Es war die Hauptattraktion auf der jährlich vom Wall Street Journal abgehaltenen Konferenz „D: All Things Digital“: Steve Jobs trat gemeinsam mit Microsoft-Chairman Bill Gates auf die Bühne und diskutierte mit ihm Vergangenheit und Zukunft der Technologie-Industrie. Der Abend begann mit einem historischen Rückblick in der Form eines Videos mit den gemeinsamen Auftritten der beiden Männer in den Jahren 1984, 1991 und 1997. Als das Video geendet hatte, traten Steve Jobs und Bill Gates von den gegenüberliegenden Seiten aus auf die Bühne der D:All Things Digital.
Die Diskussion leiteten die beiden Technologie-Kolumnisten des Wall Street Journal Kara Swisher und Walt Mossberg. Swisher fragte zunächst Jobs und Gates, was der jeweils andere aus ihrer Sicht für die Industrie geleistet „Bill gründete die erste Software-Firma der Industrie. Ich meine, er baute die erste Software-Firma auf, bevor irgendjemand in unserer Branche wusste, was eine Software-Firma sei, und das war eine große Leistung. Und das Geschäftsmodell, das sie verfolgten stellte sich als sehr erfolgreich heraus“, sagte Jobs.
„Was Steve gemacht hat, ist phänomenal“, führte Gates fort. „Die Idee von 1977, dass der Apple II eine Maschine für den Massenmarkt werden könnte – ein unglaubliches und inspirierendes Phänomen. Und der Macintosh, der war so riskant. Apple hat Kopf und Kragen riskiert, die Lisa hatte sich nicht so gut verkauft, aber das Team, das Steve in der Firma um sich scharte um das Ziel zu verfolgen, schien manchmal seiner Zeit voraus. Erinnern Sie sich an das Diskettenlaufwerk und... „ – „128K!“ -unterbrach Jobs.
„In einem gewissen Sinn entwickeln wir die Produkte, die wir selbst verwenden wollen,“ führte Gates fort. „Er hat daran immer mit einem unglaublichen Geschmack und größter Eleganz daran fest gehalten und übte so einen großen Einfluss auf die Industrie aus. Apple versagte sprichwörtlich, bis Steve zurückkam und Innovationskraft und Risikobereitschaft zurückbrachte. Die Industrie hat enorm von seiner Arbeit profitiert. Ich würde sagen, er hat so viel dazu beitragen wie sonst keiner.“ Ein wenig reumütig erinnerte sich Jobs an frühere Mac-Werbespots: „Wir zeigten eine Küche, in der die Frau Rezepte eintippte und ihr Mann ihr zustimmend dabei zusah.“ – Gelächter aus dem Publikum.
Jobs erinnerte sich an 1997, dem Jahr, als er nach einem Jahrzehnt als Chef von Next zu Apple zurückkehrte. „Apple war in sehr ernsthaften Schwierigkeiten. Es war klar, wenn in diesem Nullsummenspiel Apple gewinnen würde, müsste Microsoft verlieren. Aber dann hätte auch Apple verloren“, erklärte Jobs. „ Ein Menge Leute waren darin verstrickt, zu viele bei Apple spielten das Spiel mit. Es war aber klar, dass wir das
Gates und Jobs kabbelten ein wenig über die Mac vs. PC Fernsehspots von Apple, in denen die Schauspieler John Hodgman und Justin Long als Mensch gewordener Windows PC und Mac miteinander wetteifern. Jobs meinte, die Spots wären nicht als Gemeinheit gedacht, denn die beiden Typen würden einander mögen. „Seine Mutter mag ihn,“ warf Gates in Hinblick auf den PC-Charakter daraufhin ein.
„Der PC-Typ sorgt dafür, dass das alles funktioniert“, fügte Jobs hinzu – Gates blieb skeptisch. Mossberg merkte an, dass Microsoft und Apple weiter um die Herzen und Hirne der Verbraucher wettstreiten würden – zuletzt mit dem iPod-Konkurrenten Zune und mit Vista, das in den Medien direkt mit Mac-OS X vergleichen wurde.
Jobs betonte erneut einen Punkt, den er schon in einem früheren Gespräch auf der D: All Things Ditial mit Mossberg besprochen habe: Der iPod sei die Antwort auf die Entwicklung von digitalen Musikabspielgeräten durch japanische Unterhaltungselektronikhersteller, die in den Augen von Jobs, hervorragende Boxen bauen konnten aber keine gute Software zu deren Steuerung entwickeln.
Apples großes Ziel ist deutlich bescheidener als die Erringung der Weltherrschaft. „Wir meinen nicht, dass wir 80 Prozent des Weltmarktes haben müssen,“ sagte er und enttäuschte damit ohne Zweifel eine Menge Mac-Enthusiasten, „wir sind damit zufrieden, wenn unseren Marktanteil um einen Prozentpunkt steigt.“
Jobs zitierte im weiteren Verlauf der Diskussion den ehemaligen Apple-Mitarbeiter Alan Kay und zeigte damit einen wesentlichen Unterschied zwischen sich und seinem Kollegen und Rivalen auf: „Alan Kay sagte, Leute, die ihre Software lieben, wollen ihre eigene Hardware bauen.“ „Ich kann dem widerstehen,“ antwortete Gates.
Jobs wurde philosophisch: „Zumindest im Consumer-Markt, kann man mit Ausnahme des Beispiels Windows und PC kein anderes Produkt sehen, bei dem es gut funktioniert, wenn Hardware und Software voneinander entkoppelt sind. Das kann einmal im Telefoniebereich geschehen, womöglich, aber das ist nicht sicher.“
Gates sieht die Zukunft in etwas, das er als „reichhaltige lokale Funktionalität“ beschreibt. Als Beispiel nennt er Computer mit nur einer Funktion oder Netwerkcomputer, die sich nicht so gut wie erwartet verkauften. „Lokale Reichhaltigkeit muss man mit der generellen Reichhaltigkeit kombinieren,“ fügte er hinzu.
Jobs stimmte dem zu und nannte seinerseits ein Beispiel, das illustriere, wie Apple lokale Funktionalität mit überall verfügbaren Daten kombiniere: Google Maps auf dem Ende Juni erscheinenden iPhone.
„Das Erlebnis damit ist unglaublich, viel besser als mit einem Computer. Und diese Client-Applikation basiert auf einer Menge von Technologie im Client. Das kann man nicht mit einem Browser machen.“
Gates widersprach dem und meinte, dass in fünf Jahren sich die Leute nicht auf einen einzelnen Computer verlassen würden. Sie würden verschiedene Geräte verwenden, etwa ein Tablett mit Sprach- und Handschrifteneingabe, zusammen mit einem Handy in passender Größe für die Hosentasche.
Jobs prophezeit dem Computer, wie wir ihn kennen, eine gute Zukunft. „Wie Bill schon sagte, wurde der Tod des PC schon mehrmals vorausgesagt,“ sagte er. Der PC werde aber „bei uns bleiben“ und sich entwickeln, fügte er hinzu.
Der Apple-CEO stellt sich eine „Explosion“ von Geräten vor, die er als „Post-PC-Geräte“ beschreibt, der iPod sei eines davon: „Es gibt eine Kategorie von Geräten, die nicht multifunktionalen Zwecken dienen. Diese Branche ist sehr innovativ. Wir werden eine Menge weiterer dieser Geräte sehen.“
Dieses „Post-PC-Geräte“ sind laut Jobs deshalb so attraktiv, weil sie auf überflüssige Anwendungen verzichteten und mehr fokussiert seien. „Man muss sich mäßigen, denn es gibt Anwender, die kein Auto mit sechs Rädern haben wollen.“
Den gesamten Test können Sie hier nachlesen.
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