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AAPL: Verhaltene Töne und ein ausstehender Produktwechsel

12.09.2008 | 09:45 Uhr |

Aktionäre und Analysten konnte Steve Jobs am vergangenen Dienstag nicht durchweg überzeugen, die Apple-Aktie gab zunächst nach und erste Finanzdienstleister warnen vor einem schwächeren Wachstum. Nur ein Indiz: Wer in den USA in ein Geschäft des iPhone-Providers AT&T geht, bekommt ein Blackberry-Gerät des Konkurrenten RIM empfohlen, so JMP Securities. Das Geschäftsjahr 2008 neigt sich dem Ende zu: Was ist geschehen, was steht noch an?

Noch zwei Wochen und wenige Tage, dann leuten bei Apple die Neujahrsglocken. Dann bricht ein neues Geschäftsjahr an und ein altes wird verabschiedet, das einmal mehr von Rekorden geprägt war: Die ersten drei Geschäftsquartale 2008 brachten jeweils mehr Umsatz und mehr Gewinn, als Apple jemals zuvor in vergleichbaren Quartalen erwirtschaftet hatte. Für das vierte Quartal stehen noch keine Zahlen fest - Apple wird sie erst Oktober veröffentlichen, das genaue Datum steht noch nicht fest. Jetzt allerdings melden sich bereits Analysten, die eine erste Bilanz zu ziehen versuchen. Finanzdienstleister JMP Securities sieht den Mac-Hersteller an seine Grenzen stoßen , große Überraschungen seien nicht mehr zu erwarten und das Wachstum gehe zurück: 43 Prozent Wachstum seien es im Vergleich zum Vorjahresquartal noch zwischen Januar und März gewesen, aber nur noch 38 Prozent im dritten Quartal zwischen April und Juni. Und für das laufende Quartal strebe Apple noch 31 Prozent an. Apple werde 2008 nicht die Ergebnisse des Vorjahres einfahren können, auch auf Grund der gesamtwirtschaftlichen Lage. Neue iPods hat der Hersteller am vergangenen Dienstag vorgestellt: einen iPod classic ohne weitere Änderungen, ein Auslaufmodell. Einen verbesserten iPod touch, den Apple zur Spielekonsole erhebt, und einen neuen iPod nano, der neue Tricks beherrscht - einen Taschenspieler, der an alte Erfolge anknüpft.

Die Anleger zeigen sich wenig euphorisch: APPL gab in den vergangenen 5 Tagen um 5,32 Prozent nach (der Nasdaq in derselben Zeit um 2,25 Prozent). Während die Spitzen-iPods langsam vom iPhone abgelöst werden, erklärt JMP Securities, lernen inzwischen auch die zunächst überrumpelten Konkurrenten wie Nokia, RIM, Motorola, Palm und Samsung, mit dem neuen Herausforderer umzugehen. Noch seien die Touchscreen-Modelle anderer Hersteller nicht so gut wie Apples Geräte, sie könnten aber über den Preis punkten. Man habe zudem in 50 US-amerikanischen Geschäften nach dem Absatz des iPhone 3G gefragt, laut deren Mitarbeitern sei die Nachfrage nach anfänglicher Euphorie wieder gesunken. In den Geschäften des Providers AT&T bekomme man in zwei von drei Fällen ein Blackberry-Gerät anstatt eines Apple-Smartphones empfohlen, wenn man ein Gerät für den Zugang ins Internet und die Bearbeitung von E-Mails suche. Nur wer explizit nach einem Smartphone fürs Surfen frage, bekomme ein iPhone vorgeschlagen. iPods, iPhones - und wo bleibt der Mac? Mancher mag sich noch an die Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen im Juli erinnern ( wir berichteten ): Apple-CFO Peter Oppenheimer hatte damals eine verhaltene Prognose für den Zeitraum zwischen Juli und September abgegeben und erklärt, man investiere in die Zukunft und könne deshalb im Sommer weniger Gewinn einfahren. Eine "future product transition" werde dazu führen, dass die Gewinnmarge gar um bis zu 30 Prozent falle. Nun steht dieser ominöse Produktwechsel noch aus - und er findet vielleicht gar nicht in diesem Quartal statt. Das Ende des Monats rückt näher und viel Zeit wird Apple nicht mehr haben, um neue Produkte noch an den Mann zu bringen. Neue Computermodelle zum Beginn des amerikanischen Schuljahres stehen indes noch aus. Hat Apple durch das Warten auf neue Techniken den Schulanfang verpasst und rechnet deshalb mit weniger Gewinn? Noch sind viele Fragen offen.

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