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3dfx baut keine Grafikkarten mehr

16.11.2000 | 00:00 Uhr |

Die Meldung schlug auf der Comdex ein wie eine Bombe: 3dfx stellt dieHerstellung von Grafikkarten ein, schließt das entsprechende Werk inMexico und möchte zukünftig nur noch Chipsätze verkaufen.

3dfx wird in Zukunft keine eigenen Grafikkarten mehr produzieren und sich stattdesen auf die Entwicklung von Grafik-Chips konzentrieren, die Dritthersteller für ihre Produkte lizensieren sollen. Das gab das Unternehmen gestern im Rahmen der Computermesse Comdex in Las Vegas bekannt. Von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen ist das Werk von 3dfx in Juarez, Mexico, das der Hersteller schließen wird.
Über die Gründe lässt sich vorerst nur spekulieren, 3dfx hat bislang keine weiteren Erklärungen abgegeben. Zuletzt sah sich die Firma, deren Marke im Grafikkartenbereich einen hohen Bekanntheitsgrad erreichen konnte, einigen Schwierigkeiten ausgesetzt, in deren Folge der Aktienkurs erhebliche Einbußen hat hinnehmen müssen. So kam die VSA-100-Technologie später als erwartet auf den Markt, in der Produktion hatte es Rückstände gegeben und der Konkurrenz von Nvidia und ATI war es in der Zwischenzeit gelungen, Chips mit mehr Leistungsmerkmalen und besserer Performance auf den Markt zu bringen.
Ob es in Zukunft für den Mac Grafikkarten mit 3dfx-Chips geben wird, bleibt abzuwarten. Desgleichen gibt sich 3dfx bedeckt, was den Stand der Entwicklung der neuen Generaton von Grafikchips, Codename Mosaic, angeht.
pm

Kommentar von Macwelt-Redakteur (leitend) Christian Möller:

3dfx - die Fahne im Wind\?

Die Meldung schlug auf der Comdex ein wie eine Bombe: 3dfx stellt die
Herstellung von Grafikkarten ein, schließt das entsprechende Werk in
Mexico und möchte zukünftig nur noch Chipsätze verkaufen. "Rein in die
Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" sage ich dazu, denn vor gut einem
Jahr hatte 3dfx noch kurzerhand den umgekehrten Weg beschlossen. Viele
Kartenhersteller - darunter auch eine deutsche Firma, die Grafikkarten
für den Mac-Markt herstellt - waren mehr als überrascht, als 3dfx
plötzlich keine Chips mehr liefern und den Markt im Alleingang erobern
wollte. Nicht wenige Firmen, die von 3dfx-Chips abhängig waren gingen
schlicht und einfach pleite.
Doch das Konzept ging nicht auf. Die neuen Voodoo-4 und 5-Karten sind zu
langsam, brauchen zuviel Strom und werden zu warm. Der Markt wendet sich
anderen Herstellern wie Nvidia oder ATI zu, die schnellere und deutlich
zukunftsorientiertere 3D-Chips produzieren.
Es sieht also nicht gut aus für 3dfx. Soll man jetzt wieder an die Türen
klopfen, die man selbst zugeschlagen hat? Ob dort noch jemand öffnen
wird, ist mehr als fraglich.
Für den Mac-Markt ist es dennoch ein weiterer herber Verlust, denn nun
wird ATI in seiner Monopolstellung noch einmal deutlich gestärkt. Schon
werden Gerüchte laut, dass Nvidia die Lücke füllen wolle, die 3dfx bei
den Mac-Grafikkarten hinterlässt, doch der Hersteller hält sich bedeckt
Zweifellos sind die Nvidia-Chips derzeit die einzigen, die dem
Radeon-Prozessor von ATI paroli bieten können. Ein zweites Standbein im
Mac-Markt könnte dem Chip-Hersteller nicht schaden, bleibt Apple jedoch
bei seinem ATI-Schmusekurs, gibt es kaum Hoffnung auf eine
Liberalisierung im Grafikkartenmarkt. cm

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