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Amazon: Keine höheren Preise für Apple-Nutzer

02.11.2015 | 17:14 Uhr |

Der Online-Handel boomt – und Amazon ist ganz vorne mit dabei. Jetzt äußert sich Ralf Kleber, Deutschland-Chef von Amazon, zu Vorwürfen über Preisnachlässe für bestimmte Zielgruppen, die Flüchtlingskrise und die Zukunft des Internets.

In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ bezog Deutschland-Chef des Online-Händlers „Amazon“ Ralf Kleber Stellung zu diversen Themen. Dass der Online-Handel einmal so gut laufen würde, habe man sich mit der Gründung nicht mal im Traum vorstellen können. Immerhin war Google im Jahr 1999, als Kleber zu Amazon kam, gerade erst einmal ein Jahr alt. Allerdings sei die Vision bereits in gewissen Grundzügen vorhanden gewesen: „An mobiles Surfen haben wir damals jedenfalls nicht gedacht“; sagte Kleber. „Damals gab es in Deutschland 3,5 Million en Internetnutzer mit PC – und wir mussten erst einmal überlegen, wie wir hier mit unserem Online-Buchhandel für die Menschen relevant werden. Allerdings hatte Jeff [Amazon-Gründer Jeff Bezos] damals schon weiter gedacht. Seine Botschaft war immer: Wir werden versuchen, alles online anzubieten, was unseren Kunden einen Mehrwert bringt.“

Ein solches Online-Imperium aufzubauen ist nicht leicht, gerade da Amazon anfangs nicht konkurrenzlos startete. Der wesentliche Unterschied zu anderen Anbietern zeige sich laut Kleber aber im Angebot. Niemand kann alles anbieten, aber „[...] Uns hält das Bewusstsein geschmeidig, dass sich Unternehmen grundlegend verändern müssen, wenn die Kunden dies auch tun. Von mir und den Mitarbeitern von Amazon wird erwartet, dass wir nie zufrieden sind. Wir müssen uns immer fragen: Geht es einfacher? Denn Einfachheit generiert Gewohnheiten.“

Kleber über die Notwendigkeit von Gewerkschaften

Diese Erwartungen sind ein erheblicher Druck für alle Mitarbeiter von Amazon. In letzter Zeit streikten immer häufiger Mitarbeiter des Online-Händlers. „In unserer sehr offenen Unternehmenskultur sprechen wir permanent direkt mit Mitarbeitern und Betriebsräten. Dabei sehen wir wieder und wieder: Bei uns funktioniert diese unmittelbare Kooperation für alle Seiten am besten – Arbeitnehmer und Kunden. Im Übrigen streikt nur eine kleine Minderheit der Mitarbeiter. [...] Wir haben in allen deutschen Logistikstandorten gewählte Betriebsräte mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten.“

Amazon sei ebenfalls daran interessiert, der Flüchtlingskrise entgegenzuwirken und bei einer Problemlösung zu helfen: „Wir haben den Arbeitsagenturen frühzeitig signalisiert, dass wir Flüchtlinge bei entsprechender Qualifikation gerne bei uns arbeiten lassen würden. Dafür müssen allerdings die rechtlichen Voraussetzungen stimmen. [...] Wir sind auch bereit, bei der Integration zu helfen, ein Beispiel könnte Deutschunterricht sein.“  

Bietet Amazon Preisnachlässe für bestimmte Zielgruppen an?

Laut Kleber sei dieser Vorwurf „absoluter Schmarrn“. Das Anpassen an das dynamische Umfeld sei eine strategische Aufgabe zur Schaffung von Transparenz. „Wenn wir das Gefühl haben, es entwickelt sich für den Kunden ein neuer Marktpreis, und das kann bei manchen Produkten mehrmals am Tag sein, reagieren wir darauf. Preise gehen rauf und runter – aber wir sagen es dem Kunden. Und zwar allen gleichzeitig.“ Demnach gebe es keine unterschiedlichen Preise für ein und dasselbe Produkt auf unterschiedlichen Endgeräten.   

Die Zukunft von Amazon

Als zukünftiges Ziel setzt sich der Online-Händler vor allem schnelle Lieferzeiten. Demnach sollen Kunden in urbanen Zentren zukünftig ihre Bestellungen in nur wenigen Stunden erhalten. Solche Planungen erfordern allerdings sehr viel Organisation. Dazu gehört auch zu ahnen, was der Kunde kaufen möchte und was nicht. Derartiges wird momentan im Tech-Hub in Berlin entwickelt „Die Teams befassen sich mit der Frage, durch welche Daten sich die Genauigkeit unserer Prognosen erhöht. Eine Frage ist zum Beispiel: Wie viele rote T-Shirts verkaufe ich nächstes Jahr im April?“

Um den Markt noch weiter auszubauen und ein größeres Angebot zu schaffen, will Amazon demnächst auch Lebensmittel anbieten. „Der Lebensmittelbereich ist so groß, dass wir überlegen mussten, wo wir anfangen. Also haben wir beispielsweise gesagt: Wir bauen zunächst erstmal Deutschlands größtes Nudelregal. Kein Supermarkt hat alle Nudelsorten,– sobald der Kunde also weiß, dass er bei Amazon alle findet, hat er einen Grund, mit seinen Gewohnheiten zu brechen. Heute gibt es bei uns rund 10.000 Nudelsorten.“

Das wichtigste sei für Amazon, dass die Kunden die Vielfalt genießen können.

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