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Amazon.com plant angeblich bis zu 400 klassische Buchläden

04.02.2016 | 09:46 Uhr |

Ausgerechnet Amazon.com, das mit seinem erfolgreichen Online-Buchhandel eine ganze Branche in die Krise stürzte, plant nun offenbar selbst eine ganze Kette von klassischen Buchläden. Einen Wettbewerbsvorteil verspricht sich das Unternehmen von seinen Unmengen an Verbraucherdaten.

Wie das " Wall Street Journal " berichtet, will der Online-Gigant 300 bis 400 Buchläden eröffnen und damit ein weiteres Mal den Marktführer Barnes & Noble (650 Läden) und Books-A-Million (255 Läden) angreifen. Das Wirtschaftsblatt hat seine Informationen von Sandeep Mathrani, dem Chief Executive Officer des amerikanischen Shopping-Mall-Betreibers General Growth Properties Inc. Er hatte das Geheimnis anlässlich der Quartalsbilanz seines Unternehmens ausgeplaudert.

Derzeit hat Amazon einen großen Buchladen in Seattle und einige permanente Kiosks in den Shopping-Malls der Westfield Corp., wo neben Büchern auch Gadgets, Kleidung und andere Produkte verkauft werden. Das Wall Street Journal schreibt, es sei nicht klar, woher Mathrani seine Informationen habe. Vermutlich habe er mit Amazons Immobilien-Experten gesprochen. Offizielle Informationen gibt es indes weder von Amazon noch von dem Mall-Betreiber.

Ein schneller Einstieg dürfte schwierig werden

Sollt Amazon seine Pläne verwirklichen, würde das Unternehmen wohl einige Jahre brauchen, um die richtigen Orte und Immobilien zu finden, Leasing-Verträge abzuschließen und Personal anzuheuern. (Siehe auch: Wie der lokale Buchhandel gegen Amazon & Co. kämpft) .

Der Wettbewerbsvorteil, den sich Amazon im klassischen Buchhandel verspricht, beruht wohl auf den reichhaltigen Daten, die das Unternehmen jahrelang in seinem Online-Business gesammelt hat. So kann der Konzern für die Bestückung seines Ladens in Seattle ständig analysieren, welches Feedback Online-Leser zu Büchern gegeben haben, und ob sich die Abverkäufe für Bestseller im Steig- oder Sinkflug befinden.

In Seattle verlangt Amazon Preise, die mit denen im Online-Handel identisch sind. Außerdem erhalten die Kunden zu einigen Büchern die Leserurteile von Online-Kunden angezeigt und können sich an den von Amazon.com bekannten Bewertungssternchen orientieren. Darüber hinaus gibt es – wie mittlerweile auch in anderen Buchhandlungen – Ecken, in denen die Mitarbeiter des Geschäfts ihre eigenen Favoriten präsentieren.

Lieferzeiten sollen verkürzt werden

Amazon arbeitet zurzeit an verschiedenen Stellen daran, die Lieferzeiten für Güter zu verkürzen. In 20 Städten werden bereits Lieferungen innerhalb von einer Stunde versprochen, außerdem gibt es "Same-day Drop-offs" in bestimmten Läden und Märkten. An ersten amerikanischen Universitäten wurden Abholstationen eingerichtet, wo Studenten ihre Bücher mitnehmen und Kontakt zu Amazon-Mitarbeitern aufnehmen können.

Wie Sandeep Mathrani auf der Bilanzkonferenz ausführte, sind auch andere Online-Shop-Betreiber dabei, erste Brick-and-Mortar-Geschäfte zu betreiben. Als Beispiel nannte er die Modeseite Bonobos , die Kosmetikseite Birchbox und den Brillenanbieter Warby Parker .

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