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9. Dezember: Newton Message Pad

09.12.2013 | 00:00 Uhr |

Das Newton Message Pad war seiner Zeit jedoch voraus und bereitete den Weg für iPhone und iPad – nicht zuletzt durch Apples Fehler.

Nicht erst im Januar 2010 zeigte Apple sein erstes berührungsempfindliches Tablet, sondern schon auf der Macworld Expo in Boston im August 1993: Das Newton Message Pad, meist nach seinem Betriebssystem schlicht "Newton" genannt.


Genau wie mehr als 16 Jahre später mit dem iPad, hatte Apple mit dem Newton schon in den neunziger Jahren eine neue Geräteklasse definiert, die des Personal Digital Assistant (PDA) – jedoch mit wesentlichen Unterschieden. Dominiert Apple heute den selbst geschaffenen Tablet-Markt auch noch im vierten Jahr, hatte das Unternehmen damals kein Glück mit PDAs. Auf diesem Markt war vor allem Palm erfolgreich, scheiterte später dann aber seinerseits an erfolgreichen Konkurrenzgeräten wie Mediaplayer, Smartphone und Tablet. Ein anderer Unterschied: Der PDA sollte den Desktoprechner niemals ersetzen, sondern ergänzen. Der Newton war als PDA dafür gedacht, Notizzettel, Adressbuch, Organizer und Kommunikationsgerät zu sein, mit anderen Geräten verband er sich vornehmlich über Infrarotschnittstellen.

Von John Scully gefördert, von Steve Jobs gestoppt: Der Newton war seiner Zeit voraus und so zum Scheitern verurteilt.))
Vergrößern Von John Scully gefördert, von Steve Jobs gestoppt: Der Newton war seiner Zeit voraus und so zum Scheitern verurteilt.))
© Apple

Antwort vom 8. Dezember

Sogar Apples erster portable Rechner hatte keinen CRT-Monitor und eine Festplatte mit sieben Platin-Plattern ist vor allem kolossaler Unfug. Schwer wurde der Mac Portable von 1989 durch den Bleisäure-Akku, der das Gerät aber immerhin zwölf Stunden lang durchhalten ließ0. Ein Wert, den Apple erst im Jahr 2013 mit den aktuellen Macbook Air erreicht.

Zum Verkaufsstart kostete der Newton stolze 700 US-Dollar (inflationsbereinigt 1.130 US-Dollar), bot aber seinerzeit fortschrittliche Technik auf. Der 32-Bit-Prozessor ARM 610 arbeitete mit einer Taktrate von 20 MHz mit 640 KB RAM, das schwarz-weiße-LC-Display hatte 336 mal 240 Pixel. Anders als heute war die ARM-Architektur damals nicht die effizienteste in Sachen Energiehunger und in mobilen Geräten daher kaum verbreitet – kurze Akkulaufzeiten waren mit eine Ursache für den Misserfolg. Die spektakulärste Innovation aber war die Handschriftenerkennung des Newton: Doch wem es sogar in der S-Bahn stehend gelang, mit einer Hand Zeichen auf den Schirm zu kratzen, die der Newton lesen konnte, war der Held und konnte sein Message Pad tatsächlich auch als elektronischen Notizblock einsetzen. Alle anderen erhielten Ergebnisse, die noch witziger waren als selbst die abstrusesten Vorschläge heutiger Rechtschreibkorrekturen – man denke nur an Egg freckles. Man mag es kaum glauben, aber der Konkurrent Palm kam für seine PDAs mit einer besseren Lösung um die Ecke: Die Kurzschrift Graffiti musste man zwar erst erlernen, dann wandelte das Gerät die standardisierten Eingaben aber weit zuverlässiger in Text um als das dem Newton je gelang. Die in das iPhone integrierte Sprachassistentin Siri hat mit ihrer Fähigkeit, gesprochene Befehle auszuführen ein Vorbild aus alten Tagen, den Newton Assistant. Dieser setzte handschriftliche Anweisungen um, schickte Dokumente zum Drucker und an das Fax oder plante Termine ein.
Einige Organizer-Programme waren in das ROM des Newton geschrieben, zusätzliche Software konnten die Anwender installieren, wenn sie ihren PDA mit dem Mac verbanden. Diese Möglichkeit war jedoch zunächst nur eingeschränkt nutzbar. Apple knauserte zudem mit dem Speicher, gerade einmal 140 KB blieben für die Dokumente der Benutzer frei.


Wenn heute Apple auf Fragen zu kommenden Neuheiten wie mit einem Mantra "We don't talk about future products" antwortet, hat das seine Ursache nicht zuletzt im Newton. Denn schon ein Jahr vor dem Produktstart hatte CEO John Sculley ausführlich über die neue PDA-Technologie geredet, seinen Worten zufolge sei die Handschriftenerkennung nichts weniger als die "Zukunft des Computing". Diese sei fast fehlerfrei, schwadronierte die PR-Abteilung, die Medien übernahmen das begeistert. Eine ziemliche Fallhöhe, die Apple damit selbst aufgebaut hatte.


Sculleys Redseligkeit hatte zur Folge, dass die Konkurrenz ähnliche Produkte fast zeitgleich entwickelt hatte. Apple stand daher unter Druck, den Newton eher früher als später zu veröffentlichen. Das Ergebnis war ein unausgereiftes Produkt – dabei hatten die Ingenieure den Starttermin von April 1992 bereits verschoben. Anstatt nach Apple II und Macintosh der dritte Kassenschlager des Unternehmens zu werden, verkaufte sich das Message Pad nur schleppend, in den ersten Monaten waren es gerade einmal 50.000 Stück. Sculley widersprach zwar der These vehement, doch dürfte das Scheitern des von ihm so gelobten Produkts der Hauptgrund für sein Ende bei Apple sein. Das kam Ende 1993. Michael Spindler und Gil Amelio übernahmen für zwei kurze Übergangsphasen, bis Steve Jobs Ende 1996 zurückkehrte. Im Sommer 1997 wurde Amelio aus dem Unternehmen gedrängt und im Februar 1998 die Produktion des Newton endgültig eingestellt. Allem Hohn zum Trotz, hatte sich die Handschriftenerkennung des Newton in den viereinhalb Jahren seines Bestehens verbessert. Das Gerät konnte aber weder in Unternehmen noch bei Privatanwendern punkten. Zum PDA-Standard entwickelten sich die Produkte von Palm.


Neben seiner mangelnden Reife war vor allem die fehlende Verbindung zur Außenwelt ein Kriterium für den Misserfolg Newton. Das sieht man heute am iPad. Bald eine Million Apps für jeden denkbaren Zweck bieten sich heute für iPhone und iPad an, für die Android-Konkurrenz sind es kaum weniger. In heute allgegenwärtige WLAN- und UMTS-Netze lassen sich iOS-Geräte nahtlos einbinden, für den Newton hatte es seinerzeit keine solche Infrastruktur gegeben. Apple-Ingenieuren waren die Beschränkungen der damaligen Technik bekannt – der Newton war seiner Zeit wohl einfach voraus. Dennoch zeigte schon der Flop von vor 20 Jahren, wohin die Reise des Computing gehen würde.
 
 
Die Frage:
 
„Newton“ spielte auf das erste Logo der Firma Apple an, das Sir Isaac Newton unter seinem sprichwörtlichen Apfelbaum sitzend zeigte. Schon bald wurde es durch den berühmten angebissenen Apfel in Regenbogenfarben ersetzt. Wie viele Streifen waren das gleich nochmal?
 
a.     Fünf
b.     Sechs
c.     Sieben
 
Wer die Antwort weiß, kann sich bis heute um 23.59 Uhr in unser Gewinnspielformular eintragen und ist in der Verlosung für den heutigen Preis.


 

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