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25 Jahre PC: IBM leitete neue Ära ein

09.08.2006 | 16:34 Uhr |

Ein für jeden erschwinglicher Computer in jedem Haushalt und auf jedem Schreibtisch - das war noch vor zweieinhalb Jahrzehnten eine Vision, die nur wenige geteilt haben. Selbst Experten aus der Technologie-Branche gaben damals den kleinen grauen Kisten, die wenige Jahre später die Haushalte im Sturm eroberten, keine Chance und erklärten eine solche Idee als lächerlich.

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Für so etwas sei die Nachfrage in der Bevölkerung ohnehin viel zu gering, ergaben auch von großen Industrieunternehmen in Auftrag gegebene Studien. Doch am 12. August 1981 sollte sich mit dem IBM 5150, dem ersten Personal Computer des großen Technologie-Giganten, diese Ansicht als Fehleinschätzung herausstellen.

Es gab schon einige Vorläufer in den 70er Jahren, etwa den von den Apple-Gründern Steve Jobs und Steve Wosniak entwickelten Apple II, doch erst IBMs Erfindung hat den Grundstein für den weltweiten Siegeszug des Personal Computers gelegt. Noch wenige Jahre zuvor füllten vergleichbar leistungsfähige Maschinen ganze Lagerräume und benötigten rund 60 Techniker für Betrieb und Wartung.

Bis zum August 1981 kosteten Computer von IBM nicht selten bis zu neun Millionen Dollar und benötigten ausgeklügelte Belüftungssysteme. Der IBM 5150 kam dagegen als kleine graue Kiste für nicht viel mehr als 1500 Dollar auf den Markt und machte den Computer mit einem Schlag zu einem Gebrauchsgegenstand für jeden Haushalt. Im Jahr 2005 waren nach Angaben des Branchenverbands BITKOM weltweit fast 880 Millionen PCs in Gebrauch.

Innerhalb von nur einem Jahr hatte das Team um den IBM-Manager Bill Lowe den IBM 5150 auch gegen die Skeptiker im eigenen Haus zur Marktreife gebracht und damit sogar gestandene Branchenkenner überrascht. Einem der größten IT-Unternehmen der Welt hatte man eine solche Flexibilität nicht zugetraut. Der IT-Dienstleister zitiert in seinem Rückblick selbst einen Analysten, der der Meinung war, dass ein Personal Computer von IBM sei, als wolle man einem Elefanten das Tanzen beibringen.

Die International Business Machines Corp. galt als konservativer Technologie-Bolide, deren immer adrett gekleidete Mitarbeiter große Rechenanlagen für große Unternehmen vertrieben. «IBM ist wie die Schweiz» urteilt auch der ehemalige IBM-Manager Sam Albert: «Konservativ, ein bisschen schwerfällig, aber dennoch erfolgreich.» Doch einen solchen Erfolg hatten sich selbst die Optimisten unter ihnen nicht vorgestellt. Innerhalb von drei Jahren wollte Big Blue eine halbe Million Computer absetzen - verkauft wurde mit zwei Millionen Stück das Vierfache.

Das System des IBM 5150 wurde angetrieben von einem 8088er Prozessor von Intel und hatte die Größe einer Reiseschreibmaschine. Während heute die Leistung von Mikroprozessoren in Gigahertz gemessen werden, kam der 8088er auf eine Taktrate von 4,77 Megahertz. Wahlweise konnte der Rechner mit einem Arbeitsspeicher von 16 oder 64 Kilobyte ausgeliefert werden - heute läuft auf viel weniger als 512 Megabyte nicht einmal das Betriebssystem Windows XP. Bis zu zwei Diskettenlaufwerke, ein Farbmonitor, ein Drucker und zusätzliche Software etwa für die Textverarbeitung gehörten zur optionalen Ausstattung.

Den Durchbruch verschaffte dem IBM-PC nach Einschätzung von Lowe vor allem seine offene Architektur. Die Rechner waren durch Steckkarten aufrüstbar und konnten sich wachsenden Anforderungen anpassen. Und anders als bei ihren großen Rechenanlagen gab IBM Service und Vertrieb wie auch die Software-Entwicklung in fremde Hände. Bill Gates und dessen kleine Firma Microsoft wurde 1980 unter Vertrag genommen und legte mit seinem ersten Betriebssystem den Grundstein für eine bis heute beispiellose Geschäftskarriere. Die Lizenzverträge mit dem großen Technologie-Riesen machten die kleine Softwarefirma zwar nicht reich, ließen ihr aber die Freiheit, ihr Betriebssystem anderweitig zu lizenzieren.

Was den überwältigenden Erfolg des IBM-PCs anheizte, führte aber gleichzeitig dazu, dass IBM in der Geschichte des Personal Computers nicht zu den großen Gewinnern zählt. Microsoft lizenzierte seine Software an andere Hardwarehersteller, die in kürzester Zeit ihre eigenen so genannten IBM-Klons oder IBM-kompatiblen PCs auf den Markt warfen. Mit einem zunächst überwältigenden Marktanteil entwickelte sich der Pionier innerhalb weniger Jahre zu einem Anbieter unter vielen.

IBM habe den größten Unternehmens-Fehler auf Erden begangen, schätzt Larry Ellison, Gründer der Software-Schmiede Oracle. IBM sei der erste Hersteller dieser Technologie gewesen, sagt Ellison. Es sei erstaunlich, dass sie im Grunde jeweils ein Drittel ihres Geschäfts an Intel und Microsoft abgetreten hätten. «Ich glaube, nicht viele von uns haben die Chance, einen 100-Milliarden-Dollar Fehler zu machen». IBM hat sich inzwischen von einem Hardware-Hersteller zu einem IT-Dienstleister gewandelt. Nach Milliarden-Verlusten verkaufte der Konzern schließlich seine verbliebene PC-Sparte im vergangenen Jahr an den chinesischen Hersteller Lenovo.

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