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Apfelrechner.ch: Kriminaltango im Kanton Aargau

25.01.2007 | 15:15 Uhr |

In der schweizerischen Mac-Gemeinde schlägt dieser Fall hohe Wellen: Der für seine günstigen Preise geschätzte, für seine Geschäftspraktiken kritisierte Internet-Händler Apfelrechner.ch steht unter Betrugsverdacht.

Geschäftsführer Dedic hat seinen Shop abgeschaltet und rät seinen Kunden, den Rechtsweg zu beschreiten, die zum Teil über das Auktionshaus Ricardo angebotenen Schnäppchen sind allesamt aus dem Angebot verschwunden. Die zuständige Kantonspolizei geht von über 100 Geschädigten aus.

30 Prozent unter Preis hat Apfelrechner.ch Mac-Hardware angeboten, Kunden mussten Vorkasse leisten und zum Teil mehrere Wochen auf die bestellte und bezahlte Ware warten. Bis zur vergangenen Woche: macprime.ch - das größte Portal in der schweizerischen Mac-Gemeinde - berichtet, dass die Kantonspolizei Aargau gegen den Händler aus Aarau wegen Betrugsverdachts ermittelt. Die Schweizer Nachrichtenagentur SDA zitiert einen Polizeisprecher: Im "Schneeballsystem" soll Dedic die Macs verkauft haben, aber durch die niedrigen Erlöse stets zu wenig Geld eingenommen haben, um die Kunden zügig mit der bestellten Ware zu beliefern. Während neue Auktionen frisches Geld in die Kasse gespült hatten, mussten von diesem Geld ältere Bestellungen eingekauft und ausgeliefert werden. Jetzt ist diese Blase geplatzt. Nach Polizeiangaben hätten sich bereits über 100 Geschädigte gemeldet, die Betroffenen müssen aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Totalverlust des gezahlten Geldes rechnen. Die Behörden verschaffen sich - so der macprime.ch-Bericht - gerade einen Überblick und werden in den nächsten Wochen Kontakt zu den Geschädigten aufnehmen. Computer zum Ausliefern seien jedenfalls keine mehr in den Firmenräumen. Kontaktaufnahme und Kooperation verspricht auch der Noch-Geschäftsführer der Apfelrechner.ch GmbH auf seiner Webseite: "Auskünfte zu Fälligkeiten u. Ä. kann ich ihnen bis auf weiteres leider nicht geben. Ich bitte Sie, den Rechtsweg (KaPo AG) zu beschreiten! Mehr zu Ursachen und Folgen der aktuellen Misslage publiziere ich hier oder im direkten Rundmail an Betroffene so bald wie möglich und so weit wie erlaubt. Eine schnelle Aufklärung und Erledigung ist auch mein Ziel." Anfänglich wollten sich die macprime.ch-Betreiber noch an einer "Deeskalation" beteiligen und Dedic eine Plattform geben zur Kommunikation mit der Schweizer Mac-Gemeinde. Nun sind die Betreiber selbst in die Schusslinie geraten. Seit dem Spätsommer diskutierten User im dortigen Forum über die Geschäftspraktiken der Apfelrechner.ch und sorgten offenbar durch ihre Diskussion für mehr Durchblick zum Dedic-System. macprime.ch musste nach eigenem Bekennen jedoch die Diskussion sperren , weil Ausdruck und Vorwürfe strafrechtliche Relevanz erreicht hatten.

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