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Aktionärsschützer warnen vor schwarzen Schafen am Neuen Markt

18.09.2000 | 00:00 Uhr |

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) warnt vor unseriöser Informationspolitik einiger Unternehmen am Neuen Markt. "Es gibt einige schwarze Schafe am Neuen Markt", sagte das SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub in München der dpa. Die SdK hatte Strafanzeige gegen das Augsburger Softwareunternehmen Infomatec AG wegen des Verdachts des Kursbetrugs und unzulässiger Insidergeschäfte gestellt. Infomatec sei kein Einzelfall, wie beispielsweise auch aus den Vorgängen um Gigabell ersichtlich sei.

Der am Neuen Markt notierte Frankfurter Telekommunikationsanbieter Gigabell hatte am Freitag überraschend Insolvenzantrag gestellt, nachdem ein Vertrag mit einer angelsächsischen Investorengruppe geplatzt war. Damit steht das erste prominente Unternehmen am Neuen Markt endgültig vor der Pleite. "Am Neuen Markt dürfte es noch mehrere Pleiten geben", prophezeit der SdK-Vorstand.

Straub forderte die Kleinanleger auf, sich intensiv zu informieren. "Die Anleger müssen bei ihren Unternehmen am Ball bleiben und verfolgen, ob die angekündigten Geschäftspläne auch wirklich realisiert werden." Die Anleger seien sehr stark auf das Vertrauen zum Unternehmen und zum Vorstand angewiesen, betonte Straub.

Gern würden gerade kleinere Unternehmen am Neuen Markt in Börsenpflichtmitteilungen Auftragserfolge melden. Erwiesen sich diese als Flop und würden wieder zurückgezogen, dann werde dies aber keineswegs wieder über eine Ad-hoc-Mitteilung bekannt gegeben.

Auch die Software-Firma CPU sei ein Beispiel für falsche Informationspolitik. Das Augsburger Unternehmen muss wegen eines Verstoßes gegen die Ad-Hoc-Publizität mehrere zehntausend Mark Strafe zahlen. CPU hatte im November 1999 auf der Computermesse Comdex in Las Vegas vor einer kleinen Gruppe deutscher Journalisten eine negative Gewinnprognose abgegeben, die Ad-Hoc-Meldung jedoch erst zwei Tage später versandt.

Der Augsburger Infomatec wirft die SdK fälschliche Ad-hoc- Mitteilungen über Aufträge vor, die zu Kursanstiegen beitrugen. Auf Basis dieser manipulierten Kurse hätten Altaktionäre Aktien verkauft. Die Vorwürfe wurden vom Infomatec-Vorstand bestritten.

Entgegen Infomatec-Behauptungen habe die SdK keine Vereinbarung mit dem Unternehmen getroffen, einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung der Vorgänge bei Infomatec zu beauftragen, betonte Straub. Ein entsprechender Vorschlag des Unternehmens sei von der SdK abgelehnt worden. Die SdK wolle die Prüfung der Vorgänge bei Infomatec der Staatsanwaltschaft und dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel überlassen, unterstrich Straub. dpa/ab

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