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Angebot und Nachfrage

27.06.2002 | 11:37 Uhr |

In den USA soll einer der größten Distributoren iMacs für15 Wochen auf Lager haben. Händler in Deutschland können eine dramatische Flaute nicht bestätigen, sehen aber einen saisonalen Nachfragerückgang.

München/Macwelt - Der US-Nachrichtendienst CNET News.com berichtete auf seiner Webseite von einem Überangebot an TFT-iMacs beim amerikanischen Großhändler Ingram Micro (siehe Morgenmagazin vom 26.6 ). Der Autor des Artikels Ian Fried beruft sich dabei auf "der Firma nahe stehende Quellen". Demnach lagerten bei einem der größten PC-Distributoren in den USA allein 1200 Exemplare des Highend-iMacs mit Superdrive. Damit hätte sich das ursprüngliche Verhältnis von Angebot und Nachfrage des im Januar vorgestellten TFT-iMacs umgekehrt. Anfangs mussten willige Käufer wochenlang auf ihr Model warten. Auch Apple Links berichtet , dass iMacs in einem CompUSA Store in San Francisco am Haupteingang zum leichteren Kaufanreiz gestapelt seien.

Die aktuelle Flaute betreffe zwar auch andere PC-Firmen Vor allem der Endkundenmarkt hat unter starkem Nachfrage-Rückgang zu leiden. Nach Zahlen der Marktforscher von IDC war in den USA das Retail-Geschäft im April un 22,5 Prozent rückläufig. Hinzu kommt die in den USA beginnende Sommersaison. In Erwartung neuer Modelle auf der Macworld Expo im Juli habe Apple laut news.com traditionell im Juni mit einem Rückgang der Nachfrage nach den aktuellen Produkten zu kämpfen.

Derweil haben sich die von Analysten als "alarmierndes Zeichen" verstandene Befürchtungen nicht bestätigt. So hat ZDNet Australien von KH Distribution, dem größten Mac-Distributor des fünften Kontinents keinerlei Klagen über zu hohe Lagerbestände gehört. Wie der Verkaufsleiter Keith Rice dem Online-Magazin mitteilte, sei man keineswegs mit zu vielen iMacs ausgestattet. Der Markt sei momentan relativ zurückhaltend, nachdem man im April in Australien besonders gute Geschäfte gemacht habe. Apple habe trotz einem Rückgang der absoluten Zahlen seinen Marktanteil halten können. Rice lobt gar den Mac-Hersteller ob des "recht guten Jobs", den Apple zur Zeit beim Managment der Lagerbestände und Produktion mache.

In Deutschland offenbaren Händler konträre Sichtweisen auf die Verkaufssituation des iMac. Martin Mayr, Marketing Manager von Cancom, sprach Macwelt gegenüber von "ausreichenden Stückzahlen", über die man verfüge. Alle Modelle seien innerhalb von 24 Stunden an den Kunden lieferbar. Einen Zusammenhang des nachlassenden Kaufinteresses für den iMac mit der bevorstehenden Macworld Expo im Juli kann er nicht erkennen. Nachfrageschwankungen sind aus seiner Sicht zyklisch bedingt. Man leide jedenfalls nicht unter "übermäßigen Lagerbeständen".

Der Geschäftsführer für den Bereich Vertrieb und Planung bei Gravis, Norbert Mohlberg, sieht die Lage jedoch nicht so entspannt. Mit iMacs sei man selbst "ausreichend versorgt". Der Verkauf bleibe hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Die Gründe dafür sieht er unter anderem in zu hohen Preisen für die iMacs - für die normalen "Straßenkunden", die man hauptsächlich beliefere, seien 2500 Euro für einen Konsumentencomputer einfach zu viel. Deswegen biete man in einer zeitlich befristeten Aktion den TFT-iMac zum früheren Einstiegspreis an. Der Verkauf des G3-iMacs mit herkömmlichem Röhrenmonitor mache noch immer etwa die Hälfte der Nachfrage in diesem Segment aus. Mohlberg fordert von Apple Deutschland mehr Werbung mit Film- und Fernsehspots sowie verstärkte Plakataktionen, um die Marktpräsenz in Deutschland spürbar zu steigern. Der neue iMac sei "ein sehr gutes Produkt" für ein wegen des Preises allerdings begrenztes Kundenfeld.

Auch Olaf Siegel, Geschäftsführer von Cyberport in Dresden, bestätigte, dass die Nachfrage nach den TFT-iMacs seit Mai nachgelassen habe. Das teuerste Modell mit Superdrive verkaufe sich am besten, deutlich besser jedenfalls als der neue Einstiegs-iMac mit CD-RW-Laufwerk. Dagegen sei die Nachfrage nach dem seit wenigen Tagen an Kunden ausgelieferten eMac mit integriertem CD-Brenner positiv.

Apple Deutschland dementierte Macwelt gegenüber Spekulationen über zu hohe Lagerbestände. "Der iMac-Verkauf in Deutschland läuft gut," weiß Pressesprecher Georg Albrecht zu berichten. tha/pm

Info: CNET News.com , ZDNet Australia

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