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Analysten mögen den iMac nicht

11.01.2002 | 00:00 Uhr |

Bei Analysten ist der neue iMac nicht gut angekommen. Gartner kritisiert den Preis und die Business Week empfiehlt Apple, mehr "digital devices" zu entwickeln.

München/Macwelt- Die Analysten von Gartner sind skeptisch, ob der neue iMac ein wirtschaftlicher Erfolg werden könnte. Zwar müsse man die spektakuläre Überarbeitung des einstigen Kassenschlagers als gute Nachricht für Apple werten, der hohe Preis könne jedoch Kunden abschrecken.
Für den Bildungsbereich sei der neue iMac einfach zu teuer, die Schulen hätten zu wenig Geld um sich das neue Modell zuzulegen.

Einige Lücken weist diese Studie allerdings auf. So nimmt sie irrtümlicherweise an, die Zukunft des iMac sei ungewiß, obwohl Apple in der Keynote eine weitere Produktion ausdrücklich versprochen hatte. Es wird sicher noch einige Zeit einen iMac für 800 US-Dollar geben. Zudem wird im Bildungsmarkt offenbar weniger der iMac das Volumenmodell als das neue iBook.

Widersprüchlich ist auch die Wertung des TFT-Displays. Gartner zufolge sei der TFT-Display zu luxuriös für den Consumermarkt, wogegen aber spricht, dass in den Statistiken die Verkaufszahlen von TFT-Monitoren immer größer werden. Der Informationdienst Display Search schätzt, dass im vierten Quartal 2001 weltweit etwa jeder vierte verkaufte Monitor ein LCD-Display enthielt. Durch den höheren Preis pro Stück machten diese 25 Prozent bereits 42 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Offensichtlich zielt Apple mit seinen Produkten auch eher auf gutverdienende Käufergruppen als auf den kostenbewußten PC-Käufer. Auch der Preis erscheint nicht mehr zu hoch, wenn man ihn mit ähnlich ausgestatteten Modellen von Dell, Gateway, Sony und HP vergleicht.

Problematisch ist der iMac Gartner zufolge allerdings für Unternehmenskunden. Nur für den amerikanischen Markt ist die Garantiezeit des neuen Rechners ein Problem. Anders als die zweijährige Gewährleistungspflicht in Deutschland beträgt die Garantiezeit dort nur ein Jahr. Auch für deutsche Unternehmen ein Kostenproblem ist allerdings das All-in-One-Konzept. Rechner und Monitor lassen sich nicht einzeln verwenden, was sich negativ auf die Unterhaltskosten auswirkt. Ist der Rechner defekt blewibt fraglich, ob man den teure Monitor auf irgendeine Weise weiterverwenden könnte.

Andererseits bietet der neue iMac Unternehmen eine kostengünstigere Möglichkeit, einen EDV-Arbeitsplatz bereitzustellen als durch die Kombination von Monitor und G4. Für Büroanwender ist die gebotene Rechenleistung mehr als ausreichend, Kreative werden weiter die teureren G4-Desktops benötigen, die mehr Performance bieten und leicht erweiterbar sind. Auch der 15-Zoll Monitor ist für Publisher einfach zu klein. Der iMac wird folglich dem margenstarken Profibereich nur wenig Umsatz wegnehmen.

Cliff Edwards hat in einem Kommentar für die Business Week Apple geraten, nicht zu sehr auf den iMac zu setzen und seine Aktivitäten nicht auf den nur langsam wachsenden PC-Markt zu beschränken. Die Jobs-Company habe nun zur Genüge bewiesen, dass sie leicht zu handhabende Computer mit innovativem Design bauen könne, doch alleine auf den Mac und seine Bedeutung als "digital hub" könne sich Apple nicht verlassen. So gingen zwar bereits 125.000 iPods über die Ladentische, nach Ansicht von Analysten läge die Verkaufszahl beim Vierfachen, wenn der MP3-Player auch unter Windows liefe.

Edwards schlägt den Verantwortlichen in Cupertino vor, mit ihren Konzepten neue Märkte zu erobern und etwa ein Media Center entwickeln, das drahtlos mit jeder Art von Computer, Handheld oder anderem elektronsichem Gerät kommuniziert. Eine Zusammenarbeit mit Herstellern von Unterhaltungselektronik sieht Edwards ebenfalls als sinvoll an, Kameras oder DVD-Player mit dem Apple-Logo fänden ihre Käufer.

Anderenfalls drohe dem Mac-Hersteller jedoch der Sturz in die Bedeutungslosigkeit, nach IDC-Zahlen ist Apples Marktanteil im Oktober auf 2.9 Prozent gesunken, im Jahr zuvor hätte er bei 3,3 Prozent gelegen. Apple solle schnell handeln, nicht dass man auf der Website posten müsste: "Rechnen Sie damit, enttäuscht zu werden."

An der New Yorker Technologiebörse Nasdaq führten Apples Neuvorstellungen und die Analystenreaktionen bisher zu einem Kursrückgang von 11, 4 Prozent. Notierte die Apple-Aktie am Freitag vergangener Woche noch bei 23,69 US-Dollar, so kosteten Anteilsscheine des Mac-Herstellers zu Börsenschluss am gestrigen Donnerstag nur noch 21,23 US-Dollar. sw/pm

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