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Apple-Anleihe heiß begehrt

02.05.2013 | 09:16 Uhr |

Sein Name ist Bond, Apple Bond: Der Mac-Hersteller hat Anleihen im Nennwert von 17 Milliarden US-Dollar ausgegeben, um sie an Anleger als Dividenden auszuschütten und das eingenommene Kapital für Aktienrückkäufe einzusetzen.

Bei von Apple genannten Barreserven in Höhe von fast 150 Milliarden US-Dollar scheint auf den ersten Blick die Aufnahme neuer Schulden zur Befriedigung der Bedürfnisse von Anlegern wenig sinnvoll, doch ist die Ausgabe langfristiger Anleihen zur kurzfristigen Verbesserung der Liquidität alles andere als unüblich. Apple hat zum Beispiel nur einen kleinen Teil seiner Barreserven vor Ort in den USA flüssig, rund 100 Milliarden US-Dollar sind im Ausland geparkt oder angelegt. Würde Apple diese Gelder "nach Hause" holen, wären hohe Steuerzahlungen fällig. Verhandlungen von US-Unternehmen mit der Regierung um die Reduzierung der Steuerlast im Falle der Repatriierung aus dem letzten Spätherbst haben noch nicht zu einer den Unternehmen genehmen neuen Gesetzen geführt. Fragen und Antworten um die am Kapitalmarkt begehrten Apple-Anleihen haben unsere Kollegen der Macworld UK zusammengestellt, wir geben hier die wichtigsten wieder:

Zinsen : In der aktuellen Finanzkrise sind die Zinsen weiterhin auf historischen Tiefstständen, Geld auf dem Kapitalmarkt zu leihen könnte daher günstiger kommen, als das Festgeldkonto zu plündern. Die Apple-Anleihen haben unterschiedliche Laufzeiten und daraus folgend unterschiedliche Verzinsungen. Für drei Jahre zahlt Apple 0,5 Prozent, für fünf Jahre 1,1 Prozent, für zehn Jahre 2,4 Prozent, für 30 Jahre 3,8 Prozent.

Einstufung: Ratingagenturen wie Standard & Poors oder Moodys haben Apples Anleihen mit AAplus bewertet, eine Stufe unter der Bestnote AAA (Triple-A). Flapsig ausgedrückt: Wer sein Geld in Apple-Anleihen steckt, hat deutlich höhere Chancen, es verzinst wieder zu bekommen, als wenn er auf griechische oder zyprische Anleihen setzt. Deutsche Staatsanleihen sind mit Triple-A jedoch noch ein wenig vertrauenswürdiger. Warum sich die Ratingagentur nicht zur Höchstnote hat bewegen lassen, liegt laut unserer Kollegen daran, dass Apple in einem höchst wechselhaften Markt agiere. Apple müsse zudem in den nächsten fünf bis sechs Jahren bis zu 50 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt erlösen, um die Aktionäre bei Laune zu halten. Höchstnoten haben hingegen die von Firmen wie Exxon Mobile und Microsoft ausgegebenen Anleihen erhalten.


Risiko für Anleger : Klingt nach einem guten Sparstrumpf, so ein Apple-Bond. Muss aber nicht sein, warnen etwa das Wall Street Journal und Market Watch. Bei der derzeitigen Niedrigzinspolitik der US-Notenbank (an die sich die EZB anschließt) rechne sich die Investition. Sollte sich der Leitzins aber während der Laufzeit der Anleihen deutlich erhöhen, werde die Apple-Anleihe womöglich zu einem schlechten Geschäft. Selbst dann, wenn das "nächste große Ding" wie eine iWatch Umsatz und Gewinn des Mac-Herstellers weiter steigern sollte.

Wer kauft Apple-Bonds und warum: Die Anleihen haben sich bisher als attraktiv erwiesen - in einer Weise, die an neue iPhones oder iPads erinnert, die Nachfrage übersteigt das Angebot um etwa das Dreifache, bis zu 50 Milliarden waren laut Reuters die Orders wert. Besonders an Sicherheit interessierte Investoren wie Rentenkassen kaufen Apple-Anleihen.

Einzigartig, oder? Nein, nicht wirklich. Wie erwähnt, geben auch andere Firmen Anleihen aus, kürzlich erst Microsoft. Bei Apples Emission handelt es sich jedoch um die höchste eines Unternehmens, das nicht im Bankensektor aktiv ist. Apple selbst hat schon vor zwanzig Jahren Anleihen ausgegeben.

Was macht der Aktienkurs? Der hatte sich schon in den letzten Tagen erholt, spätestens seit Veröffentlichung der Bilanz für das März-Quartal orientiert sich AAPL wieder nach oben. Was einige Kollegen der Medien gerne übersehen: Der historische Höchstwert von 702 US-Dollar aus dem Herbst 2012 fiel bereits in die Amtszeit von Tim Cook. Die Aussage "AAPL seit Steve Jobs' Tod auf Talfahrt" entbehrt nicht nur jeder Logik, sondern widerspricht auch den Fakten. Zu Lebzeiten von Steve Jobs hielt Apple zwar nichts von Dividenden und Aktienrückkäufen, doch waren die Barreserven erst seit etwa 2010 in einem Maße gestiegen, die derartige Programme nahe legten. Am Mittwoch schloss die Apple-Aktie an der Nasdaq mit knapp unter 440 US-Dollar, vor etwa zwei Wochen war mit einem Kurs unter 400 US-Dollar das letzte lokale Minimum erreicht.

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