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Requisiten vs. Product Placement

05.12.2008 | 00:01 Uhr |

Wenn die Hauptfigur in einem Auto fahren soll, muss die Filmproduktion natürlich eines besorgen. Doch der Unterschied zwischen einem Requisit und Produktwerbung ist manchmal nur hauchdünn.

Sollte der werte Leser das Buchvergnügen zu I am Legend noch vor sich haben, wird empfohlen, auf die nun folgende Lösung des gestrigen Rätsels zu verzichten und erst beim folgenden Absatz weiter zu lesen. Für alle anderen hier die Lösung: Im Buch verläuft die Geschichte der Veränderung der Welt völlig anders. Ein Virus lässt die Menschen zu Vampirwesen werden, die sich durch Robert Nevilles Versuche, die Erkrankung zu heilen, gestört fühlen. Als auch Vampire auftauchen, die das Tageslicht aushalten, wird Robert Neville von der sich bald entwickelnden neuen Gesellschaft zum Tode verurteilt und sehr symbolträchtig hingerichtet. Die Menschheit ist in eine neue Form übergegangen, nur Neville steht mit seinen brutalen Versuchen, die Verwandlung umzukehren, plötzlich als Monster da. Dem wird in der jüngsten Kinofassung durch eine Einstellung auf eine Sammlung Fotos gescheiterter Versuche Rechnung getragen. Übrigens ist die vorige Verfilmung mit Charlton Heston, Der Omega-Mann , von 1971 auch schwer zu empfehlen.

No-Name-Produkte und Marken im Bild

Bei Dreharbeiten ist es meist ein ziemlicher Drahtseilakt, allgemein übliche Produkte zu verwenden. Wenn ein Privatdetektiv nicht raucht, wirkt er unrealistisch. Doch wie soll der Schnüffler sich eine Kippe aus der Schachtel ziehen oder eine Fluppe rollen, ohne dass das Logo einer Tabakmarke ins Bild kommt? Unnatürliche Verrenkungen oder neutrale Umverpackungen stören stärker, als normale Marken auffallen würden. Das selbe Problem stellt sich beim Autofahren, beim Fliegen (sofern man den Flieger von außen zeigen möchte), beim Telefonieren mit dem Handy und neben vielen anderen Situationen eben auch bei er Benutzung von Computern.

Wie im Beitrag zum 3. Dezember schon angerissen, finden bisweilen speziell für den Film programmierte Benutzeroberflächen Anwendung. Einerseits, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf irgendeine in dieser Szene wichtige Entwicklung zu lenken (wo sonst ist das Feld für die natürlich im Klartext erfolgende Passworteingabe halb so groß wie der Bildschirm?), andererseits, um vielleicht nicht ungewollt Werbung für Software zu machen. Möglicherweise gelten normale Benutzeroberflächen aber als zu langweilig.

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