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Abhilfe gegen Bilderrauschen

11.06.2004 | 13:04 Uhr |

Digitale Fotografie bedeutet nicht automatisch glasklare Bilder. Besonders bei Aufnahmen mit schlechter Beleuchtung oder bei Motiven mit Schatten ist auch bei guten Kameras ein deutliches Bildrauschen zu sehen. Noise Ninja verspricht in solchen Fällen schnelle Hilfe.

Einfarbige Flächen zeigen bei Bildrauschen deutliche Störungen und Fehler, ein schwarzer Nachthimmel erscheint beispielsweise gesprenkelt. Ist die so genannte ISO-Zahl zu niedrig, steigt die Gefahr des Verwackelns, ist sie zu hoch, wird das Bildrauschen stärker. Erhöht man bei einer Digitalkamera die ISO-Zahl, wird im Prinzip nur die Signalstärke des Sensors verstärkt, was ein Rauschen verstärkt. Anders als bei den speziellen lichtempfindlichen Filmen für Analog-Kameras besitzt jeder Bildsensor eigentlich nur eine einzige Lichtempfindlichkeit. Das Ergebnis ähnelt dem grobkörnigen Effekt von lichtempfindlichem Film. Für den Digitalfotografen gibt es eine Reihe spezialisierter Bildfilter, die derartige Störungen von fehlerhaften Aufnahmen oder auch Scans entfernen können. Shortcut hat das Programm Photo Clean im Angebot, Fixer Labs bietet das Photoshop-Plug-in Noise Fixer an, Nik Multimediea das Plug-in Dfine.

Große Beliebtheit in der Windows-Welt genießt das Programm Noise Ninja, das verspricht, Störungen zu beseitigen und gleichzeitig Details zu erhalten. Und nach unseren Ergebnissen sogar mit gutem Erfolg. Bisher war das Programm nur in einer Windows-Version verfügbar, seit kurzem ist eine erste Mac-Beta verfügbar. Nach Angaben des Entwicklers ist auch ein Photoshop-Plug-in in Entwicklung. Die Betaversion ist uneingeschränkt funktionsfähig, zum Lieferumfang gehören Kameraprofile und eine Kalibrationsdatei.

Die englischsprachige Oberfläche ist etwas unübersichtlicht geraten, nach einiger Einarbeitung findet sich aber auch der Bildbearbeitungseinsteiger zurecht. Es gibt zwei Methoden, Bilder zu entrauschen: Bei der aufwendigeren Methode wählt man eine besonders verrauschte Stelle aus, die das Programm analysiert um einen "Rausch-Filter" zu erstellen. Für die Analyse eines 5-Megapixel-Bildes benötigte Noise Ninja auf einem G4/450 etwa 40 Sekunden, etwa die gleiche Zeit nimmt dann noch einmal die Anwendung des Filters in Anspruch. Doppelt so schnell funktioniert Noise Ninja mit einem Kameraprofil, das bereits Informationen über die für das Kameramodell typischen Bildfehler enthält. Für eine Reihe verbreiteter Digitalkameras stehen bereits kostenlose Profile zum Download bereit. Druckt man die mitgelieferte Kalibrationskarte aus, kann man sich eigene Profile anlegen. Noise Ninja wählt dann anhand der EXIF-Daten das zu einer Fotografie passende Profil aus. Laut Hersteller erzielt man mit diesen maßgeschneiderten Profilen bessere Ergebnisse, bei unseren Tests bemerkten wir aber nur geringe Unterschiede.

Bei der Wavelet-basierten Filteranwendung sind weitere Einstellungen möglich. Per Schieberegler beeinflusst man eine Reihe an Parametern, ihre Wirkung wird in einem Auswahlfenster angezeigt. So werden die Bilder bei der Anwendung des Filters unter anderem auch geschärft. Für gewöhnlich sind die Voreinstellungen völlig ausreichend. Will man Details in bestimmten Bildteilen verstärken, kann man die Wirkung des Filters nachträglich mit einem Pinselwerkzeug abmildern oder verstärken. Nach der erfolgreichen Anwendung des Filters wechselt man per Tastenbefehl zwischen Vorher- und Nachher-Ansicht des Bildes, um sich von dem Erfolg der Aktion zu überzeugen.

Nach unseren Tests mit verschiedenen Außen- und Innenaufnahmen funktioniert das Beta-Programm sehr gut und zuverlässig. Störungen in Flächen werden gut erkannt, Details wie etwa Schrift bleiben erhalten. Völlig verrauschte Aufnahmen kann aber auch dieses spezielle Programm nicht mehr retten. Erfahrene Photoshop-Anwender erzielen mit "Handarbeit" wohl ähnlich gute Ergebnisse, für den Digitalfotografen ist Noise Ninja eine nützliche und vor allem Zeit sparende Ergänzung. Allerdings werden nur JPEGs und Tiff-Dateien unterstützt, RAW-Informationen einer Digitalkamera dagegen nicht. Fast bei jeder Digitalfotografie kann das Programm die eine oder andere Störung entfernen. Allerdings sind manche auf dem Monitor erkennbare Störungen auf einem kleinformatigen Fotoausdruck nicht mehr erkennbar. Den Heimanwender kostet Noise Ninja 29 Euro, der Profi-Anwender erhält für 68 Euro eine Version mit Multiprozessorunterstützung, Stapelverarbeitung und 48-Bit-Unterstützung.

Info Picturecode Preis 29 Euro Web www.picturecode.com

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