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AAPL: Hausgemachte Hektik zwischen Bären und Bullen

11.09.2007 | 16:15 Uhr |

Hinterher ist man immer schlauer. Vergangene Woche schreibt die Wirtschaftspresse Apple noch schlecht: Das iPhone entwickle sich zum Ladenhüter, die Jobs-Company muss den Preis drastisch senken.

Dann nörgeln iPhone-Käufer über die Preissenkung - mit dem Resultat, dass sie einen Gutschein erhalten. "Anzeichen von Panik" entdeckt die Financial Times Deutschland in Cupertino, denn auch der iPod-Absatz ist rückläufig und die Aktie trudelte vergangene Woche nach dem Special Event. Wer den Apple-Rhythmus kennt, der reibt sich verwundert die Augen. Ist das nicht auch früher so gewesen?

Die Redakteure der FTD befinden sich in "guter" Gesellschaft. Die Wirtschaftswoche glaubte vergangene Woche den Nachrichtenagenturen Reuters und dpa mit der Einschätzung, dass die Aktionäre Apple für die iPhone-Preissenkung abstrafen. Dies sei die Ursache für den fünfprozentigen Kursverlust. Man kann es so deuten. Man kann aber auch die Firmengeschichte bemühen: Nach nahezu jeder Keynote und jedem Special Event bebt es im AAPL-Kursverlauf, wenn Steve Jobs in etwa das verkündet, worauf die ganze Branche längst gewettet und so den Kurs in die Höhe getrieben hat. Jedes Mal landet AAPL wieder auf dem Boden der Realität, um von dort neue Höhenflüge zu starten. Zwei Schritt vor und einen zurück.  

Verkaufe, wenn's gut läuft

"Sell on good news" - warum gerät dieser alte Börsianer-Leitsatz bei den analysierenden Kollegen in Vergessenheit? Vielleicht weil es von der Wall Street gerade so wenig gute Nachrichten gibt: Die US-amerikanische Immobilienkrise treibt die Indizes nach unten und den Euro-Wert nach oben, ungünstige Arbeitsmarktzahlen und Konsumerwartungen sorgen für ein schlechtes Klima auf dem New Yorker Börsenparkett. Und kommt dann eine gute Nachricht, dann schießt der Kurs wieder nach oben: Apple konnte gestern die Zahl von einer Million verkaufter iPhones melden, auf einmal ist Vertrauen wieder da: Kurssprung um vier Prozent.  

Panik hausgemacht

Als langjährigen Beobachter der Firma Apple und des AAPL-Kursverlaufs schüttelt es einen, wenn der Kommentator der FTD in den iPod-Verkaufszahlen einen Abwärtstrend entdeckt: "Im Weihnachtsgeschäft verkaufte Apple noch 21,1 Millionen von ihnen, im ersten Quartal 10,5 Millionen und zwischen April und Juni nur noch 9,8 Millionen", schreibt die FTD korrekt. Sie erkennt aber nicht, dass der iPod seit jeher ein Saison-Artikel ist und genau dieser Verlauf der Absatzzahlen typisch ist für die vergangenen zwei Jahre. Kein Grund zur Panik.

Noch weniger sollte es die Preissenkung des iPhones sein - und der darauf entbrannte Sturm der Entrüstung der "Early Adopters": Wieder wendet sich Firmenchef Steve Jobs mit einem offenen Brief an die Apple-Kunden und zeigt sich geläutert - so, wie es bei der Kopierschutzdebatte und der Greenpeace-Kritik als Mittel der Kommunikation bereits hervorragend funktionierte. Der 100-Dollar-Einkaufsgutschein "kostet" Apple nicht etwa 100 Millionen US-Dollar, sondern wird für Apple mehr zufriedene Kunden bedeuten, die sich oder einem lieben Menschen zu Weihnachten einen Wunsch im Apple Store erfüllen können.

Dort macht Cupertino die besten Umsätze mit der höchsten Marge, Finanzchef Peter Oppenheimer wird sich die Gutschein-Aktion sicher schön rechnen können. Auch hier gilt: Kein Grund zur Panik. In den USA bietet Apple ohnehin eine 10-Tages-Preisgarantie an: Fällt der Artikel bei identischer Ausstattung im Preis, dann können die Kunden der vergangenen anderthalb Wochen bei Apple Skonto-Ansprüche geltend machen.  

Bitte etwas genauer hinschauen

Die Apple-Aktie ist eine hoch spekulative Angelegenheit. Und überraschend sind auch immer die Produktvorstellungen von Apple - denn kleine Details sprechen eine deutliche Sprache. So wie vergangenen Donnerstag in Hamburg: Apple hatte Dutzende Journalisten eingeladen, um die neuen iPods vorzustellen - das Spektrum der Kollegen reichte von öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt über Herrenzeitschriften bis hin zu den Mac-Zeitschriften und Online-Magazinen. Viele waren sich einig und auch macnews.de schrieb: Der iPod touch ist ein iPhone ohne "Phone". Doch es ist noch mehr "ohne" im neuesten iPod: kein E-Mail-Client, keine Google Maps, kein sinnvolles Terminmanagement. "Ach, mit dem nächsten Software-Update wird Apple das schon nachreichen", waren sich viele Kollegen sicher. Andere witterten die Chance für "Drittanbieter". Natürlich, Drittanbieter - so wahrscheinlich wie ein nativer Skype-Client für das iPhone.

Ach, Redakteure, schaut doch bitte ein wenig genauer hin: Apple ist nicht Dell und nicht Sony und nicht Microsoft. Und wenn Apple ein Konsumgerät wie den iPod touch konstruiert, dann weiß die Firma schon, Akzente zu setzen, um sich vom Kommunikationsgerät iPhone zu unterscheiden - wenn auch nicht im Design.

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