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Freemium: Gratis-Apps mit Hindernissen

17.04.2012 | 11:10 Uhr |

In Zukunft werden die meisten Apps nichts mehr kosten. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Die andere Seite ist: Hersteller setzen immer mehr auf "Freemium"-Inhalte statt auf bezahlte Apps. Was das für die Kunden bedeutet

"Freemium ist definitiv die Zukunft auf Smartphones", erklärt Bart Decrem, Chef des Unterhaltungsriesen Disney Mobile gegenüber Macwelt. Der große Spielehersteller Gameloft plant ebenfalls, im Jahr 2012 keine reinen Bezahlspiele mehr zu veröffentlichen.

Freemium auch bei Dropbox und iCloud

Der Speicherdienst Dropbox basiert ebenso auf einer Art Freemium-Modell wie auch Apples iCloud oder das Musikstreaming bei Spotify: Der Basisdienst ist kostenlos, wer mehr Funktionen oder mehr Speicher braucht, muss bezahlen. Besonders in der Welt der Apps ist das Freemium-Modell sehr verbreitet. Die Charts in Apples App Store sprechen eine deutliche Sprache: Hier gibt es Anwendungen, die sowohl bei den meistgeladenen Gratis-Apps weit vorne stehen und zugleich bei den "umsatzstärksten Apps" gelistet sind.

Bart Decrem
Vergrößern Bart Decrem

Das Geschäft bei Freemium-Apps basiert auf zwei Grundsätzen: Kostenlose Apps werden sehr viel häufiger heruntergeladen als kostenpflichtige: "Selbst beim niedrigsten Preis von 0,79 Euro im App Store kann man eine Hemmschwelle der Nutzer beobachten, viele potentielle Kunden fallen so weg. Beim kostenlosen Download gibt es kein Risiko. So können wir unsere Userbasis enorm ausbauen", erklärt Gameloft -Sprecher Gregory Wintgens. Jeder soll es ausprobieren können. Im zweiten Schritt muss der Anbieter diese Masse dazu bewegen, Geld für Inhalte auszugeben. Dies ist vielfältig möglich. App-Entwickler planen diese Freemium-Funktionen von Beginn an gezielt in ihre App ein und konstruieren die Anwendung um das Bezahlmodell herum.

Die Pioniere und erfolgreichsten Vertreter unter den Freemium-Apps sind vor allem Aufbauspiele: "Im Endeffekt funktionieren bei unseren Freemium-Spielen die Aufbausimulationen am besten", bestätigt uns Gameloft. Hier ein Häuschen bauen, dort einen Park einrichten und dann noch Gewerbegebiete für virtuelle Arbeitsplätze ausweisen. Bekannte Spiele wie "Farmville" schufen die Blaupause für die erfolgreichsten der heutigen Freemium-Apps. Millionen spielten es, Ungeduldige gaben echtes Geld für virtuelle Währung und virtuelle Gegenstände aus und Entwickler Zynga wurde zum Milliardenunternehmen.

Freemium-Modelle ersetzen zunehmend auch "Light"-Versionen von Apps , die früher die Funktion einer Demoversion hatten. Unter Entwicklern gilt es als Faustregel, dass etwa 20 mal mehr Nutzer die Demo herunterladen als die Vollversion. Mit einer Freemium-App haben die Nutzer von Beginn an beides in einer App. Dabei sind die Freemium-Apps keineswegs Billigware. Spiele und Alltags-Apps, die auf diesem Prinzip aufbauen, sind sehr oft ausgereifte Anwendungen, die grundsätzlich genau so aufwändig sein können wie Anwendungen, die bisher sechs Euro gekostet haben. Allerdings sind sie künstlich eingeschränkt, um einen Kaufanreiz zu schaffen.

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