Antenna Gate
Konkurrenten sauer auf Apple-Chef
Der Ärger mit dem neuen iPhone 4 hört für Apple einfach nicht auf: Nun sind Konkurrenten sauer, nachdem Konzernchef Steve Jobs Empfangsprobleme auch bei ihren Mobiltelefonen anprangerte.
So sprachen die Co-Chefs des BlackBerry-Anbieters Research In Motion von einem inakzeptablen Versuch, ihre Firma in das "selbstverschuldete Debakel" von Apple hineinzuziehen. Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia giftete in einer Stellungnahme, bei ihm gehe Funktionalität vor Design.
Jobs hatte am Freitag einerseits Empfangsprobleme beim neuen iPhone eingeräumt, zugleich jedoch gesagt, auch bei Smartphones anderer Hersteller werde der Empfang schwächer, wenn die Geräte auf bestimmte Weise gehalten würden. Apple illustriert das auch noch mit Videos einiger Telefone von Research In Motion (RIM), Samsung und HTC.
RIM verwies im Gegenzug auf die Entscheidung von Apple, den äußeren Metall-Rahmen des iPhone 4 zur Antenne zu machen, als Grund für die Empfangsprobleme. Sie hätten solche Konstruktionen bei ihren BlackBerrys bewusst gemieden, hieß es in einer Erklärung der Co-Chefs Mike Lazaridis und Jim Balsillie, die in US-Medien veröffentlicht wurde. "Apple hat bestimmte Design-Entscheidungen getroffen und sollte die Verantwortung dafür übernehmen, anstelle RIM und andere in die Situation hineinzuziehen."
Nokia, der Weltmarktführer, der durch den Erfolg des iPhones in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten ist, verwies auf die eigenen Stärken beim Antennen-Design. Nokia erforsche mit großem Aufwand, wie Menschen ein Telefon in verschiedenen Situationen halten und wie man durch den Aufbau der Antennen Empfangsprobleme verhindern könne, hieß es in einer Stellungnahme, die mehrere US-Blogs veröffentlichten.
Apple begann die Pressekonferenz mit dem "iPhone-Song" von Youtube. Dessen Text nimmt das spätere Fazit bereits vorweg: "Leb damit".
Steve Jobs selbst hält die Pressekonferenz, die auf dem Apple Campus in Cupertino bei San Francisco stattfindet.
"Phones aren't perfect" - Dieser Spruch zieht sich matra-artig durch die Präsentation. Telefone seien nicht perfekt.
Trotz aller Kritik sei das iPhone 4 das Smartphone mit der höchsten Kundenzufriedenheit. Die Quelle oder Kriterien dieser Aussage nennt Jobs nicht.
Apple habe sich seit laut werden der Kritik "22 Tage den Hintern abgearbeitet". So lange dauerte aber auch der Zeitraum, in dem Apple dazu schwieg.
Der "Antennenskandal" sei keine Apple-exklusive Angelegenheit. Jetzt beginnt Jobs, das iPhone mit anderen Smartphones zu vergleichen.
Auch bei anderen Smartphone verschlechtert sich der Empfang, wenn man es fest umschließt. Die anderen Hersteller reagieren erbost über diesen Vergleich, denn beim iPhone 4 könne man den Empfang mit nur einem Finger stören und man habe außenliegende Antennen deshalb verworfen, weil dies die Probleme verursache, die sich beim iPhone 4 zeigen.
Apple bringt drei Beispiele von anderen Smartphone, die belegen sollen, dass alle modernen Handys dieses Problem hätten.
Wieder einmal die These: "Telefone sind nicht perfekt."
Das einzige Fehlereingeständnis an diesem Abend: Man habe die empfindliche Stelle mit dem schwarzen Strick unfreiwillig markiert und die Zahl der Balken falsch dargestellt.
Zum Beleg der eigenen Antennenkompetenz zeigt Steve Jobs erstmals Bilder aus den zuvor geheimen Messlabors für Funktechnik bei Apple.
17 Messkammern, 18 Wissenschaftler und 100 Millionen Dollar hat Apple für Antennendesign aufgefahren.
Die Zahlen sollen das Problem als nicht-existent belegen: Nur 0,55 prozent aller iPhone-4-Käufer haben sich beim Apple-Support wegen des schlechten Empfangs beschwert.
Beim iPhone 3GS habe es mehr als drei mal so viele Rückgaben des Gerätes gegeben.
Das iPhone 4 bricht tatsächlich mehr Gespräche ab als das iPhone 3GS. Der Unterschied zwischen den Modellen läge aber bei unter einem Prozent.
Die Zusammenfassung von Apples Sicht: Alle Smartphones haben empfindliche Stellen, wenige Nutzerbeschwerden und Rückgaben, kaum mehr Gesprächsabbrüche.
Obwohl das problem eigentlich kaum wahrzunehmen sei, wolle Apple sich um jeden Nutzer kümmern.
Dann kommt Jobs auf das Thema "Bumper".
Apples Lösung für das Empfangsproblem: Kostenlose Bumper für alle Käufer des iPhone 4 - bis zum 30. September. Was danach sei, wisse man noch nicht.
Da Apple nicht genügend Bumper produzieren kann, will man auch Hüllen von Drittanbietern verschenken. Die Nutzer erhalten bald eine Auswahl auf Apples Homepage.
Unzufriedene Käufer können das iPhone 4 zurückgeben. In Deutschland gibt es dazu noch keine Regelung mit der Telekom.
Das weiße iPhone wird Ende Juli ausgeliefert und soll zunächst nur in wenigen Stückzahlen, dann in größeren erhältlich sein.
Außerdem startet das iPhone 4 Ende Juli in 17 weiteren Ländern, darunter in Österreich, der Schweiz und Italien.
Auch Motorola-Co-Chef Sanjay Jha sagte dem Technologie-Blog "Digits" zufolge, die Probleme mit äußeren Antennen seien bekannt. HTC, Hersteller vor allem von Telefonen mit Googles Betriebssystem Android und Microsofts Windows Mobile, bestritt Jobs Behauptung, alle Mobiltelefone wiesen grundsätzlich Schwachstellen beim Empfang auf, wenn man sie auf bestimmte Weise halte.
Apple ruft das iPhone 4 nicht zurück, wird künftig aber allen Käufern eine kostenlose Schutzhülle geben, die den äußeren Metallrahmen des Smartphones bedeckt.
Apple war in den vergangenen Wochen wegen der Berichte über Empfangsprobleme beim iPhone 4 - von US-Medien augenzwinkernd als "Antennagate" bezeichnet - immer mehr unter Druck geraten. Jobs wertete am Freitag die Berichte in den Medien und im Web als "völlig unverhältnismäßig", da sie sich nicht mit den Erfahrungen der Kunden deckten. Er wies auch einen Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg zurück, wonach ein ranghoher Ingenieur das Management bereits im vergangenen Jahr davor gewarnt habe, dass eine außenliegende Antenne die Empfangsleistung schwächen könnte. Das neueste Modell von Apples Erfolgshandy war am 24. Juni in den Handel gegangen und hatte sich seitdem drei Millionen Mal verkauft. Apple ging zugleich in eine PR-Offensive und zeigte einem knappen Dutzend ausgewählter US-Journalisten erstmals das hochgeheime und extrem teuer ausgestattete Labor, in dem an den Antennen-Design der Apple-Geräte gearbeitet wird. Die Führung machte Apple-Spezialist Ruben Caballero, der laut Bloomberg Jobs vor den Antennen-Problemen gewarnt haben soll. Er kommentierte den Bericht laut "New York Times" nicht.





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