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Erster Eindruck Creative Cloud 2014

18.06.2014 | 21:12 Uhr |

Mit Creative Cloud Release 2014 zeigt Adobes Lösung langsam ihr Potenzial als Ökosystem aus Desktop- und Mobil-Apps für Designer

Laut Adobe hat sich für Kreative in den letzten fünf Jahren mehr verändert als in den 50 Jahren zuvor. Keine bloße Behauptung, sondern nur eines von vielen Ergebnissen des „NewCreatives Report“ für den Adobe 1000 Kreative aus den USA befragt hat. Der Report diente Adobes David Wadhwani als Einleitung für seine Keynote, in der das Unternehmen das jüngste Update für die Creative Cloud vorstellte. Nach dem Report haben Mobile, Social und Cloud-Computing die letzten 10 Jahre geprägt und werden die nächste Dekade wesentlich bestimmen. 87 Prozent der Befragten gaben an, Inhalte für Mobilgeräte zu gestalten. Die gute Nachricht dabei: Die Kreativen finden die Veränderungen positiv und blicken optimistisch in die Zukunft, auch wenn sie heute wesentlich mehr Disziplinen beherrschen müssen, als noch vor wenigen Jahren.

 
Weniger Kaffeepausen, mehr Zusatzinhalte im Abo
Die Antwort auf die Herausforderungen der Zeit soll die hauseigene Komplettlösung sein, die bisher vor allem wegen ihres exklusiven Abo-Modells nicht nur auf Gegenliebe stieß. Mit der Neuvorstellung hat sich Adobe stark ins Zeug gelegt: Allein den Desktop-Apps haben die Entwickler 1000 Updates verpasst – unter anderem für eine bessere Performance. „Color Grading ist sehr Render-intensiv", so Adobes Videospezialist Jason Levine. "Wir haben mit Direct Link schon in der letzten Version den Aufwand verringert." Jetzt gehe man noch weiter: In Premiere Pro ist es nun möglich eine Farboptik von einer Bildvorlage auf einen Videoclip anzuwenden und die Korrektur gleich auf verknüpfte Subclips  zu übertragen – ohne Renderpause in 2K- oder 4K-Auflösung. Große Überraschungen gab es bei dne Video-Produkten jedoch nicht, da viele Funktionen schon zur Video-Fachmesse NAB zu sehen waren.
 
Spannender wird es bei Photoshop CC, dem Adobe jetzt ähnliche Fähigkeiten wie Anfang des Jahres Indesign CC beigebracht hat: Öffnet man in der neuen Version Dokumente, deren Schriften im System fehlen, lassen sie sich mit einem Klick im Dialog des Typekit-Schriftendienst herunterladen und installieren. Jedes Creative Cloud-Abo umfasst Tausende von Typekit-Schriften, die laut Adobe im Handel über 40 000 US-Dollar kosten würden. Künftig gehören auch 20 000 Vektorobjekte zu jedem Abo. Die Cliparts in Profiqualität können direkt aus der Creative Cloud Desktop-App in alle Programme gezogen werden.
 
Mehr Intelligenz in den Klassikern
Smart Objekte hatte Adobe schon zu Jahresanfang für Photoshop eingeführt. Jetzt lassen sie sich über mehrere Dokumente hinweg verknüpfen. Auch die sehr zeitsparenden Content-Aware-Funktionen und das kürzlich eingeführte Werkzeug Perspective Warp haben die Entwickler ausgebaut und verfeinert. Es erlaubt, die Ansichtsperspektive ausgewählter Bildelemente zu verändern. Die übrigen Bildbereiche bleiben unberührt. Photoshop lernte Anfang des Jahres den 3D-Druck, jetzt soll das Gestalten mit 3D-Modellen einfacher werden: 3D-Dateiformate können einfach importiert, Lichtquellen positioniert und die Objekte korrekt beleuchtet werden. Designer müssen Produktvisualisierungen nicht mehr selbst zeichnen, sondern arbeiten so bequem wie in einem 3D-Programm. Unschärfen über Bildpartien können etwa per überlagertem Echtzeit-Filter erzeugt werden – eine riesige Zeitersparnis, wie auch bei Änderungen: Korrekturen am 3D-Objekt können einfach in 2D gezeichnet werden.
 
Die Neuerungen in den anderen Desktop-Grundwerkzeugen bauen Bewährtes aus: Illustrator wandelt Vektorformen leichter um, Indesign gestaltet Tabellen per Drag-and-Drop und verbessert den E-Pub-Export, und in Dreamweaver zeigt ein neuer Modus HTML-Strukturen sehr viel besser an.

Noch ein Tipp: Nächste Woche, am 25. Juni veranstaltet Adobe in München einen Event. Infos gibt es hier: https://tour14munich.creativecloud.adobeevents.com/
Vergrößern Noch ein Tipp: Nächste Woche, am 25. Juni veranstaltet Adobe in München einen Event. Infos gibt es hier: https://tour14munich.creativecloud.adobeevents.com/

 
Gestalten fürs Web
Für Web-Designer denen das Denken und Arbeiten im Quellcode ungewohnt ist, soll der  Editor Muse komplett visuelles Arbeiten möglich machen, aber dennoch sauberen, standard-konformen Quellcode abliefern. Muse macht nicht nur das Zeichnen einfach, auch HTML5-Diashows und andere Interaktiv-Funktionen sind per Widgets und einige Klicks in der Palette schnell erledigt. Muse kümmert sich im Hintergrund um die Anpassung für Smartphones und Tablets und soll künftig Redaktionssysteme überflüssig machen: Muse-Websites lassen sich jetzt direkt im Browser überarbeiten. Der Log-In per Adobe-ID genügt, um im Browser Bilder zu verändern, Texte zu aktualisieren und vieles mehr.
 
Spannendes für Fotografen
Auf dem iPad war Lightroom schon angekommen, jetzt sind schnelle, nicht-destruktive Korrekturen, das Sortieren von Fotos und mehr auch mit am iPhone unterwegs möglich. Bearbeitungen und Metadaten werden automatisch mit dem Lightroom-Katalog auf dem Desktop synchronisiert und können auch über den Webbrowser auf lightroom.adobe.com eingesehen werden. Das bislang nur als Aktion beworbene Sonderabo für Photografen (bisher „Photoshop-Fotografieprogramm“ ist als CC Foto Abo ab sofort für 12,95 Euro im Monat dauerhaft verfügbar. Enthalten sind wie bisher Photoshop CC, Lightroom 5 und seine Mobil-Ableger für iPhone und iPad.
 
Komplett neu ist Photoshop Mix, eine iPad-App, die unterwegs Photoshop-Dokumente, einzelne Ebenen aus PSD-Dateien und Bilder aus Lightroom öffnen und bearbeiten kann. Effekte, komplexere Auswahlen und Masken lassen sich leicht anwenden und Photoshop-Features wie Upright, Content-Aware Fill und Camera Shake Reduction können nun auch unterwegs genutzt werden. Ergebnisse können wieder zurück an den großen Bruder auf dem Desktop geschickt werden.

Erstes Fazit
Unser Eindruck nach der Keynote ist, dass die Creative Cloud langsam ihr Potenzial und ihren wahren Charakter zeigt: ein ganzes Ökosystem für Designer aus Desktop und Mobil-Apps, eine Arbeitsumgebung, deren Teile untereinander, mit sozialen Netzen und sogar mit Hardware verbunden sind. Wir werden in den kommenden Macwelt-Ausgaben testen, was die Neuheiten in der Praxis bringen.

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