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Allianz für DVD+RW

10.04.2001 | 00:00 Uhr |

Unscheinbar sieht sie aus, die kleine silberne
Scheibe. Von ihren Vorgängerinnen, der CD und der CD-ROM ist sie
äußerlich kaum zu unterscheiden. Doch mit beeindruckenden 4,7
Gigabyte Fassungsvermögen speichert die DVD derzeit problemlos bis zu
acht Stunden Filmaufnahmen.

Dem Siegeszug des Turbospeichers im Verbrauchermarkt stand jedoch
bislang vor allem die Uneinigkeit der Hersteller im Weg, die sich auf
kein einheitliches Standard-Format einigen konnten. Nicht jede
Silberscheibe lässt sich von jedem DVD-Player oder gar von einem DVD-
Laufwerk im PC abspielen. DVD-ROM, DVD-R, DVD-RW oder DVD+RW - die
für viele Verbraucher kryptische Unübersichtlichkeit der
verschiedenen Formate ist noch immer groß. Mit einer Allianz wollen
sieben führende Industrieunternehmen aber jetzt auch die letzte Hürde
nehmen.

Künftig wollen die Unternehmen zusammenarbeiten, um für die
Produktion von Speichermedien, Inhalten und DVD-Abspielgeräten einen
neuen einheitlichen Standard mit dem Namen DVD+RW zu etablieren. Das
Kürzel RW steht für Rewritable, zu deutsch wiederbeschreibbar. Die
Allianz (Hewlett Packard, Philips, Sony, Mitsubishi, Ricoh, Thomson
multimedia und Yamaha) will Geräte und Medien anbieten, mit deren
Hilfe der Verbraucher die DVD als universelles Speichermedium nutzen
kann. Über 19 unabhängige Software- und Geräte-Hersteller hätten
bereits ihre Unterstützung angekündigt, gab die Allianz bekannt. Noch
im Herbst will der niederländische Elektronikkonzern Philips seinen
ersten DVD-Videorecorder auf den Markt bringen. Die rote
Aufnahmetaste des «DVDR 1000» soll es künftig möglich machen, ganze
Fernsehsendungen oder eigene Camcorder-Aufnahmen per Knopfdruck auf
eine DVD+RW zu brennen.

Die erste Präsentation auf der CeBIT in Hannover sei ein großer
Publikumserfolg gewesen, sagte Klaus Petri von Allianz-Mitglied
Philips. Bei der Entwicklung des DVDR 1000 habe das Unternehmen
großes Augenmerk auf Kompatibilität gerichtet. Der Elektronikkonzern
geht davon aus, dass sich die digitale Videoaufnahme im DVD-RW-Format
zur Standardtechnologie im Verbraucher-Sektor entwickeln wird. Das
Format sei als bisher einziges in der Lage, auch eine Kompatibilität
zu DVD-ROM-Laufwerken in Computern zu gewährleisten. Jede Audio- oder
Video-Aufnahme könne damit problemlos auf dem heimischen PC
abgespielt werden. Die Technik wurde von führenden Hardware- und
Medienherstellern gemeinsam entwickelt und berücksichtigte die
Interessen sowohl der Endverbraucher als auch der PC-Anbieter, der
Produzenten von CD-ROM- und DVD-ROM-Laufwerken, der Medienhersteller
und Software-Entwickler.

Auch Pioneer Electronics aus Willich arbeitet an der Zukunft der
DVD. Der nach eigenen Angaben weltweit führende Entwickler und
Hersteller der DVD-Technologie hatte auf der CeBIT in Hannover einen
neuen DVD-R/RW-Brenner mit im Gepäck. Mitglieder der Allianz sehen
bei diesem Standard jedoch technische Nachteile. Auf Grund ihrer
Aufzeichnungstechnik sei die DVD-RW schwer zu handhaben und könne oft
nicht gelesen werden, kritisiert Clemens Schuette vom japanischen
Elektronikriesen Sony. Dagegen sei das Format mit dem Pluszeichen der
unmittelbare Nachfolger der wiederbeschreibbaren CD-RW, die bereits
einen riesigen Erfolg verbuchen konnte. «Die Allianz repräsentiert
derzeit rund 70 bis 80 Prozent Marktanteil», sagte Petri. Verfechter
anderer DVD-Formate dürften es schwer haben, sich durchzusetzen.

Derzeit verfügbare DVD-Abspielgeräte haben bereits in rasanter
Geschwindigkeit seit Markteinführung vor rund dreieinhalb Jahren ein
großes Publikum erobert. Nach Angaben der DVD-Arbeitsgemeinschaft
(Stuttgart) haben sie mit 850 000 verkauften Exemplaren im Jahr 2000
einen Verbreitungsanstieg von knapp 300 Prozent erreicht. Für Ende
2001 rechnet die DVD AG mit weiteren 1,6 Millionen Stück und eine
Haushaltsausstattung von rund 8,5 Prozent.
dpa

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