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AOL kündigt großen Strategiewechsel an

07.09.2004 | 17:31 Uhr |

AOL wird im nächsten Jahr ein anderes Unternehmen sein", betonte Stan Laurent. Musikplayer, Online-Vertrieb und IP-Telefonie sollen das klassische Providergeschäft ergänzen.

Solch ein Strategiewechsel aus dem Mund des AOL-Deutschland-Geschäftsführers hört sich erst einmal stark nach einer großen Konkurrenz zu Apples Bemühungen im Digital Lifestyle-Sektor an. Dabei gehört der weltgrößte Onlineanbieter bisher noch zu den engsten Partnern. Der AIM basierende iChat-Dienst oder auch die Kooperation beim iTunes Musicstore sind die auffälligsten Beispiele hierfür.

Ist nun Laurents Ankündigung im FAZ-Interview, dass man sich im MP3-Player-Markt engagieren werde, eine klare Kampfansage? Eher nicht. AOL habe keine Interesse keine Jukeboxen für die Westentasche zu produzieren, erklärte Pressesprecher Tobias Riepe. Der Konzern strebe lediglich an, seinen Vertriebskanal für "exklusive Partnerschaften" zu nutzen.

Stan Laurent, Geschäftsführer AOL Deutschland
Vergrößern Stan Laurent, Geschäftsführer AOL Deutschland
© 2015

Dies hört sich nicht nur weitaus ungefährlicher für Apples Erfolgsprodukt iPod an als ein aufwändig entwickelter "AOL-Player", sondern könnte ihm sogar weiteren Aufschwung geben. Immerhin schaffte es der Mac-Hersteller vor kurzem sogar mit Hewlett Packard einen seiner größten Konkurrenten im Computergeschäft beim Marktsegment Digital Lifestyle mit ins Boot zu holen. Unter dem Label "Apple iPod + HP" verkauft der zweitgrößte PC-Hersteller nun den gleichen weißen MP3-Player über seine eigenen Vertriebswege. Eine Lösung, die auch für AOL zumindest nicht ausgeschlossen ist, wenn sich der Konzern auf die Suche nach "exklusiven Partnern" macht.

Auch bei der Frage des Online-Vertriebs betont AOL explizit den Plattform übergreifenden Ansatz. Der eigene deutsche Store, der monatlich zwischen 150.000 und 200.000 Stücke an die Kunden verkauft, soll weiterhin durch die Partnerschaft beim iTunes Musicstore ergänzt werden. Beide Nutzergruppen - die Käufer WMA basierender Player und iPod-Anhänger - sollen eine einfache Einkaufsmöglichkeit haben, betont Riepe.

Stan Laurents Aussage, dass AOL sich im kommenden Jahr stark ändere, bezieht sich daher weniger auf die Gestaltung der bisherigen Angebote, sondern um die Grundphilosophie. Hatte sich der Konzern in den letzten beiden Jahren vom Anbieter eines geschlossenen Internetportals zu einem Provider für das World Wide Web geöffnet, so steht nun die nächste konzeptionelle Änderung an. Der Computer soll nicht mehr die einzige für AOL relevante Zugangshardware sein.

Dazu gehört die neue Voice-over-IP-Strategie, die Internettelefonie so einfach wie möglich machen soll. Erklärtes Ziel sei es, den Festnetzanschluss zu kappen. Der DSL-Zugang soll nach Laurents Willen nicht nur die "zweite Leitung", sondern der zentrale Kommunikationszugang für Texte, Bilder, und dann auch Gespräche sein. Im Gegensatz zum kostenlosen Voice-over-IP-Service Skype wolle man dazu eben nicht nur auf eine Computer gestützte Lösung setzen, unterstreicht Riepe Paradigmenwechsel und fügt schließlich zur Erläuterung der neuen Strategie hinzu, "der Plattform übergreifende Anspruch bezieht sich nicht nur auf Betriebssysteme, sondern zukünftig auch auf Hardware".

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