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Analyst: DRM-freie Musik wird Downloads antreiben

03.04.2007 | 13:08 Uhr |

Der Analyst Aram Sinnreich von Radar Research sieht EMIs Zug, Musik zunächst über den iTunes Store ohne DRM zu verkaufen, als Anschub für den digitalen vertrieb von Musik.

EMI, das unter den vier großen Musiklabels den kleinsten Marktanteil hält, werde durch das Angebot DRM-freier Musik "einen netten Schub" erleben, meint Sinnreich. Die Entscheidung war laut Sinnrecih längst überfällig und werde auch Auswirkungen auf die Angeboten der anderen drei Majors haben. "Die einzige Möglichkeit, den Rückgang der CD-Verkäufe zu kompensieren, besteht darin, in Volumen zu verkaufen," erklärt Sinnreich. Während Alben auch DRM frei weiterhin 9,99 US-Dollar respektive kosten sollen, würden die zehn Stücke eines Albums zusammen 12,90 US-Dollar kosten - der Anreiz, gleich zum gesamten Werk zu greifen, wäre höher. Mit seinem in der letzten Woche eingeführten Feature "Complete the Album" habe Apple einen weiteren Anreiz für Single-Käufer geschaffen, sich nicht nur einzelne Hits herauszupicken.

Einen weiteren Grund für das Entfernen des Kopierschutzes im iTunes Store macht Sinnreich in der Bedrohung durch Content von Mobilfunkprovidern aus. Der wahre Hintergrund von Jobs in seinem offenen Brief "Gedanken zur Musik" geforderten Freigabe von Musik ist die Anforderung, Musik frei von Gerät zu Gerät fließen zu lassen. Noch habe Apple mit dem geschlossenen System iPod/iTunes einen Wettbewerbsvorteil, mit zunehmenden mobilen Angeboten wandle sich der Markt jedoch und unter Musikhörern verringere sich die Akzeptanz von einschränkenden Kopierschutzmechanismen. Einen großen Nutzen werden laut Sinnreich auch Anbieter von Abo-Services aus dem Ende von DRM ziehen. Sobald gekaufte Musik frei von Kopierschutzmaßnahmen ist, wären Napster, Rhapsody und Co auch frei für den riesigen iPod-Markt.

Filme aus Apples Downloadgeschäft werden aber weiterhin Kopierschutz integriert haben, stellte Apple-CEO Steve Jobs gestern auf der EMI-Pressekonferenz in London klar. "Die Filmindustrie hat ihren Content immer schon mit Kopierschutz verkauft," das Argument aus dem Musikgeschäft, dass 90 Prozent der verkauften Stücke frei von DRM wären, könne so nicht gelten. Jobs als größter Aktionär von Disney werde das Filmstudio nicht zur Aufgabe von DRM zwingen und so andere Studios nicht vom digitalen Vertrieb abschrecken, meinen Analysten. In den USA nimmt der iTunes Store mittlerweile 10 Prozent des Gesamtmarktes für Musikverkäufe ein, als Geld einbringender Video Store müsse sich Apples Angebot erst noch beweisen.

Für den DRM-Verzicht auch bei Filmen machen sich derweil die Organisationen Free Software Foundation und Electronic Frontier Foundation stark. Auch der norwegische Verbraucherschutzbund weist in einem Statement darauf hin, dass die Filmindustrie "von dem wichtigen Schritt, den EMI unternommen hat" Notiz nehmen sollte.

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