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Neue Intel-CPUs und Apples geheime Pläne

23.09.2009 | 19:01 Uhr |

Aus Apples Hochsicherheitstrakt in Cupertino dringen normalerweise keine Informationen über zukünftige Produkte. Doch man muss nicht unbedingt nach Cupertino schauen, denn Intels aktuelle CPU-Neuigkeiten ermöglichen virtuelle Einblicke in Apples geheime Labore.

Intels Vierkern-CPU "Clarksfield" (links) und der Chipsatz PM55 (rechts) könnten deutlich mehr Leistung in Apples mobile Macs bringen
Vergrößern Intels Vierkern-CPU "Clarksfield" (links) und der Chipsatz PM55 (rechts) könnten deutlich mehr Leistung in Apples mobile Macs bringen

Intel stellt neue Prozessoren vor und da braucht man nur Zwei und Zwei zusammenzählen, um sich die Chips in neuen Macs vorzustellen. Mit der CPU-Baureihe Codename "Clarksfield" betritt Intels aktuelle Nehalem-Mikroarchitektur erstmals den mobilen Bereich. Die CPUs sollen deutlich schneller und dennoch so sparsam sein, dass sie mobilen Geräten wie beispielsweise Apples Macbook oder Macbook Pro längere Batterielaufzeiten ermöglichen.

Clarksfield-CPU im Detail

Die auf dem Intel Developer Forum in San Francisco vorgestellten Chips nennt der Hersteller offiziell Core i7 QM respektive Core i7 XM. Doch es ist fraglich, ob Apple diese Bezeichnungen verwenden wird. Beim Mac Pro , der bereits mit den Server-Varianten der Core-i7-Prozessoren arbeitet, spricht Apple nur von Nehalem-Prozessoren, der Begriff Core i7 taucht nicht auf. Es ist denkbar, dass der Mac-Hersteller auch bei den mobilen Macs dabei bleibt.

Zunächst bringt Intel drei neue Mobil-CPUs (siehe Kasten "Intel neue CPUs"). Alle arbeiten mit vier CPU-Kernen und sechs bis acht Megabyte Cache, den sich alle vier Kerne teilen.

Im Vergleich zum Penryn-Vorgänger (links) hat sich bei der Clarksfield-CPU (rechts) viel geändert. Der Speicher-Controller ist nun in die CPU gewandert. Dadurch spart man einen Chip und letztlich auch Strom. Auch die PCI-Express-Anbindung des Grafikchips läuft jetzt direkt über die CPU.
Vergrößern Im Vergleich zum Penryn-Vorgänger (links) hat sich bei der Clarksfield-CPU (rechts) viel geändert. Der Speicher-Controller ist nun in die CPU gewandert. Dadurch spart man einen Chip und letztlich auch Strom. Auch die PCI-Express-Anbindung des Grafikchips läuft jetzt direkt über die CPU.

Technologisch ändert sich mit den neuen CPUs so ziemlich alles. Der zugehörige Chipsatz PM55 besteht nur noch aus einem, statt zwei Chips, da der Speicherkontroller nun in der CPU untergebracht ist. Das erfordert jedoch ein komplett neues Design der Hauptplatine. Die DDR3-Speichermodule sind ebenfalls neu. Sie takten mit 1333 Megahertz. Die Module aus den bislang aktuellen Macbook-Modellen (1066 Megahertz) werden sich daher nicht weiter verwenden lassen.

Die Taktfrequenz der CPUs ist nun nicht mehr fest. Ausgehend von einer Basisfrequenz, die je nach Modell zwischen 1,6 und 2,0 Gigahertz liegt, übertakten die CPUs eigenständig je nach Auslastung einzelne oder mehrere Kerne auf bis zu 3,2 Gigahertz. Es wird spannend sein zu erfahren, mit welchen Taktfrequenzen Apple schließlich werben wird. Die Basisfrequenz der neuen CPUs liegt deutlich unter der bisheriger mobiler Macs. Die Maximalfrequenz jedoch wird nicht durchgängig in allen Anwendungen erreicht.

Ein passender Chipsatz mit integriertem Grafikchip fehlt bislang noch. Von Apples derzeitigem Chipsatzlieferanten Nvidia ist bislang keine Ankündigung zu diesem Thema gekommen, während Intel einen passenden Grafikchipsatz erst für Januar 2010 angekündigt hat. Denkbar ist allerdings, dass ihn der Chipreise schon vorher speziell für Apple ausliefert. Es wäre nicht das erste Mal. Falls nicht, müsste Apple das Konzept der Hybrid-Grafik (zwei Grafikchips), das man bislang bei den Top-Modellen der Macbook-Pro-Reihe benutzt, aufgeben und nur noch einen diskreten Grafikchip verwenden. Wahrscheinlich kommen in diesem Fall GPUs der Geforce-GTS-Serie von Nvidia zum Einsatz. Aber auch ATI ist noch nicht aus dem Rennen. Eine GPU aus der Serie Mobility Radeon HD4000 könnte durchaus in einem neuen Mac auftauchen.

Mobile Macs mit vier Kernen

Dank dieser Informationen von Intel wird das Bild von neuen Macs schon recht deutlich. Im mobilen Bereich wird Apple neue Macbook-Pro-Modelle vorstellen, wahrscheinlich noch im Oktober, spätestens aber im Januar 2010.

Das 13-Zoll-Gerät bekommt vermutlich einen Intel Core i7 720QM, der mit 1,6 Gigahertz Basisfrequenz startet, aber immerhin auf bis zu 2,8 Gigahertz übertakten kann. Falls Intel den Chipsatz mit integrierter Grafik nicht vorzieht, dürfte Apple als Grafikchip hier wahrscheinlich einen Nvidia Geforce GTS 120M einsetzen. In der Praxis dürfte dieser mobile Mac deutlich schneller sein, als das bisherige Modell mit Nvidia-Chipsatz und Penryn-CPU mit 2,53 Gigahertz Takt.

Als Lieferant der Grafikchips wird Apple vermutlich wieder auf Nvidia zurückgreifen.
Vergrößern Als Lieferant der Grafikchips wird Apple vermutlich wieder auf Nvidia zurückgreifen.

Beim 15- und 17-Zoll Macbook Pro wird Apple vermutlich zwei Varianten anbieten. Eine mit dem Core i7 820QM und ein neues Top-Modell mit dem Core i7 920XM, der auf bis zu 3,2 Gigahertz übertaktet. Das Top-Modell könnte zudem auf einen Grafikchip Nvidia GTX 260M oder GTX 280M zurückgreifen. Denkbar ist, dass es letzteren aus thermischen Gründen jedoch nur im 17-Zoll-Modell geben wird. Das weiße Kunststoff-Macbook wird vermutlich ebenfalls auf die neuen Chips umgerüstet werden. Allerdings erst Anfang Anfang 2010.

Neue iMacs

Traditionell nutzt Apple Mobilprozessoren nicht nur in den Macbooks sondern auch im iMac . Und gerade der bedarf dringend einer Überarbeitung, denn die aktuellen iMacs befinden sich bereits seit Januar 2009 unverändert im Programm. Mit den neuen Intel-Chips kommt Apple nicht mehr drum herum: Vier CPU-Kerne werden im iMac Pflicht. Das wird auch Zeit, denn die Lücke zwischen dem iMac mit seinen zwei Kernen und dem Mac Pro , dessen Konfigurationen überwiegend mit acht Kernen ausgestattet sind, ist zu groß. Der iMac muss hier aufschließen, auch im Hinblick auf aktuelle Desktop-PCs, die inzwischen fast ausnahmslos mit Vierkern-CPUs arbeiten.

Beim iMac wird die Ausstattung ähnlich aussehen wie bei den Macbook-Pro-Modellen. Zwei 24-Zoll-Varianten mit jeweils einer Core i7 820QM und einer Core i7 920XM dürften wahrscheinlich sein. Allerdings ist hier der Einsatz eines schnelleren Grafikchips wahrscheinlich. Vermutlich bekommt der High-End-iMac einen Geforce GTX 280.

Zeitplan

Intel liefert die neuen Mobil-CPUs bereits aus. Erste Notebooks im PC-Bereich erwartet man für den Windows-7 -Start, der am 22.10.2009 angesetzt ist. Es dürfte wahrscheinlich sein, dass Apple versuchen wird dem zuvor zu kommen, zumindest mit neuen iMacs. Daher wäre ein Erscheinungstermin gegen Mitte Oktober sinnvoll, vermutlich wird es Dienstag, der 13.10.2009.

Christian Möller

Feedback: christian.moeller@macwelt.de

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