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App-Rückgabe nach zwei Jahren Nutzung

02.05.2016 | 13:57 Uhr |

Etwas laschere Richtlinien für Bildungsanstalten haben in der Kasse eines iOS-Entwicklers ein Loch von 5.000 USD hinterlassen.

Wenig erfreut war der Entwickler Dave Howell, als er Ende April eine Nachricht von Apple bekam: Mitte Oktober 2014 hatte eine Kunde 500 Education-Lizenzen seiner iPad-App Air Display 2 gekauft, im April 2016 hatte der Kunde dann alle Lizenzen zurückgegeben – und Apple den Kaufpreis erstattet. Die App von Avatron ist eine zehn US-Dollar teure Spezial-App, mit der man ein iPad mit einem Mac oder Windows-PC verbindet und wie einen externen Monitor verwenden kann.

Die Rückzahlung von nach unserer Berechnung 4995 US-Dollar an Lizenzen plus Apples Gebühren von 1500 Dollar  ist für einen kleinen Entwickler schon ein herber Schlag. Was den Entwickler (bei Twitter zu finden über #DamnYouApple) aber außerdem stört: Apple verwaltet bei Käufen per iTunes-Store alle Zahlungen und gibt keine Kundendaten weiter. Howell weiß daher weder, wer der Kunde war, noch warum der Kaufpreis zurückverlangt wurde. Ob es sich um Schule, eine Universität oder einen anderer Bildungsträger handelte, ist nur Apple bekannt. Er vermutet, dass eine Schule die Software offenbar zwei Schuljahre benutzt und dann einfach zurückgegeben hat – vielleicht nach einem Umstieg von iOS auf Android. Das ist offenbar keine Einzelfall, auch der Entwickler James Owen berichtet von einem Kunden, der nach 18 Monaten 900 Lizenzen erstattet bekam – allerdings konnte die Firma den Kunden durch Zufall identifizieren und das Problem beheben.

Die Frage ist natürlich: Warum ist eine Erstattung noch zwei Jahre nach dem Kauf möglich? Hat man ein Problem mit einer im App Store gekauften Software, kann man sich unter bestimmten Umständen den Kaufpreis erstatten lassen. Bis zu 90 Tage ist dies über den iTunes-Account möglich, dann muss man sich an den iTunes-Store-Support direkt wenden. Wir spekulieren deshalb, dass der Kunde von Dave Howell dort angab, schon seit längerer Zeit Problem mit der Software hatte aber erst nach zwei Jahren den Antrag stellte. So setzt Air Display ein schnelles WLAN-Netz voraus, nicht gerade typisch für Bildungsstätten. Erst die aktuelle Version kann ein iPad auch über USB anbinden. Dass sich aber die Buchhaltung einer Schule oder Universität zwei Jahre Zeit mit der Bearbeitung lässt, kann wohl einfach vorkommen. Grundsätzlich ist es aber ein echtes Problem für App-Entwickler, dass sie nur begrenzten Zugriff auf die Kunden-Kontaktdaten besitzen und bei einer Rückgabe über die Gründe spekulieren müssen. Kunden können sich zwar bei Problemen direkt an den Entwickler wenden, ein Kontakt mit den App-Käufern ist Entwicklern aber allenfalls über Text-Einblendungen in der App selbst möglich. Warum Apple außerdem Erstattungen in dieser Anzahl ohne Rückfrage mit dem Entwickler zustimmt, ist eine weitere offene Frage - vor allem, wenn Apple seine 30 Prozent Verkaufsgebühr in jedem Fall behält.

Apps im App Store zurückgeben: So geht's

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