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Analysten warnen vor neuer Dotcom-Blase

08.04.2003 | 10:28 Uhr |

München (Computerwoche) - Kaum steigen die Internet-Aktien eine Zeitlang, warnen Finanzexperten erneut vor einer Überbewertung des Wirtschaftssektors. Rund drei Jahre nach dem die Dotcom-Blase geplatzt ist, konnte der Bereich im Großen und Ganzen ein solides erstes Quartal hinlegen: Der Dow Jones Composite Internet Index kletterte in den ersten drei Monaten dieses Jahres um elf Prozent und übertraf damit bei Weitem den Nasdaq Composite, der lediglich einen Zuwachs um weniger als ein Prozent verbuchte. Inzwischen gibt es deutlich weniger börsennotierte Internet-Unternehmen und einige Firmen haben tatsächlich bereits die Gewinnschwelle durchschritten. Doch damit ist nicht notwendigerweise das komplette Segment gesundet. In Hinblick auf die extrem hohen Kurs/Gewinn-Verhältnisse (P/E-Ratios) bei einigen Unternehmen befürchten viele Analysten und Investoren vielmehr, dass es sich bei manchen Werten um Luftschlösser handle, die ähnlich wie gegen Ende der 90er Jahre abrupt einstürzen könnten. So legte die Aktie von Amazon.com im ersten Quartal um 38 Prozent zu und wird nun zum 80-fachen Preis des für dieses Jahr prognostizierten Gewinns je Aktie gehandelt. Zum Vergleich: Bei den Aktien im S&P-500-Index liegt das mittlere Kurs/Gewinn-Verhältnis unter 20. Der Kursanstieg bei Amazon.com ist kein Einzelfall: Die Aktie des Suchmaschinenbetreibers Ask Jeeves legte im ersten Quartal um 177 Prozent zu, das Yahoo -Papier gewann um 47 Prozent an Wert, bei Ebay betrug der Zuwachs immerhin noch 26 Prozent. Grund der Hausse sei die Erkenntnis vieler Anleger, dass einige Geschäftsmodelle im Internet tatsächlich funktionieren, so Safa Rashtchy, Analyst bei U.S. Bancorp Piper Jaffray. Außerdem habe die Branche gut drei Jahre nach dem Showdown ihr anrüchiges Image weitgehend verloren. Andere Finanzexperten sprechen von einem Selektionsprozess, bei dem sich die Überlebenden längerfristig durchsetzen werden. Hinzu käme, so Bill McVail, Analyst bei Turner Investment Partners, dass sich Internet-Firmen gegenüber der Irak-Krise und der anhaltenden Konjunkturschwäche als vergleichsweise resistent erwiesen. (mb)

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