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Apple 2015: Neue Prozessoren für den Mac

08.01.2015 | 10:44 Uhr |

Dank Intel steht in diesem Jahr wieder ein umfangreicher Generationswechsel bei den Prozessoren für die meisten klassischen Computer an. Apple wird dies nutzen, um neue und spannende Macs einzuführen

Apple verrät nichts, aber wie in den vergangenen Jahren liefert Intel auch zu diesem Jahreswechsel eine Blaupause für Apples-Mac-Strategie. Broadwell, Intels kommende Prozessorarchitektur hat sich – zumindest was Notebook- und Desktop-Produkte angeht – um ein Jahr verzögert, doch im Sommer kommen die neuen Chips heraus. Dann wird es auch Zeit für schnellere und sparsamere Macs.

Mobile Macs

Nicht zuletzt das aktuelle iPad Air 2 hat die Gerüchteküche um Macs auf der Basis von ARM-Prozessoren wieder angeheizt. Das jüngste iPad erreicht mit dem A8X-Chip erstmals eine Rechenleistung, die mit den Intel-basierten Notebooks vergleichbar ist. Ob diese Leistung jedoch ausreicht, um Profi-Software wie Final Cut Pro X, Logic Pro X oder die Adobe-Produkte zufriedenstellend anzutreiben, ist fraglich. Hier hat Intel nach wie vor mit seiner Core-Architektur die Nase vorn. Ein Einstiegs-Mac mit ARM-Chip, beispielsweise ein Macbook Air mit 11-Zoll-Display wäre allerdings denkbar. Die ARM-Architektur würde sich sicherlich positiv auf dessen Akkulaufzeit auswirken.

Intel liefert Einblicke

© Intel

Apple setzt bei allen Mac-Rechnern weiterhin auf die Prozessoren von Intel. Ein Blick in Intels nicht ganz so geheime Roadmap liefert damit stets Einsichten in die Mac-Pläne aus Cupertino. Derzeit aktuell ist Intels Haswell-Technologie, die Apple in allen Macs einsetzt. Der Nachfolger von Haswell fungiert unter dem Code-Namen „Broadwell“. Broadwell sollte eigentlich schon Ende 2014 auf den Markt kommen doch Intel musste die breite Einführung der Chips verschieben. Lediglich die bereits erhältlichen Core-M-CPUs basieren auf Broadwell, sind aber für den Einsatz in Tablets und Smartphones konzipiert. Daher werden erste Macs mit Broadwell-CPUs sicher nicht vor dem Sommer 2015 auf den Markt kommen.

Ein weiterer Punkt spricht gegen ARM-CPUs in Macs: Sämtliche Programme für OS X wären inkompatibel. Zwar könnte Apple OS X und seine Programme wie iLife, iWork und die Profi-Programme Final Cut und Logic ziemlich schnell anpassen, aber alle anderen Programme würden nur laufen, wenn die Entwickler sie auf die neue CPU hin anpassen – und das braucht Zeit.

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte Intels CPU Core M sein, die der Hersteller bereits Ende 2014 vorgestellt hat. Core M basiert bereits auf der Broadwell-Architektur, liefert aber nicht die Leistung einer Notebook- oder Desktop-CPU. Stattdessen setzt Intel bei diesen Chips auf extrem niedrige Wärmeentwicklung, was sie für den Einsatz in lüfterlosen Tablets oder Smartphones empfiehlt. Ein kleines Macbook Air mit Core M Chip wäre durchaus denkbar. Erstmals könnte Apple hier vollständig auf Lüfter verzichten und die Akkulaufzeit würde sich zudem verlängern. Dazu passen auch die Spekulationen um ein neues 12-Zoll-Macbook , das unter Verzicht auf Schnittstellen und Ränder kompakter werden könnte als das derzeitige Macbook Air mit 12,5-Zoll-Bildschirm.

Unsere Prognose: Auch 2015 bleibt Intel Apples CPU-Lieferant Nummer Eins – zumindest für die Macs. Mitte des Jahres, etwa zur Zeit der WWDC dürfen wir mit neuen Modellen von Macbook Air und Macbook Pro Retina rechnen. Hier wird erstmals die Broadwell-Architektur zum Einsatz kommen. Eventuell sehen wir ein extrem sparsames und lüfterloses Macbook Air mit Core-M-CPU.

Mac Mini

Nachdem Apple den Mac Mini erst Ende 2014 auf den aktuellen Stand der Technik gebracht hat, dürfte er in diesem Jahr keine größeren Verbesserungen erfahren. Die Haswell-Chips sind flott und die integrierte Chipsatz-Grafik Intel Iris liefert ausreichend Leistung, um den Mac Mini noch eine ganze Zeit lang als Büro- oder Heimrechner für Schüler und Studenten einzusetzen.

Das bringt Broadwell

© Intel

Die Integration Intels aktueller CPU-Architektur „Haswell“ hat Apple Mitte 2013 begonnen und Ende 2014 beendet. Mit dem aktuellen Mac Mini, der Ende 2014 auf den Markt kam, ist die Umstellung auf Haswell nun komplett abgeschlossen. Da kann in diesem Jahr die nächste CPU-Stufe folgen

Broadwell ist eine Weiterentwicklung von „Haswell“. Die wesentliche Veränderung wird der neue Fertigungsprozess mit 14 Nanometer Strukturbreite sein. Haswell wird in 22 Nanometer gefertigt. Dadurch werden die Chips kleiner, brauchen weniger Strom und bleiben kühler.

Höherer Takt oder weniger Verbrauch

Als Folge davon könnte Intel entweder die Taktfrequenzen weiter erhöhen (die 4-GHz-Schranke dürfte fallen), mehr Funktionen auf dem Chip unterbringen oder den Stromverbrauch weiter senken. Letzteres hat Intel mit den Core-M-CPUs schon durchgeführt. Diese basieren auf Broadwell und benötigen keinen Lüfter mehr. Sie eignen sich daher für den Einsatz in Tablets oder Smartphones. Viel Anklang haben die Core-M-Chips aber noch nicht gefunden, daher wird Intel 2015 die Broadwell Chips auch für die klassischen Bereiche Notebooks und Desktop-Rechner anbieten. 

Allerdings hat Apple die spezielle Server-Version mit zwei Festplatten und Vierkern-CPU kommentarlos abgeschafft. Das hat Unmut bei einigen Interessenten hervorgerufen. Eventuell wird sich Apple dem Kundendruck beugen und die Server-Variante wieder auflegen. Platz für zwei Festplatten gibt es allerdings nicht mehr, weil der optionale SSD-Speicher nun nicht mehr als separates SATA-Laufwerk, sondern als PCI-Express-Modul angebunden ist. Dieses belegt den Platz für eine zweite Festplatte. Der Server müsste sich also mit einem Fusion-Drive begnügen. Für den magnetischen Teil könnte Apple aber eine Festplatte mit zwei Terabyte Kapazität anbieten. Zusammen mit bis zu einem Terabyte SSD-Speicher wäre dieser Mac Mini einem Workgroup-Server sicher würdig.

Auch eine Vierkern-CPU wäre im Mac Mini Server wieder denkbar. Apple könnte den Chip einsetzen, der derzeit bei den 15-Zoll-Macbook-Pro-Modellen mit Retina-Display verwendet wird. Die Taktfrequenzen dürften sich zwischen 2,2 und 2,4 Gigahertz bewegen. Leistungsmäßig würde sich so ein Mac Mini sogar schon in Richtung Mac Pro begeben (außer bei der Grafikleistung). Das könnte auch der Grund sein, warum Apple den Server-Mac-Mini nicht mehr anbietet: Man fürchtet Kannibalisierungseffekte beim Mac Pro.

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iMac: 21,5-Zoll mit Retina-Display

Der Retina-iMac ist seit Ende 2014 Realität und Apple hat mit dem 27-Zoll-Modell und seinem 5K-Display die Erwartungen sogar übertroffen. Aber: Mit einem Preis von 2500 Euro lockt dieser iMac kaum das Interesse von Einsteigern, es fehlt ein kleineres Retina-Modell mit 20- oder 21,5 Zoll-Display.

Hier müsste Apple auch kein technisch aufwendiges 5K-Panel einbauen, ein handelsübliches 4K-Panel (mit 3840 mal 2160 Pixel) würde reichen, um als Retina-Display durchzugehen. Die Pixeldichte würde hier um die 200 ppi betragen. Im Herbst 2015 könnte ein solcher iMac das Licht der Welt erblicken. Dabei bietet es sich für Apple an, gleich die gesamte iMac-Palette auf die neue Broadwell-Architektur von Intel zu umzubauen. Schnellere und sparsamere Modelle wären die Folge.

Mac Pro mit 18 Kernen

Den aktuellen Mac Pro hat Apple Ende 2013 auf den Markt gebracht, auch wenn die Modelle erst Anfang 2014 wirklich verfügbar waren. Über ein Jahr lang ist der Mac Pro nun unverändert auf dem Markt erhältlich. In diesem Jahr muss Apple jedoch größere Änderungen vornehmen, um den „schnellsten Mac aller Zeiten“ weiterhin auf diesem Top-Platz zu halten. Design und Materialien bleiben dabei sicher noch ein paar Jahre unverändert, aber an den inneren Werten muss Apple weiter schrauben.

Schnellere CPUs, mehr Flash-Speicher und bessere Grafikkarten werden dem Mac Pro gegen Herbst 2015 auf die Sprünge helfen. Denkbar wäre auch der erste 18-Kerner. Intel will im Laufe dieses Jahres den Xeon E5-2600 v4 herausbringen, der auf der Broadwell-Architektur (14 Nanometer-Prozess) basieren wird. Die Folge wären entweder höhere Taktfrequenzen bei vier, sechs oder acht Kernen oder eben ein Modell mit 14, 16 oder gar 18 Kernen. Es wird spannend sein zu sehen, wofür sich Apple entscheiden wird. Unsere Tests der aktuellen Mac-Pro-Modelle haben gezeigt, dass das 12-Kern-Modell nur bei ganz bestimmten Nischenanwendungen punkten kann.

Fazit

In diesem Jahr wird Apple wieder interessante neue Macs herausbringen. Besonders spannend wird die Umstellung auf neue Intel-Prozessoren der Broadwell-Architektur sein. Davon betroffen sind vor allem die mobilen Macs und die iMacs. Aber auch der Mac Pro dürfte eine Auffrischung erfahren.

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