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Agfa zieht sich aus Consumer-Digital-Imaging-Markt zurück

29.06.2001 | 00:00 Uhr |

Der Konzern will sich stärker als bisher im grafischen Bereich auf die Druckvorstufe konzentrieren

Auf einer Pressekonferenz im belgischen Mortsel stellte Dr. Ludo Verhoeven, der seit knapp zehn Tagen dem Agfa-Vorstand vorsitzt, einen Investitionsplan für das Unternehmen vor. Demnach will sich der Konzern im grafischen Bereich stärker als bisher auf die Druckvorstufe konzentrieren und seine anderen Geschäftsbereiche ausbauen. Diese Bereiche gliedern sich bei Agfa in Consumer Imaging, grafische Systeme, Industrial Imaging, Materialprüfung ("non-destructive testing", NDT) und Medical Imaging. Im Bereich des analogen Consumer Imaging behält der Konzern seine Aktivitäten bei und konzentriert sich weiterhin auf Foto- und Labormaterialien, Hochleistungprinter und Minilabs. Der digitale Consumermarkt dagegen ist für Agfa wenig rentabel, weshalb sich der Hersteller aus dem Segment der Digitalkameras und Scanner zurückziehen wird. Ob diese Entscheidung auch die höherwertigen Scanner, etwa die Duoscan-Klasse, betreffen wird, konnte der Hersteller gegenüber Macwelt noch nicht sagen.

Im für Agfa umsatzstärksten Bereich der grafischen Systeme investiert der Hersteller in Computer-to-plate-Systeme und in den Verpackungs- und Zeitungsdruck. Auch im Digitaldruck, in Druckvorstufensystemen und im chinesischen Markt will der Hersteller seine Aktivitäten verstärken. Das sogenannte Industrial Imaging ist der kleinste Bereich der Firma, hier forscht man mit Partnern an der Entwicklung von Speichermedien und leitender Folie, die etwa in Handydisplays oder Werbetafeln eingesetzt werden können.

Das NDT-Segment findet im Energie- und Transportwesen Anwendung, auch Röntgensysteme, Ultraschall- und Wirbelstromtechnologien fallen in diesen Bereich. Hier strebt Agfa die Marktführerschaft als Lösungsanbieter an.

Im Medical Imaging sieht der Hersteller großes Wachstumspotential und will sich auf Krankenhausinformationssysteme konzentrieren. In diesem Bereich arbeitet Agfa etwa mit Siemens, General Electric und Canon zusammen, um Krankenhausinformationssysteme, medizinische Netzwerke und digitale Röntgensysteme zur Verfügung zu stellen.

Um diesen ehrgeizigen Investitionsplan umzusetzen, will der belgische Konzern das Unternehmen "kritisch durchleuchten", mit dem Ziel, die Produktivität zu verbessern und die zurückgegangenen Gewinne der letzten Monate abzufangen.
Die Firma war im Frühjahr dieses Jahres in der Fachpresse präsent, als der Chemiekonzern Bayer AG im März nach einem Aktienrutsch der Agfa-Aktie vorhatte, seine 30-Prozent-Beteiligung an Agfa zu verkaufen. Der Verkauf wurde zwar bis auf Weiteres verschoben, jedoch nicht endgültig ausgeschlossen. Im April bestätigte Agfa, dass sich das britische Kapitalbeteiligungsunternehmen Schroder Ventures für eine Übernahme des Foto- und Laborgerätebereiches und des Bereiches Consumer Digital Imaging interessiert. In einer Pressemitteilung vom 11. Juni 2001 gab Agfa zwar bekannt, dass die Firma das Angebot von Schroder Ventures nicht annehme und die Rentabilität aller Agfa-Aktivitäten, auch im Consumer Imaging, weiter erhöhen wolle, erklärte jetzt jedoch den Rückzug aus diesem Marktsegment.

Dorothee Chlumsky

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