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Adobe beschwört neue Ära der mobilen Kreativität

10.10.2014 | 16:18 Uhr |

Auf der Adobe MAX in Los Angeles stellte Adobe eine Reihe neuer Kreativapps und Funktionen vor, um die Ära der vernetzten Kreativität auszurufen.

Nur drei Monate nach Creative Cloud Release 2014 folgt anlässlich der Adobe MAX der nächste Schwung Neuheiten. Zur Hausmesse Adobe Max kommen neue Apps, Funktionen und Services rund um die hauseigene Komplettlösung Creative Cloud – womit Adobe seinem Versprechen der kurzen Innovationszyklen nachkommt. Der Fokus der Neuerungen lag diesmal eindeutig auf mobilen Apps. Adobe CEO Shantanu Narayen betonte in der Max Keynote (Wiederholung des Streams gibt es unter: http://max.adobe.com ), dass Smartphones heute genug Power hätten, um darauf Photoshop laufen zu lassen. Adobe will mit seinen neuen Kreativapps die spielerische, einfache Bedienung auf den Mobilgeräten mit Ergebnissen in Profi-Qualität verbinden. Daneben ist es Adobe wichtig, eine nahtlose Erfahrung über alle Geräte hinweg zu schaffen. Der Kreative kann überall inspiriert sein und fängt mit seiner Arbeit auf dem Gerät an, das er gerade zur Verfügung hat. Der erste Entwurf wird dann automatisch fürs Verfeinern zu den Profi-Tools wie Illustrator oder Photoshop transportiert, wo er ihn verfeinern und finalisieren kann.

Creative Profile verbindet Mobil und Desktop

Das bindende Glied zwischen Kreativität auf mobilen Apps und der Verfeinerung in den bekannten Desktop-Programmen soll das neue Creative Profile werden. Jeder Creative Cloud-Nutzer hat automatisch diese neue Kreatividentität. Im Profil werden automatisch Dateien, Fotos, Farben, Pinselspitzen, Vektorgrafiken, Schriften, Stile, Grafiken und Assets aus dem kürzlich eingeführten Creative Cloud Market gespeichert und bereit gehalten – praktisch die komplette Palette an Zutaten, mit denen der Kreative arbeitet und gestaltet. Künftig soll das Creative Profile ständig bereit stehen, egal wo und in welchem Programm man gerade arbeitet. Wie das in der Praxis aussieht zeigt eine Demo: Die Colors App auf dem iPhone (zuvor als „Kuler“ bekannt) erstellt ein Farbprofil aus einem geknipsten Foto und transportiert das Farbschema automatisch in Creative Cloud. In der neuen Library-Seitenleiste in Illustrator ist es sofort für das Einfärben von Grafiken verfügbar. Genauso können Vektorgrafiken oder Pinselspitzen aus den neuen Apps an den Desktop transportiert werden. Creative Profile soll ein ganzes Design System sein, das der Kreative immer dabei hat und lästige Ordner und Dateisysteme gegen sofortigen und einfachen Zugriff austauscht. Derzeit ist die Library-Seitenleiste nur in Illustrator und Photoshop präsent, Adobe versicherte auf Nachfrage aber, dass die komplette Creative Cloud nach und nach damit ausgestattet wird.

Mobile Kreativ-Apps mit frischen Ideen

Neben Creative Profile waren die neuen Mobilapps für Kreative das Highlight der Max. Die Zeichenapp Illustrator Draw ist noch die geläufigste: Hier hat Adobe die bekannte wie beliebte Vektor-App „Ideas“ in ein modernere, zu den restlichen Apps passende Oberfläche verpackt. Draw liefert detaillierte Vektorzeichnungen – vor allem in Verbindung mit dem dieses Jahr hoffentlich noch erscheinenden Stift Ink und dem Lineal Slide, die in den Max-Demos allgegenwärtig waren. Draw kann Ebenen und Vektorpfade 1:1 an Illustrator schicken. Ein Tipp genügt, und Illustrator geht auf dem Desktop auf und bietet alle Pfade zum editieren und verfeinern an. Großen Anklang fand Brush , eine komplett neue App, die aus allem möglichen aus der Umgebung Pinselspitzen erzeugen kann. Es reicht, eine Zeichnung oder was auch immer zu fotografieren und als Pinsel zu definieren. In Sekunden kann er in Photoshop oder Illustrator verwendet werden – mit verblüffenden Ergebnissen.  

Ebenso erstaunlich ist die neue App Adobe Shape : Sie zaubert aus kontrastreich geknipsten Fotos Vektorkurven. So ist es möglich, von mit dem iPhone abfotografierten Logos im Nu die Ausgangsbasis für Vektorzeichnungen in Illustrator zu schaffen.

Deutlich verbessert wurde der Austausch mit den schon im Juli vorgestellten Zeichenapps Line und Sketch: Bisher lieferten sie nur gerenderte PNG-Pixeldateien an Illustrator, jetzt geben sie sauber editierbare Vektordateien ab. Die ebenfalls schon im Juli vorgestellte Mini-Bildbearbeitung Photoshop Mix gab es bislang nur fürs iPad, jetzt können auch schon auf dem iPhone erste Bildkorrekturen unterwegs erledigt werden. Das neue Premiere Clip ermöglicht Einsteigern Videoschnitte unterwegs auf dem iPhone - komplett mit Musik – zu erstellen.

Die Timeline vom iPhone aus Premiere Clip wird komplett in Premiere Pro CC übernommen und bleibt editierbar. Alle mobilen Apps sind ab der Keynote verfügbar und Gratis – lediglich eine (auch kostenlos erhältliche) Adobe ID ist zum Anmelden nötig. Im Betastadium wurde das neue Creative SDK gezeigt, das Adobe-Technologien aus Photoshop & Co für Drittentwickler öffnet. Auf Basis der Plattform wurde eine App des T-Shirtherstellers threadless.com für das Gestalten eigener T-Shirts mit Elementen aus Illustrator gezeigt.

Das Kreativnetzwerk Behance ( www.behance.net ) wurde mit Creative Profile noch enger an die Apps und den Desktop angebunden – ein Klick reicht zum Veröffentlichen einer Arbeit. Künftig sollen Profis auch Kreative mit dem neuen „Talent Search“ suchen und finden – und zwar anhand ihrer tatsächlichen Projektarbeiten und nicht nach Lebensläufen. Auf Behance werden Arbeiten per Bildanalyse indiziert. So ist es möglich zum Beispiel Illustratoren mit einem ähnlichen Zeichenstil aus dem weltweiten Angebot herauszufiltern.

Photoshop macht einen Riesenschritt im Webdesign

Photoshop ist nach wie vor der Startpunkt für viele Webdesigns – zeigte sich aber oft umständlich beim Aufbereiten der Webgrafiken. Wiederholtes „Für Web speichern“ vereinfacht die neue Extract-Funktion. Sie kann aus PSD-Dateien – sogar ohne installierten Photoshop – schon im Webbrowser Farben, Schriften und CSS-Stile herauslesen, beziehungsweise erzeugen, die sich dann exportieren und leicht für Dreamweaver & Co  weiter verwenden lassen. Eine enorme Zeitersparnis, da bisher fünf bis sechs Einzelschritte für das Aufbereiten eines Screendesigns in einem Rutsch erledigt werden. Dahinter steckt eine deutliche Weiterentwicklung der zuvor schon bekannten Generator-Funktion, die Web-Assets automatisiert erzeugte.

Die intuitive Touch-Bedienung von den Mobilgeräten soll künftig auch in Illustrator, Photoshop & Co Einzug haben. Dafür ist wie im Fall von Ink & Slide spezielle Hardware nötig, die Adobes Desktop-Programme auf eine PC-ähnliche Umgebung bringt, aber Touch-Bedienung hinzufügt. Auf der MAX wurde die Vollversion von Illustrator auf einem Microsoft Surface Pro-Tablett gezeigt. Für Touch startet eine abgespeckte Arbeitsumgebung, die dann Zeichnen und Rotieren mit den Fingern möglich macht. Beim Zeichnen mit dem Stift kommt Drucksensitivität hinzu, viele Schritte wie Animation soll so viel einfacher werden. Adobe kündigte nach dem Illustrator Demo auf Surface Pro eine intensive Partnerschaft mit Microsoft an, die durch den Bühnenauftritt bei der Keynote des Microsoft CEOs Satya Nadella unterstrichen wurde. Ob die Partnerschaft und die neuen Bedienmöglichkeiten in Illustrator, Photoshop & Co reicht, um die Kreativen für die bislang kaum abhebende Surface-Plattform zu begeistern und von gewohnten Gefilden wie Macs oder Wacom-Eingabegeräten wegzulocken bleibt abzuwarten – und stieß nicht nur bei uns auf Skepsis. Dennoch halten wir „Touch für den Desktop“ für einen hochinteressanten Ansatz, den Adobe weiterverfolgen sollte.

 

 

 

 

 

 

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