Von Peter Müller - 05.02.2013, 09:28

Apple in den Medien

ARD-Markencheck: Hart, aber teilweise unfair

©ARD

Keine schönen Bilder aus China: Überfüllte Wohnheime, übermüdete Arbeiter, wenig Geld für harte Arbeit, kaum Auskommen mit dem Einkommen. Der Markencheck gestern zeigte Zustände auf der Werkbank der Welt, die im Europa des 19. Jahrhunderts soziale Revolutionen auslösten.
Was die gestrige ARD-Sendung nicht erwähnte: Apple ist bei weitem nicht der einzige Auftrageber für Foxconn und Konsorten, obwohl das die Sendung suggerierte. Unerwähnt blieben auch die Maßnahmen der FLA zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Supplier Responsibility Report war nur am Rande erwähnt. Nicht Apple ist unfair, es ist das System, dessen sich Apple und seine Konkurrenten bedienen.
Unfair gingen die Macher der gestrigen Sendung auch bei ihrer obligatorischen Straßenumfrage vor, Passanten sollten den Wert der Bauteile des teuren iPhones schätzen und empörten sich vor der Kamera über die Gewinnspanne. Keine Rede von den Kosten der Bauteile, welche die Konkurrenz bei ähnlichen Endpreisen aufwendet. Keine Rede davon, dass der Wert eines Produktes stets den der Einzelteile überschreitet.
Ansonsten war der gestrige Markencheck relativ ausgewogen und versuchte sachlich zu erklären, wie Apple mit seinen Produkten die Sinne derart anspricht, dass Hunderte sich vor einer Produkteinführung die Nacht vor dem Apple Store um die Ohren schlagen. Warum aber das Versenken eines Telefons in einem Bierglas ein ernstes Testkriterium sein sollte und warum neben verklärten Apple-Fans und einem ausgesprochenen Apple-Hasser ("Diktatur! Gleichschaltung!") keine "normalen" Anwender zu Wort kamen, wird Geheimnis der Markenchecker bleiben.
Insgesamt stößt der WDR-Markencheck auf wenig positive Resonanz. So urteilt etwa die Fachpublikation Meedia unter dem Titel "Alter Apple-Woi in neuen Schläuchen": "Wer die kritische Berichterstattung zu Apple in den vergangenen Monaten verfolgt hat, dürfte beim "Apple-Markencheck" nichts wirklich Neues erfahren. Was hängenbleibt, ist eine Mischung aus Vorwürfen über zu hohe Preise, gepaart mit Vorwürfen zu niedrigen Lohnkosten auf Zuliefererseite. Ob westliche Konsumenten dann im Gegenzug steigende Anschaffungspreise in Kauf nehmen müssen, wenn die Löhne in Shenzen steigen, will die Dokumentation nicht beantworten."
Anscheinend hatte das Fernsehpublikum nicht viel mehr erwartet, die Einschaltquoten blieben sogar unter denen für den Markencheck TUI von vor zwei Wochen, weiß Kress zu berichten: "Die ARD-Montagssendung "Der Apple-Check" samt nachgelagerter "Hart aber fair"-Diskussion blieb hart an der Grenze zur Mogelpackung. Mit 2,50 Mio Gesamtzuschauern lag "Der Apple-Check" sogar noch hinter dem "Tui-Check" von vor zwei Wochen. Naturgemäß schalteten anteilig mehr Jüngere zu, doch auch 1,09 Mio 14- bis 49-Jährige (Marktanteil: 8,7%) sind keine berauschende Ausbeute. Die "Hart aber fair"-Pseudodiskussion im Anschluss, bei der fast alle aneinander vorbeisprachen, verfolgten dann nur noch 6,0% der Unter-Fünfzigjährigen."
An der Diskussionsrunde der Reihe "Hart aber Fair" stößt sich auch der Spiegel, der im Markencheck ebenso wenig Neues gesehen haben will. Eine mögliche Diskussion über vermeintliche Gier von Herstellern, Zulieferern und Verbrauchern unterblieb: "Stattdessen gab es dann bei Plasberg das Thema: "Handy an, Hirn aus - wie doof machen uns Apple und Co.?" Um es vorweg zu nehmen: Das wusste man auch nach der Diskussion nicht, in der es allerdings auch um gänzlich andere Fragen ging. Nur um welche, blieb unklar: Offenbar zielte Plasbergs Redaktion darauf, die grundsätzlichen Befindlichkeiten von Menschen zur Kollision zu bringen, die auf gegenüberliegenden Seiten einer Kluft stehen, die man die Waldorf-Piraten-Klamm nennen könnte. Solche Schluchten sind bekanntlich schwer überwindbar, ohne in die Tiefe zu gehen."
Bereits vorab gesehen haben die Kollegen des Focus die Sendung, die schon am gestrigen Nachmittag eine Inhaltsangabe der Sendung brachten und das Urteil des Markenchecks in Sachen Fairness verrieten: "Ist Apple also fair? Urteil des Markenchecks: Eindeutig Nein."
Wobei gerade an dieser Stelle der Markencheck einseitig unfair wurde. An keiner Stelle wurde erwähnt, welche anderen Hersteller bei den für Apple tätigen Zulieferern auch fertigen lassen, und dass Apple Zulieferern kündigt, die sich nicht an die Regeln halten. Der Supplier Responsibilty Report kam nur kurz in das Bild, wurde aber weder erklärt noch dessen Konsequenzen beschrieben. Alles in allem ist der Markencheck an dieser Stelle durch den Fairnesscheck gefallen.
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