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Als Patent eingereicht: Apples digitaler Videorekorder

13.03.2008 | 18:54 Uhr |

Von wegen, Apple will vom Fernsehen nichts wissen: Zwar hat der Hersteller die Settop-Box Apple TV in Version 2.0 noch mehr auf den Kauf und das Leihen von Filmen im (amerikanischen) iTunes Store getrimmt - über den Bau eines digitalen Videorekorders aber hat er im Vorfeld durchaus intensiv nachgedacht, wie ein eben veröffentlichter Antrag bei der US-Patentbehörde zeigt.

Bereits im Oktober 2006 hat Apple umfangreiche Pläne für ein Gerät eingereicht, das unabhängig von einem Computer arbeitet und Fernsehsendungen aufnimmt sowie wiedergibt. Sie zeigen die Set-top-Box, die sich zumindest auf dem deutschen Markt so mancher Anwender gewünscht hätte.

Schaut man sich die Menüführung der neuen Apple TV-Version 2.0 an, so stellt man schnell fest: Die kostenpflichtigen Angebote, die sich im Videobereich noch auf die USA beschränken, sind deutlich in den Vordergrund gerückt. Und im Gegensatz zum iPhone hat Apple die Set-top-Box nicht für andere Hersteller geöffnet. Weder lassen sich darauf ohne Hack Plug-ins installieren, mit denen man Videos in beliebten Formaten wie DivX und Musik etwa im Ogg-Vorbis wiedergeben könnte, noch dürfen Dritthersteller Zubehör für Apple TV anbieten. Und so kann die Set-top-Box noch immer genau das, was Apple ihr zugesteht: Sie dient als verlängerter Arm des Macs im Wohnzimmer, gibt Inhalte aus der iTunes-Bibliothek wieder und eignet sich zum Einkaufen im Store - schließlich soll sie Apples neues Video-Angebot auf den Fernseher bringen. Da Apple die eigene Zukunft im Markt für Download-Videos sieht, bietet Apple TV nicht nur kein DVD-Laufwerk (im iPod steckt ja auch kein DVD-Player), sondern auch keinen TV-Tuner. Letzteres allerdings hätte ganz anders kommen können. Mehrere Patentanträge, die die US-Patentbehörde nun öffentlich gemacht hat, zeigen, dass der Hersteller einen digitalen Videorekorder entworfen hat. Bedient werden könnte er über einen tragbaren Programmführer mit LCD-Display, über ein Clickwheel oder gar ein Touchpad. Allerdings müsste das Gerät dafür eine deutlich größere Fernbedienung bekommen, als sie derzeit den Macs und Apple TV beiliegt: Im Patentantrag gleicht sie eher einem alten iPod nano als einem alten iPod shuffle. Sie soll das Fernsehprogramm der nächsten Wochen nicht nur auf ihrem Display anzeigen, sondern auch speichern, sobald es einmal aus dem Internet heruntergeladen ist. Das Programmieren von Aufnahmen ließe sich damit auch außerhalb des Hauses unterwegs erledigen, sofern der Anwender seine Fernbedienung dabei hat, und später bei der nächsten Verbindung zum Videorekorder abgleichen. Im Patentantrag zeigt der angeschlossene Fernseher einen ausführlichen Online-Programmführer an, einzelne Funktionen lassen sich in einem Dock auswählen, das an Mac OS X erinnert. Besonders spannend: Eine aus dem Dock aufrufbare Such-Funktion, die sich der Hersteller ausgedacht hat, zeigt in der Ergebnisliste sowohl bereits aufgenommene Filme als auch Einträge aus dem Programmführer und Angebote im iTunes Store. Insbesondere diese Funktion lässt aufhorchen, so viel Komfort bietet bislang kein Gerät auf dem Markt, einen gut gefüllten und in Deutschland verfügbaren iTunes Video Store vorausgesetzt. Glaubt Apple doch noch ans Fernsehen oder hat bis vor kurzem noch daran geglaubt? Die publik gewordenen Patentanträge zeigen, dass man in Cupertino zumindest darüber nachgedacht hat. Vielleicht sind dem Hersteller die technischen Probleme zu groß erschienenen: Hätte er allen Standards auf den wichtigsten Märkten genügen wollen, hätte viele verschiedene Versionen eines digitalen Videorekorders mit unterschiedlichsten eingebauten Tunern auf den Markt bringen müssen, für DVB-S und DVB-T, für analoges wie digitales Kabel, für PAL und NTSC und so fort. Wenn sich Apple allerdings bewusst gegen die Markteinführung eines digitalen Videorekorders entschieden hat, denn stellt sich weiterhin die Frage, warum Anwender nicht ihren Fernseh-USB-Stick an ein Apple TV hängen und darauf EyeTV oder eine andere Fernsehsoftware ausführen dürfen. Denkbar sind mehrere Antworten: Entweder, weil Apple das Fernsehen wirklich nicht (mehr) mag und nur noch Videos verkaufen und verleihen will - oder aber, weil der Hersteller immer noch selbst Pläne in diesem Segment verfolgt.

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