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ATI arbeitet am nächsten Mobil-Grafikchip

02.06.2004 | 15:06 Uhr |

Nicht nur am Mac steht als Synonym für Grafikkarte hauptsächlich Nvidia und ATI. Deshalb folgt auf Ankündigungen des einen Herstellers meist kurze Zeit später die Pressemitteilung des anderen. Wie jetzt: Nvidia meldete vor zwei Wochen, dass man an "MXM" arbeite, einer schnellen PCI-Express-Schnittstelle für Notebook-Grafikkarten. Was ATI gestern mit "Axiom" konterte.

Grafikkarten übernehmen heute viele Aufgaben, die früher der Hauptprozessor eines Rechners berechnen musste. Deshalb fließen inzwischen große Datenmengen zwischen CPU und Grafikkarte hin und her, so dass eine entsprechend schnelle Verbindung darüber entscheidet, ob die Bildschirmdarstellung elegant und flüssig oder zäh und ruckelig ist. PCI Express ist hier der Stand der Technik, da über diese Schnittstelle jeweils 4 GB/s gleichzeitig hin und zurück transportiert werden können - rund viermal so viel wie der Bus AGP 8X, der momentan im Power Mac G5 und in schnellen PCs seinen Dienst tut. Für Desktop-PCs mit Intel-Prozessor sind nun bald die ersten PCI-Express-Karten im Handel, auf dem Mac erwartet man das entsprechende Pendant spätestens bis Ende dieses Jahres.

In Notebooks sucht man diese Schnittstelle bislang allerdings vergeblich. Erst vor zwei Wochen kündigte Nvidia an, dass die Firma an MXM arbeite, das sich hervorragend für mobile Rechner eigne und auf PCI Express beruhe. Diese Woche ist ATI an der Reihe, die eine ähnliche Schnittstelle "Axiom" nennen und außerdem gleich den passenden Grafikchip im Angebot haben. Zusammen ergibt das die Grafikkarte Mobility Radeon X600.

Nvidias Top-Mobilchip Geforce FX Go 5700 unterstützt laut Nvidia bisher lediglich AGP 8x. Da aber Nvidia PCI Express im Gegensatz zu ATI vorerst nicht direkt einbauen will, sondern lediglich ihre AGP-PCI-Express-Brücke "HSI" vorsieht, sollte eine PCI-Express-Mobil-Version schnell machbar sein.

Grafikchips ohne Verbindung zur Außenwelt

Beide Hersteller stehen aber vor demselben Problem: Es gibt bis Herbst dieses Jahres noch keine Chipsätze, die in Notebooks passen und die PCI Express unterstützen. Erst dann will Intel mit "Alviso" das passende Produkt bereitstellen. Selbst Nvidias eigener Mobil-Chipsatz Nforce3 Go unterstützt bisher noch nicht PCI Express, es wurden allerdings auf Messen schon Vorabversionen mit PCI-Express Nforce-Chips (allerdings nicht für Mobilrechner) gesichtet, unter anderem Iwills Dual-Opteron-Board DK8E. PCI Express in Notebooks wird also bis zur Veröffentlichung von entsprechenden Chipsätzen noch einige Zeit auf sich warten lassen. Erfahrungsgemäß werden die ersten PCI-Express-Notebooks die entsprechenden Desktop-Komponenten nutzen, was allderdings nur klobige Notebooks mit extrem kurzer Akkulaufzeit erlaubt. Die ersten Desktop-Hauptplatinen mit PCI-Express-Unterstützung sollen bis Ende Juni verfügbar sein, die entsprechenden Bauteile kommen vorerst von Intel (i915 "Grantsdale", i925 "Alderwood"), SIS (SiS965L) und ATI (RS480, RX480), ALI und VIA werden erst im dritten Quartal 2004 entsprechende Chipstätze liefern, Nvidia ("Nforce Crush") gar erst im vierten.

Wahrscheinlich geben deswegen weder ATI noch Nvidia bisher konkrete Liefertermine für ihre Mobil-PCI-Express-Chips an.

Nvidias MXM wurde von Nvidia als offener Standard festgelegt und Nvidia betont explizit, dass auch MXM-Karten mit ATI-Chips von den Notebook-Herstellern erwünscht und möglich sind. ATI hat laut eigener Aussage "Axiom" trotzdem spezifiziert, um den Notebook-Herstellern mehr Freiheiten bei der Umsetzung zu geben. Da in Notebooks traditionell wenig Platz ist und MXM feste Abmessungen vorgibt, glaubt ATI, dass ihre Lösung den Herstellern eher entgegen kommt. Technisch unterscheiden sich die Interfaces kaum, nur schreibt Nvidia zusätzlich zu der Schnittstelle noch Kriterien wie Stromverbrauch, Platz, Kühlung und Signal-Routing vor, ATI spezifiziert lediglich die Schnittstelle selbst.
ATIs jetzt vorgestellte Eigenentwicklung Mobility Radeon X600 (M24) ist eine Weiterentwicklung des Mobility Radeon 9700 (M11), der wiederum dem RV360-Chip der Radeon 9600 XT entsprach. Er bietet vier Pixel-Pipelines, zwei Vertex-Pipelines und ein 128-bit-Speicherinterface. Erhältlich ist der Chip wie sein Vorgänger in drei Konfigurationen: Einzeln mit beliebig viel Speicher und in zwei Versionen mit 64 und 128 MB RAM im Chip integriert, was die Herstellungskosten, den Kühlaufwand und den Platzverbrauch erheblich senkt. Über nähere technische Daten wie Speicher- und GPU-Takt schweigt ATI sich bisher aus, aber falls der Mobility Radeon X600 - wie der Mobility Radeon 9600 damals - der Desktop-Version (in diesem Falle die X600 XT) entspricht, hat er 500 MHz GPU-Takt und 370 MHz DDR-Speichertakt, was ihm zu einer Pixelfüllrate von 2 Gpixel/s und einer Speicherbandbreite von 11,8 GByte/s verhilft. Zum Vergleich: Der Grafikchip Mobility Radeon 9700 hat 450 MHz GPU-Takt und 275 MHz Speichertakt, was 1,8 Gpixel/s Füllrate und 8,8 GByte/s Speicherbandbreite entspricht. Die technischen Fähigkeiten sind auch sonst fast identisch mit dem Vorgänger: Beide bieten ATIs "Smartshader 2.0" und "Smoothvision 2.1", lediglich beim Powermanagement hat ATI etwas verbessert: "Powerplay" unterstützt in seiner fünften Generation "Vari-bright", was die Helligkeit des Displays optimiert um Strom zu sparen.

Macwelt-Kommentar

ATIs X600 ist abgesehen von PCI-Express-Unterstützung eher Evolution als Revolution, aber da ATIs Mobil-Chips ohnehin führend sind, ist dies kein Grund zur Trauer. Trotzdem wäre dies der perfekte Chip für ein G5-Powerbook, Apple könnte AGPx8 in ihren Notebooks überspringen und gleich auf PCI Express gehen. Dass Apple jemals Axiom- oder MXM-Schnittstellen in Powerbooks verbaut ist extrem unwahrscheinlich, denn erstens verkauft Apple lieber komplette Notebooks als Notebook-Module und zweitens bieten heute schon nur sehr wenige Hersteller Grafikkarten für Desktop-Macs an.

Info Nvidia MXM
ATI Mobility Radeon X600
ATI Pressemitteilung

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