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Facebook: Statt Mitbestimmung mehr Datennutzung

17.12.2012 | 11:09 Uhr |

Das Facebook-Volk hat gewählt – wenn es überhaupt etwas von der nahenden Abstimmung über eine Novelle der Nutzungsbedingungen und Datenverwendungsrichtlinien mitbekommen hat. Jetzt werden die Abstimmungen wohl endgültig eingestellt.

Es sind die absoluten Reizthemen der Netzwelt: Facebook , Datenschutz, Mitbestimmung. Das soziale Netzwerk hat in den vergangenen Tagen seine Mitglieder über Veränderungen der bestehenden Nutzungsbedingungen und Datenverwendungsrichtlinien abstimmen lassen.

Der Wahlmodus mutete dabei irgendwie grotesk und kompliziert an: Facebook hat etwa eine Milliarde Nutzer. Um nach den Facebook-Richtlinien eine bindende Entscheidung herbeizuführen, müssten 30 Prozent der Nutzer ihre Stimme abgeben, also knapp 300 Millionen Facebook-Mitglieder. So weit, so gut. Das Problem jedoch ist, dass nur wenige Mitglieder überhaupt von der Möglichkeit der Abstimmung erfahren haben. Denn entweder hat sie die schriftliche Information per Mail nicht erreicht oder ihnen war die Seite „Facebook Site Governance“ , auf der solche administrativen Fragen kommuniziert werden, nicht bekannt.

Das Ergebnis: „Von den ca. 668,872 Personen, die an der Abstimmung teilgenommen haben, haben 589,141 Personen die Beibehaltung unserer bestehenden Erklärung der Rechte und Pflichten und der Datenverwendungsrichtlinien empfohlen.“ So schreibt es Facebook auf seiner „Site Governance“-Seite. Interessant ist hier das „circa“ vor den offensichtlich absoluten Zahlen – ein Schelm, wer Böses denkt. Weiter heißt es zum Wert der Abstimmung: „Trotz [...] der umfangreichen Berichterstattung in den Medien haben weniger als ein Prozent unserer Nutzergemeinschaft von über einer Milliarde teilgenommen. Wie in beiden Richtlinien dargelegt ist, haben die Ergebnisse lediglich einen beratenden Charakter, wenn nicht mehr als 30 % der Nutzer abstimmen.“ Aha ...

Im Kern soll es nach den neuen Datenverwendungsrichtlinien darum gehen, dass Facebook künftig im eigenen Unternehmensverbund Nutzerdaten austauschen beziehungsweise zusammenführen darf. Zum Beispiel Instagram -Nutzerin Judith. Sie hat nur ihr Instagram-Konto und die dortigen Daten beim Foto-Netzwerk hinterlegt. Nach den neuen Richtlinien wird es künftig möglich sein, dass ihre Daten und Fotos von Facebook ausgewertet und genutzt werden – obwohl Judith nie Mitglied bei Facebook geworden ist. Des Weiteren ist es möglich, dass bei Partnerdiensten bereits aus dem Profil entfernte Informationen oder Bilder und Posts quasi als Echo auf anderen Plattformen auftauchen können. Facebook hat in dieser Sache aber versprochen, deutlicher auf die Mehrfachnutzung der Daten hinzuweisen.

Gleichzeitig mit der Einführung der neuen Nutzungsbedingungen hat Facebook den bisher vorhandenen Mitbestimmungsmodus komplett gestrichen. Bislang war es möglich, mit 7000 Kommentaren zu etwaigen Änderungen der Nutzungsbedingungen eine Abstimmung darüber einzuleiten. Diese scheiterten jedoch immer an der bereits genannten 30-Prozent-Hürde. Schaut man in die Richtlinie hinein, fällt das auch sofort auf. Der Absatz 14 der neuen Version der Nutzungsbedingungen wurde beispielsweise im Vergleich zur alten fast komplett zusammengestrichen – eine weitere Mitbestimmung ist nicht vorgesehen. Facebook sei den alten Regularien entwachsen, wie die Anwältin Erin Egan, Facebooks „Chief Privacy Officer of Policy“ in einem Interview mit Techcrunch mitteilte. Statt komplizierter Wahlen mit Kommentaren und Likes sollen künftig Frau Egan und ihr Team Nutzerkommentare und Fragen „sorgfältig prüfen“ und in Webcasts dann die Kommentare beantworten.

Kommentar von Florian Kurzmaier

Blickt man in die Nutzerkommentare und das Medienecho zur Abstimmung erlangt man den Eindruck, dass an Facebook Maßstäbe wie sie sonst nur an Behörden oder Organisationen angelegt werden. Facebook ist in meinen Augen aber in erster Linie eines: ein Unternehmen, dass Gewinne erzielen möchte.

Viele scheinen zu vergessen, dass Facebook ein für den Nutzer zumindest unter finanziellen Gesichtspunkten kostenloser Dienst ist – der Preis sind einzig die Nutzerdaten. Und darauf, was man in sein Profil postet, hat Facebook Gott sei dank keinen Einfluss, sondern nur der Nutzer selbst! Ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten ist aus meiner Sicht das A und O im Umgang mit sozialen Netzen.

Für die gesetzlichen Rahmenbedingungen und deren Umsetzung kann Facebook indes nichts – hier müssen von Seiten des Gesetzgebers eindeutige und klare Regeln her. Mein Vorwurf an Facebook ist hauptsächlich die Kommunikation mit den Nutzern! Denn die sollte transparent und verständlich sein. Und das sind die Nutzungsbedingungen und Datenverwendungsrichtlinien im Moment definitiv nicht.

Schließen möchte ich mit einem wie ich finde sehr humorigen Zitat aus den Kommentaren zur Abstimmung. Ein Nutzer schreibt dort:

„Mmh, beim aktuellen Aktienkurs von 27,77 $ und einem gehandelten Volumen von 41 Mio. Aktien müsste man nur rund 580 Mio. $ aufbringen um 51% der Aktien zu kaufen. Wenn also jeder Facebook User nur einen Dollar in nen Topf wirft, übernehmen wir den Saftladen doch einfach.“

In diesem Sinne!

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