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Unterwegs im Auftrag des Herrn

23.12.2008 | 00:01 Uhr |

Für Außenstehende scheint die Markentreue der Apple-User oft religiöse Züge anzunehmen. Dabei darf man aber nie vergessen: Apple ist keine Kirche und keine Sekte.

Die erste Antivirensoftware der Welt hieß "Reaper". Das Besondere an ihrer Funktionsweise war, dass sie selbst ein Wurm war. Reaper bediente sich derselben Fortpflanzungsmechanismen wie Creeper, richtete jedoch keinerlei Schaden an. Reaper löschte Creeper, wo immer es auf das (ebenfalls völlig harmlose) Progrämmchen traf. Dies ereignete sich übrigens bereits zu Anfang der 70er-Jahre. Norton Antivirus kam dagegen erst 1990 auf den Markt. Heaper ist ein frei erfundener Name.

Windows, das System für Bastler

Aus der Sicht des klassischen Windows-Users (also der überwältigenden Mehrheit) stellt sich die Welt in einem ganz eigenen Licht dar:

Computer sind nur zuverlässig, wenn echte Checker sie frisiert haben, man gehört zur Zielgruppe von mindestens 20 Wurfzettel-Sonderangeboten pro Woche, und wenn eine Software nicht so gut läuft, kaufen wir eben ein paar Innereien nach, natürlich nur beim, äh, günstigen Hardwareshop in der Hauptbahnhofgegend. Die User anderer Systeme sind für uns Windows-User ausnahmslos Exoten: Das Linux-Völkchen besteht quasi nur aus Hackern, und die wenigen Mac-Benutzer verstehen offenbar nicht wirklich, was in den Gehäusen ihrer Maschinen so vor sich geht, zumal sie auch noch mit Freude dreimal soviel für ihre Geräte bezahlen wie eigentlich nötig.

Gerade diese Mac-User sind es auch, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel, und die, offenbar getrieben von einem krankhaft aufgeblähten Sendungsbewusstsein, ständig versuchen, uns normale PC-Nutzer zu bekehren oder zu assimilieren, ungefähr so wie die Zeugen Jehovas oder Scientology einem den Beitritt zu ihrer Sekte schmackhaft machen wollen.

Dass die merkwürdigen Apple-Nutzer sich auch noch selbst als Evangelisten bezeichnen, lässt uns natürlich umso skeptischer werden. Deren ständiges Pochen auf eine angeblich bessere Benutzerfreundlichkeit, absolute Virensicherheit und generelle Qualität ihrer Systeme ist ja sowieso suspekt. Es ist fast so, als würden sich die Mac-User, wenn sie endlich ihren Computer im Ansatz verstanden haben, derart darüber freuen, dass sie nun versuchen, jedermann zu ihrer "Schule" hinüberzuzerren. Ergo sind alle Mac-User leicht plemplem, müssen sie doch von ihrem verspielten Betriebssystem mit den bunten Knöpfen an der Hand genommen werden, ohne das sie mit ihren Computern gar nicht erst zurechtkommen würden. Anfänger. Die Mac-User sind folglich "light"-User, ganz im Gegensatz zu uns abgebrühten Windows-Kriegern, die ihr System jeden Tag aufs neue in die Knie zwingen, um ihm die gewünschten Ergebnisse abzuringen. Mit einem Mac kann das ja jeder, pah.

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