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AOL Deutschland vor Umbruch und/oder Verkauf

09.05.2006 | 14:32 Uhr |

Die Geschäfte laufen nicht gut bei AOL, sowohl in den USA als auch in Europa. Während die US-Muttergesellschaft deswegen schon seit längerem einen Kurswechsel vollzieht, steht der deutschen Niederlassung das erst noch bevor. Der Trend ist aber klar: Weg von kostenpflichtigen Zugängen mit redaktionell aufbereiteten Inhalten, hin zu mehr Werbeeinnahmen auf Seiten, die AOL den Anwendern kostenlos zur Verfügung stellt, sowie Zusatzeinahmen für Extra-Dienste.

AOL Deutschland plant nach einem Bericht der Financial Times Deutschland sein Portal künftig allen Internetnutzern komplett zugänglich zu machen. Exklusivinhalte für zahlende AOL-Nutzer soll es nicht mehr geben. AOL-Nutzer sollen ihre eigenen Inhalte hochladen und sich eigene Webseiten zusammenbasteln können. So sollen die AOL-Nutzer beispielsweise ihre eigenen Fotoalben über AOL.de kreieren. Der Community-Gedanke tritt also anstelle der kostenpflichtigen Internet-Zugänge, mit denen AOL bisher sein Geld verdiente. Auf diesen Communityseiten kann AOL dann Werbung an Anzeigenkunden verkaufen.

Die AOL-Angebote sollen sich zudem auch vom Handy aus abrufen lassen. Damit will man Mobilfunk-Enthusiasten gewinnen. Außerdem erscheint den AOL-Verantwortlichen das Thema Musik-Download wichtig. Deshalb wollen die Hamburger ihren bisherigen Online-Musik-Shop um ein Abo-Angebot erweitern.

In den kommenden Wochen ist zudem mit neuen Versionen des AOL-Browsers, des Maildienstes und des AOL Instant Messengers (AIM) zu rechnen. Beim Maildienst steht ebenfalls eine Öffnung des Angebots für nicht zahlende Nutzer bevor. Ähnlich wie bei Web.de oder GMX kann man dann AOL-Mail kostenlos nutzen. Mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten lässt sich dieser Maildienst dann noch erweitern, beispielsweise um eine Kindersicherung, wie die Financial Times ausführt.

AOL Deutschland vollzieht mit seinem Richtungswechsel einen Schritt, den die US-Muttergesellschaft schon vor einiger Zeit getan hat. Die Gründe für den Strategiewechsel (weg von bezahlten Online-Zugängen hin zu Werbeinnahmen und kostenpflichtigen Extras) sind diesseits wie jenseits des Atlantiks die gleichen: Immer weniger Nutzer sind bereit, einen Online-Zugang über AOL zu buchen. In Europa sank der FTD zufolge die Zahl der AOL-Abonnenten in den ersten drei Monaten des Jahres 2006 um 147.000 auf 5,9 Millionen.

Alle die oben genannten Maßnahmen erfolgen unabhängig von einem möglichen Verkauf einzelner AOL-Niederlassungen. Denn Time Warner, das US-Unternehmen, dem AOL gehört, denkt auch über einen Verkauf von AOL Europa (Frankreich, Großbritannien und Deutschland) nach. Auch enge Kooperationen mit anderen Unternehmen erscheinen Marktbeobachtern möglich, um das ins Straucheln geratene Unternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser zurück zu bringen.

So könnten die Geschäfte in Deutschland und Frankreich entweder zusammen oder getrennt von einander veräußert werden. Der britische Arm von AOL Europe könnte vielleicht im Konzern bleiben. Den Wert von AOL Europe bewerten Banker mit rund einer Milliarde Euro. Das Frankreich-Geschäft wird auf 250 Millionen Euro und die Deutschlandtochter auf rund 450 Millionen Euro geschätzt.

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