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4D 6.8 für Mac-OS X

17.04.2002 | 12:17 Uhr |

In einem Gespräch mit der Geschäftsleitung von 4D Deutschland, Thomas Maul, hat sich Macwelt über die Entwicklungsziele und Probleme mit der nun carboniserten Entwicklungsumgebung informiert.

Macwelt: Was war bei der Entwicklung das wichtigste Ziel außer der eigentlichen Unterstützung des neuen Betriebssystems von Apple?
Maul: Wir mussten sicher stellen, dass sich existierende 4D-Anwendungen unter Mac-OS X so verhalten, wie sie es bisher unter dem klassischen Mac-OS getan haben, ohne dass der jeweilige Entwickler erst eine Anpassung der Oberfläche vornehmen muss. Deshalb verwendet 4D 6.8 momentan noch Quickdraw zur Darstellung der Oberfläche und nicht Quartz. Damit schließen wir aus, dass beispielsweise Texte abgeschnitten werden und in den Feldern nicht mit den gewohnten Schriften erscheinen. Für ein späteres Release im Sommer diesen Jahres ist jedoch geplant, auf Quartz umzustellen. Damit haben die Entwickler genügend Zeit, die notwendigen Anpassungen an ihren Anwendungen vorzunehmen.

Macwelt:

Wo liegt die Hauptarbeit für 4D-Entwickler bei der Umstellung auf 4D 6.8?
Maul: Die Anpassung der Oberfläche wird die meiste Zeit benötigen. Jedes einzelne Icon muss neu gestaltet werden. Die Icons haben nun eine Größe von 128 zu 128 Pixel und eine Farbtiefe von tausend Farben, um die in Mac-OS X üblichen Transparenzen und Schatten zu unterstützen. Außerdem geht OS X nun von einer Standard-Bildschirmgröße von 1024 mal 768 Bildpunkten aus anstatt wie bisher von 800 mal 600 Pixeln.

Macwelt:

Welche Mac-OS-Versionen unterstützt 4D 6.8?
Maul: Die Version 6.8 ist ab Mac-OS 9.1 zertifiziert sowie für Mac-OS X. Man kann das Programm auch mit Mac-OS 8.6 einsetzen. Diese Version erkennt jedoch noch keine Programmpakete, so dass es zu Problemen kommen kann, wenn Anwender Teile der Installation verändern. Deshalb geben wir hierfür keinen offiziellen Support. Frühere Versionen des Mac-OS lassen sich mit 4D 8.6 nicht verwenden, da sie Carbon nicht unterstützen. Ebenso lassen sich alte, noch im 68K-Code geschriebene Plug-ins für 4D nicht mehr mit 4D 6.8 einsetzen. Wir haben diese zwar schon seit längerer Zeit nicht mehr offiziell unterstützt, sie haben aber bisher noch funktioniert.

Macwelt:

Wo gibt es für 4D noch Probleme mit Mac-OS X?
Maul: Für die Kommunikation zwischen Programme und Geräten wie Faxmodems oder Lesegeräten für Patienenkarten gibt es unter Mac-OS X keine generelle Schnittstelle. Das klassische Mac-OS bot hierfür die Communications Toolbox an, die es jeder Anwendung ermöglichte, mit solchen Geräten Daten auszutauschen, ohne dass man einen speziellen Gerätetreiber entwickeln musste und ohne dass die Anwendung etwas über die Art der Geräteanbindung an den Rechner wissen musste. Unter Mac-OS X ist bisher für jedes Gerät ein spezieller Treiber notwendig, was die Entwicklungskosten deutlich höher macht als für eine entsprechende Lösung unter Windows. Wir empfehlen unseren Entwicklern deshalb, momentan für solche Kommunikationsaufgaben einen Mac mit klassischem Mac-OS oder einen PC in das Netzwerk einzubinden. 4D-Anwendungen lassen sich problemlos in gemischten Netzwerken aus Rechnern mit klassischem Mac-OS, Mac-OS X und Windows einsetzen, da der Code plattformübergreifend ist.

Macwelt:

Worin unterscheidet sich das neu vorgestellte 4D Business Kit von der normalen 4D-Entwicklungsumgebung?
Maul: Das Business Kit ist eine eigenständige Entwicklungsumgebung für Web-Shops. Sie basiert auf der 4D-Technologie und vereint unter einem Dach Web-Server, Datenbank und eine auf HTML-Tags basierende Programmiersprache zur Gestaltung der Web-Seite. Man kann entweder eine der mitgelieferten Vorlagen verwenden, diese in einem HTML-Editor abändern oder komplett eine eigene Oberfläche gestalten. Die Funktionen in der Datenbank verwalten mehrere Währungen inklusive ständig aktualisierter Wechselkurse und können Versandkosten, Steuern sowie Rabatte berechnen. Die Zahlungsfunktionen erfolgen mit einer SSL-Verschlüsselung mit 128 Bit und unterstützen Zahlungs-Gateways wie Verisign oder Authorize.net. Mit dem 4D Business Kit lassen sich mehrere Shops verwalten, je nach Anzahl der verfügbaren Lizenzen. Momentan ist das 4D Business Kit nur für das klassische Mac-OS verfügbar, im Sommer kommt dann eine Version für Mac-OS X.

Macwelt:

Warum bietet 4D neben dem in 4D Integrierten Web-Server mit Webstar noch einen eigenständigen Web-Server an?
Maul: Der in 4D integrierte Web-Server ist für dynamischer Web-Auftritte optimiert, während Webstar ein klassischer Server für statische Web-Sites ist. Webstar V wurde komplett neu für Mac-OS X geschrieben und für den G4-Prozessor optimiert.

Macwelt:

Macht es denn noch Sinn, einen Web-Server für Mac-OS X anzubieten, da das Mac-OS standardmäßig mit dem Apache-Webserver ausgeliefert wird?
Maul: Unserer Ansicht nach lässt sich Webstar wesentlich einfacher konfigurieren und administrieren als Apache. Vor allem die übersichtliche Verwaltung der hierarchisch aufgebauten Zugriffsrechte macht es möglich, dass jeder Anwender seine Site selbst verwalten und aktualisieren kann, ohne dass der Betreiber des Servers eingreifen muss. Webstar ist in den USA ein großer Erfolg und wird auf Platz fünf der Liste mit den am meisten verwendeten Web-Servern geführt. Das macht zwar nur einen Marktanteil von 1,7 Prozent aus, in absoluten Zahlen bedeutet es jedoch, dass 380 000 Macs als Web-Server mit Webstar im Einsatz sind.

Das Interview führte Thomas Armbrüster

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