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Adobe wegen Creative Cloud in der Kritik

12.05.2013 | 17:06 Uhr |

Der Zwangsumstieg soll vor allem Kleinunternehmen und Freiberufler teuer zu stehen kommen: Ein Abo kostet den Endkunden im Schnitt nach zwei Jahren mehr, als die bisherigen Dauer-Lizenzen.

Die offene Plattform für Online-Aktivismus Change.org hat eine Petition veröffentlicht, die Adobe auffordert, die neuen Versionen seiner Bildverarbeitungssoftware nicht ausschließlich als Abonnement anzubieten. Bis Sonntag Mittag hat dieser Antrag bereits über 8.500 Unterschriften gesammelt.

Adobe hatte letzte Woche auf seiner Adobe Max Konferenz in Los Angeles angekündigt, dass es in Zukunft die Komponenten der Creative Suite nur noch zum Mieten, nicht zum Kaufen anbieten will. Tausende von Adobe-Kunden äußerten sich aufgebracht, wie Adobe seine Verkaufsstrategie umstellen will und kommentierten auf der Petitionswebseite zum Beispiel: "Es ist absurd, dass ich jetzt für mein restliches Leben Miete an Adobe zahlen soll. Sobald es notwendig ist, ein Upgrade zu meiner Lizenz-Version zu organisieren, werde ich mich bestimmt bei der Konkurrenz umsehen." Derek Schoffstall, ein Fotograf und Student aus Pennsylvania, hat die Petition am letzten Montag ins Internet gestellt und fordert Adobe auf, die Entwicklung der Creative Suite 6 wieder aufzunehmen und die Software neben dem Abo-Modell auch wie bisher als Dauer-Lizenz anzubieten.

Schoffstall warnt, dass ein Mietvertrag sich ausschließlich für Großunternehmen lohnt, während es für Privatkunden und Freiberufler viel teurer als die bisherige Lizenz sein wird: Eine Dauer-Lizenz der CS6-Version für Design und Web-Entwicklung kostet einen Anwender aus dem Bildungsbereich (Schüler, Lehrer und Studenten) knapp 600 Euro. Künftig sollen diese Anwender im ersten Jahr 20 Euro pro Monat zahlen; ab dem 13. Monat wird der Betrag dann auf 43 Euro pro Person angehoben. Damit ist nach 20,5 Monaten der bisherige Lizenzpreis überschritten. Für eine normale Vollversion für das Programm-Paket "Design Standard" erreichen die monatlichen Abo-Kosten die bisherigen Lizenzkosten in zirka zwei Jahren.

Vorausgesetzt ist dabei natürlich, dass Adobe seine Abo-Preise nicht etwa anhebt. Petitionsteilnehmer warnen, dass Adobe nach der Zwangsumstellung aber genau das jederzeit tun kann und beschreiben den Seiteneffekt als "Mord für Kleinunternehmen". Leiden werden darunter in erster Linie Freiberufler, die ohnehin schon von der Finanzkrise gebeutelt sind.

Microsoft veröffentlichte Mitte September 2012 Pläne, sein Verkaufsmodell für das Paket Office 365 für Kleinunternehmen und Privatkunden auf ausschließlich Abo-Model umzustellen, hat aber am letzten Dienstag in Bezug auf Adobes Strategie bestätigt, dass Office 2013 unter Windows und Office 2013 für Mac auch weiterhin als Dauerlizenzen verfügbar sein werden. Clint Patterson , Direktor für Office bei Microsoft, beschrieb in seinem Blog , dass es noch zu früh ist, auf ein Nur-Abo-Modell umzusteigen: "Die Zeit zum Umstellen ist noch nicht reif. Daher sehen wir uns verpflichtet, den Kunden die Auswahl zwischen Lizenz und Abonnement anzubieten." Während Patterson keine Umstiegsfrist nennt, sehen Analysten das unausweichliche, ausschließliche Abo-Modell in rund fünf Jahren kommen.

Noch verteidigt Adobe seine kompromisslose Entscheidung, auf das Mieten statt Kaufen der Software umzustellen: Zum einen haben sich bereits 500.000 Kunden bei Adobes Creative Cloud registriert und die Zahl soll bis Ende 2013 auf 1,25 beziehungsweise bis Ende 2015 auf vier Millionen ansteigen. Zum anderen sind natürlich alle Adobe-Aktionäre sehr dafür: Mietverträge versprechen verlässliches, kontinuierliches Einkommen, und nicht nur schubweise Umsätze im Update-Rhythmus der Softwarepakete.

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