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24 Mac-Jahre: 1997 – Der Pakt mit dem Feind

14.12.2007 | 00:00 Uhr |

„CEO? Wer, ich?“ Nach Amelios unfreiwilligem Abschied von Apple ziert sich Steve Jobs mit der Nachfolge. Einerlei, 1997 gewinnt er die Macht beim Mac-Hersteller auch ohne Titel zurück. So war es möglich, entscheidende Hilfe vom ärgsten Feind Microsoft anzunehmen.

Macwelt-Adventskalender 2007, 14. Dezember
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Avadis „Avie“ Tevanian
Vergrößern Avadis „Avie“ Tevanian

Phil Schiller, Apples Marketingchef und zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung heute Apples Nummer zwei hinter Steve Jobs war nie bei dessen zweitem Versuch Next. Jon Rubinstein sehr wohl, doch kam der Hardwarespezialist und spätere „Vater des iMac“ erst 1997 auf Umwegen zu Apple. Avadis „Avie“ Tevanian heißt der Mastermind von Nextstep und Mac-OS X. Wie Rubinstein verließ er Apple nach getaner Arbeit im letzten Jahr. Phil Schiller ist immer noch in Cupertino.

Das Jahr 1997 bringt den nächsten Wechsel an der Führungsspitze des Mac-Herstellers. Gerade einmal 18 Monate im Amt, schmeißt Gil Amelio im Juli 1997 hin. Zu früh, um seine Saat ernten zu können, denn die von ihm verordnete Rosskur greift allmählich und Apple ist auf dem Weg der Gesundung. Zumal da ein Projekt, das Amelio angestoßen und Jon Rubinstein übernommen hat, sich viel versprechend entwickelt: In den geheimen Labors in Cupertino reift der wahre Nachfolger des Ur-Mac heran. Die Lorbeeren dafür sollte ein anderer einheimsen…

Auf der Macworld Expo San Francisco noch siegessicher: Gil Amelio. Im Hintergrund wartet schon der Nachfolger
Vergrößern Auf der Macworld Expo San Francisco noch siegessicher: Gil Amelio. Im Hintergrund wartet schon der Nachfolger

Amelio, Doktor der Physik, hatte schon National Semiconductors erfolgreich umgebaut und spulte bei Apple das Programm aus dem „Kleinen Handbuch für Sanierer“ ab. Das teils ineffektive Management wurde umstrukturiert, die Produktpalette gestrafft, dem Unternehmen frisches Kapital zugeführt. Ohne bei Apple eine offizielle Funktion inne zu haben, wuchs aber Jobs immer mehr zum starken Mann im Hintergrund heran. Nach und nach besetzten Jobs-Getreue die wichtigen Positionen bei Apple, so ersetzten etwa Rubinstein (Hardware) und Tevanian (Software) die bisherige Entwicklungschefin und Amelio-Vertraute Ellen Hancock. Amelio sah sich zusehends isoliert, zumal die Umsätze Apples nicht stiegen und er in seiner Zeit als CEO etwa 1,6 Milliarden US-Dollar Verlust bilanzieren musste.

Der Mac zum 20sten Geburtstag war limitiert, viel zu teuer und erfolglos. Selbst für 1.500 statt 10.000 US-Dollar fand er kaum Käufer.
Vergrößern Der Mac zum 20sten Geburtstag war limitiert, viel zu teuer und erfolglos. Selbst für 1.500 statt 10.000 US-Dollar fand er kaum Käufer.

In der Öffentlichkeit war ohnehin Steve Jobs die Heilsfigur, neben dem spröden Amelio konnte er sich leicht profilieren. Brauchte der CEO etwa zur Macworld Expo um teils unverständliche Dinge über die Sanierung zu erzählen und ein neues Produkt, den 20th Anniversary Mac (Codename Spartacus) vorzustellen, erfrischte Jobs das Publikum, indem er innerhalb einer halben Stunde die neue OS-Strategie erläuterte. Der Querschüsse waren damit aber nicht genug, im Frühjahr meldete sich erneut der Jobs-Intimus Larry Ellison mit einem Übernahmeangebot, wohl um Amelio zu diskreditieren. Rund um den Independence Day 1997 zwang schließlich der Aufsichtsrat, dem Jobs mittlerweile angehörte, Amelio zur Vertragsauflösung. Jobs sollte CEO werden, doch er zierte sich und Apple ging offiziell auf die Suche nach einem neuen Geschäftsführer. Natürlich ohne Erfolg, denn Jobs war es egal, wer unter ihm CEO sei, unter solchen Voraussetzungen wollte niemand auf dem Leck geschlagenen Schiff anheuern.

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