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AOL Time Warner kauft Bertelsmann-Anteil zurück

08.01.2002 | 00:00 Uhr |

Der amerikanische Medienkonzern AOL Time Warner Inc. will in diesem Jahr sein Europa-Geschäft ausbauen, obwohl das Unternehmen dort keine Gewinne erwartet. Ziel sei es, zumindest die Verluste in Europa signifikant abzubauen, sagte AOL- Finanzvorstand Wayne Pace in New York. Im vergangenen Jahr hatten sich die Umsatzerlöse in Europa auf 800 Millionen US-Dollar belaufen bei einem Verlust von 600 Millionen Dollar.

Wie AOL Time Warner am Montag nach Börsenschluss mitteilte, kauft es die 49-prozentige Bertelsmann-Beteiligung an AOL Europe für 6,75 Milliarden Dollar (7,5 Mrd Euro/14,6 Mrd DM) in bar. AOL Time Warner wird damit Alleinbesitzer von AOL Europe.

AOL wird am 31. Januar 5,3 Milliarden Dollar für 80 Prozent der Bertelsmann-Beteiligung an AOL Europe hinblättern. Die restlichen 20 Prozent sollen im Juli 2002 für 1,45 Milliarden Dollar erworben werden. Die Konditionen waren im März 2000 auf dem Höhepunkt des Internet-Aktienbooms ausgehandelt worden. Die Zahl der AOL-Europe-Mitglieder sei im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf 5,5 Millionen gestiegen. AOL Deutschland habe mehr als 2,5 Millionen und AOL France mehr als eine Million Mitglieder. In Großbritannien sei AOL mit mehr als 1,5 Millionen Mitgliedern der größte Internet-Service-Provider.

AOL Time Warner hatte für 2001 einen Umsatzanstieg von etwas mehr als fünf Prozent auf 38 Milliarden Dollar prognostiziert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) werde um rund 18 Prozent auf knapp zehn Milliarden Dollar zulegen. Für das Schlussquartal geht das Unternehmen von einem Gewinn (EBITDA) von mehr als 2,7 Milliarden Dollar aus (plus 14 Prozent) aus. Der Umsatz dürfte um drei Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar steigen. AOL Time Warner legt seine vollständigen Geschäftsergebnisse für 2001 am 30. Januar vor.

Neue Rechnungslegungsvorschriften, die seit Jahresanfang in den USA gelten, machen im 1. Quartal 2002 eine Gewinn mindernde Sonderabschreibung von 40 bis 60 Milliarden Dollar notwendig. Es handelt sich um Wertverluste seit dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner im Januar 2000. Sie ergeben sich aus dem Unterschied zwischen dem Substanzwert des Unternehmens und dem gezahlten Preis (Goodwill). Die Summe von bis zu 60 Milliarden Dollar zeigt nach Ansicht von Experten die Überbewertung von Aktien auf dem Höhepunkt der Internet-Spekulation, als die Übernahme von Time Warner durch America Online vollzogen wurde.

AOL hat in seinem Geschäftsplan für 2002 keine wirtschaftliche Erholung eingeplant. Das Unternehmen erwartet ein Umsatzwachstum von fünf bis acht Prozent und einen EBITDA-Anstieg von acht bis zwölf Prozent. Umsatz und Gewinn dürften im ersten Quartal 2002 stagnieren, erklärte AOL Time Warner. dpa

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