es sollte alle Kennzeichen eines modernen Betriebssystems – symmetrisches Multiprocessing, Speicherschutz, Objekttechnologie und moderne Microkernel- Architektur – bieten und dabei kompatibel zu bestehenden Anwendungen sein. Auch waren eine modernere Oberfläche und die volle Internet-Fähigkeit in Verbindung mit Apples neuesten Systemtechnologien geplant. System 8 sollte der ganz große Wurf werden – für Apple wurde es zu einer Pleite. Auf der weltweiten Entwicklerkonferenz im vergangenen Frühsommer (also Frühsommer 1996, Anm. des Adventskalenderbeauftragten) kam der erste Offenbarungseid: Eine Alpha-Version von System 8 konnte nicht wie angekündigt an die Entwickler verteilt werden. Trotzdem folgten erste Versprechen einer neuen Systemstrategie. Als Apple-Boss Gil Amelio diese Anfang August auf der Macworld Expo in Boston verkündete, machte sich allgemeine Enttäuschung breit: statt System 8 halbjährliche Updates von System 7.

Wann Copland kommen sollte, vermochte auch Amelio nicht zu sagen. Das endgültige Scheitern von Apples hochfliegenden Systemplänen folgte später im August. Copland werde es in seiner geplanten Form nicht geben. Stattdessen arbeite man an einer neuen Strategie, die den Einkauf firmenfremder Technologien nicht ausschließe. Wie diese Technologien aussehen könnten, das blieb monatelang der Phantasie der Beobachter überlassen.

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