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EU zwingt Microsoft zu mehr Auswahl bei Browsern

17.12.2009 | 11:24 Uhr |

Microsoft hat sich einverstanden erklärt, den Windows-Nutzern in zukunft auch andere Browser zur Auswahl zu stellen. PC-Hersteller dürfen den Internet Explorer in Zkunft durch einen anderen Browser ersetzen.

Internet Explorer 8
Vergrößern Internet Explorer 8

Mehr Auswahl beim Internetzugang für Nutzer des PC-Betriebssystems Windows: Auf Druck der EU-Wettbewerbshüter erleichtert Microsoft den Zugang zu Konkurrenz-Browsern. Im Gegenzug stellte die EU-Kommission am Mittwoch ein Wettbewerbsverfahren ein. Dabei drohte ein hohes Strafgeld. Konkurrenten des weltgrößten Softwarekonzerns begrüßten die Einigung.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte: "Mehr als 100 Millionen Europäer werden daraus Nutzen ziehen." Die Neuerung sei ab sofort gültig, werde aber voraussichtlich von Mitte März kommenden Jahres an eingeführt. Dann sollen Anwender in Europa, die den Internet Explorer von Microsoft einsetzen, in einem Auswahlfenster beispielsweise auf die Alternativen Firefox , Safari , Chrome und Opera hingewiesen werden. Laut Kroes wird ein Dutzend Browser in dem Fenster aufgeführt. Der Internet Explorer war bisher der auf Windows-PCs vorinstallierte Standard-Browser. Browser sind nötig, um im Internet zu navigieren.

"Das ist ein Sieg für die Web-Zukunft", sagte der Vorstandschef des norwegischen Softwarehauses Opera, Jon von Tetzchner. Opera hatte vor zwei Jahren mit einer Wettbewerbsbeschwerde das Verfahren in Brüssel angestoßen. Der Internetkonzern Google, der mit dem eigenen Browser Chrome auf dem Markt ist, begrüßte ebenfalls die neue Lage. Der Branchenverband ECIS, in dem Microsoft-Konkurrenten vertreten sind, zeigte sich zufrieden, dass der Marktführer regelmäßig in Brüssel über die Browserauswahl berichten muss. Die Microsoft-Verpflichtung für Europa gilt fünf Jahre lang.

Die Neuerungen gelten für die Betriebssysteme Windows XP, Windows Vista und Windows 7 . Hersteller von Personalcomputern (PC) sind frei bei der Browser-Installation. Die Kommission hatte Microsoft in dem Verfahren vorgeworfen, sein marktbeherrschendes Windows-Betriebssystem mit dem eigenen Internet- Browser zu koppeln und damit möglicherweise den freien Wettbewerb zu behindern. In solchen Fällen kann die Kommission Strafen von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes verhängen.

In einem weiteren EU-Verfahren, in dem es um die Offenlegung von Schnittstelleninformationen geht, legte Microsoft neue Zusicherungen vor. Damit will der Konzern gewährleisten, dass alle Hersteller auf technische Informationen zurückgreifen können, um ihre Software mit Windows vereinbar zu machen. "Wir gucken uns das genau an", sicherte Kommissarin Kroes zu. Das Verfahren läuft aber weiter. Auf Fragen, ob weitere Beschwerden gegen den Softwaregiganten vorliegen, reagierte die Niederländerin ausweichend.

Frühere Strafgelder aus Brüssel gegen Microsoft summieren sich auf rund 1,7 Milliarden Euro. Der Kreuzzug der Wettbewerbshüter dauert seit mehr als einem Jahrzehnt an - es ist mit Abstand der spektakulärste Fall in Brüssel. (dpa)

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