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Ansteckende Plage: Hollywood setzt auf Virales Marketing

30.04.2008 | 15:40 Uhr |

Die amerikanischen Filmstudios setzen in diesem Jahr verstärkt auf Virales Marketing. Statt einfacher Werbung legen sie Spuren im Netz, bauen gefälschte Fan-Webseiten und setzen darauf, dass Blogger und Leser darauf anspringen.

Die Geschichte des Viralen Marketings war bislang vor allem eine Geschichte des Misserfolgs. Oft fühlten sich Leser verschaukelt, wenn sie erfuhren, dass eine Webseite oder ein Blog nicht weiter war als versteckte Werbung. Vor allem in den USA sind Unternehmen dennoch von der neuen Methode begeistert. Sie setzen auf die Vernetzung der Nutzer. Deshalb legen sie Fallen im Netz aus, die den Kult um bestimmte Filme anheizen sollen.

So gibt es in der laufenden Filmsaison gleich eine ganze Reihe neuer Filme, die über das Internet indirekt beworben werden. Vor allem der kommende Batman-Film "The Dark Knight" hat ein ganzes Netzwerk an Homepages, die Fans ködern sollen. Über 30 verschiedene Webseiten hat das Filmstudio Warner Bros. dafür ins Leben gerufen. Man beauftragte die Agentur 42 Entertainment, die auf Schnitzeljagd-ähnliche Spiele spezialisiert sind. Besonders deutlich zeigt der Zeitrahmen, wie intensiv die Kampagne geplant war: Obwohl der Film erst im August 2008 in die Kinos kommen wird, begann die Kampagne schon im Mai 2007.

Werbung als Schnitzeljagd

Die Marketingkampagne steht unter dem Motto "Warum so ernst?". Alles begann mit einer fingierten Kampagne für einen gewissen Harvey Dent. Diese stand unter dem Titel "Ich glaube an Harvey Dent". Dazu kam eine weitere Seite "Ich glaube auch an Harvey Dent". Nach und nach zerbröselte das Bild des angeblichen Kandidaten zum Bezirksstaatsanwalt und so kam "Two Face" zum Vorschein, eine Figur der Batman-Comics. Die gesamte Kampagne verbindet on- mit offline-Inhalten. So werden Fans zu bestimmten Treffen gelockt, wo sie weitere Hinweise erhalten. Während die Batman-Kampagne die Fans anspricht, versuchen andere, normale Surfer zu verblüffen.

So wird der Film Hancock ebenfalls über das Web beworben. Die Webseite " Hancock was here ", zeigt angeblich von Lesern gedrehte Videos eines fliegenden Mannes. Die Leser werden aufgefordert selbst nach dem Mann Ausschau zu halten und ihre Videos einzusenden. Hinter der Webseite steckt Sony.

Der Film Cloverfield ist für viele Filmstudios zum Vorbild geworden. Hier war es gelungen, mit angedeuteten Nachrichtenberichten für Spannung rund um das mysteriöse Monster zu sorgen. Die aktuellen Mitmach-Spiele sprechen jedoch nur beinharte Fans an und lassen die restliche Bevölkerung weitgehend kalt.

Umstrittene Methode

Virales Marketing ist immer noch umstritten. Sie setzt dabei auf die vernetzten Websurfer und darauf, dass diese sich die Fundstücke gegenseitig weitererzählen. Oft schlägt dies jedoch nach hinten aus. So gab es beispielsweise Empörung als ein deutscher Autohersteller gemeinsam mit dem Comedian Hape Kekeling ein Blog mit lustigen Videoclips schaffte. Erst nach einiger Zeit kam heraus, dass es sich um Werbung handelte. So erreichen Unternehmen weder positive Aufmerksamkeit noch nachhaltige Imagepolitur.

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