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Adobe-Führungsriege drückt die Schulbank

01.03.2001 | 00:00 Uhr |

Adobes ehemaliger Chef Warnock verordnet seinem Nachfolger Bruce Chizen und anderen Top-Managern des Unternehmens, sich Basiswissen in Photoshop, Illustrator und Acrobat anzueignen.

München/Macwelt - In einem ungewöhnlichen Schritt hat John Warnock, mittlerweile ausgeschiedener Adobe-Chef, veranlasst, dass die aktuelle Führungsriege des Unternehmens die Produkte, mit denen sie ihr Geld verdient, auch kennenlernt. So werden sein Nachfolger Bruce Chizen und elf weitere Mitglieder des Top-Managements im März Grundlagen zu Photoshop, Illustrator und Acrobat erlernen.

Wer Warnock kennt, kann erahnen, wie schwer es für den alten Insider der Publishing-Szene und Mit-Gründer des Software-Unternehmens, der bekannt ist für seine Faszination und seine Begeisterung für die von seiner Firma entwickelten Software, das Feld einem modernen Manager zu räumen, der die Adobe-Produkte allenfalls als Mittel zum Zweck sieht. Schon kurz nach Bekanntwerden des Führungswechsels hatte die US-Computerpresse darüber spekuliert, welche Änderungen in der Firmenpolitik die Ablösung von Warnock, der bei allen Neuentwicklungen die Hand im Spiel hatte, durch Chizen bedeuten könnte, der bei Adobe wie seinen früheren Arbeitgebern Mattel, Microsoft und Claris ausschließlich in den Bereichen Marketing und Verkauf tätig war.

Bruce Chizen ist berühmt für seinen brennenden Ehrgeiz, der es ihm nach eigenen Worten verbietet, irgendwo nur "Nummer zwei" zu sein. Um im harten Wettkampf mit Macromedia Adobes erfolgreiche Spitzenposition im Markt für grafische Software zu verteidigen, schadet etwas Basiswissen über seine Hauptprodukte sicher nicht.

Ende der 90er Jahre war Adobe in ernsten Schwierigkeiten, da das Unternehmen den Anschluss in Sachen Internet-Design zu verlieren drohte.

Wie Macromedie versucht der Marktführer durch Allianzen und Käufe anderer Unternehmen eine Vormachtstellung in Sachen Internet-Design zu erringen. Der letzte Coup ging jedoch an Macromedia, die im Februar die Softwarefirma Allaire gekauft und mit dem HTML-Editor Allaire Homesite und dem Web-Server Coldfusion die Produktpalette in Richtung Internet erweitert hatte.

Mal sehen, ob es mit etwas Nachhilfe in Photoshop, Illustrator und Acrobat getan ist, und Chizen sich so weit in die Materie einarbeiten kann, dass er Adobe auch in den nächsten Jahren auf dem richtigen Kurs hält.

Marlene Buschbeck-Idlachemi

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