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Cook: Apple geht bei Verbesserung der Arbeitsbedingungen voran

15.02.2012 | 07:33 Uhr |

Apple-CEO Tim Cook hat auf der von der Investmentbank Goldman Sachs ausgerichteten Konferenz Technologie und Internet bekräftigt, dass Apple mehr für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in seiner Zuliefererkette unternehme als jedes andere Unternehmen in der Elektronikbranche

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Zuletzt hatte die New York Times Apple vorgeworfen, am Schicksal der Arbeiter, die seine Produkte zusammensetzen, wenig interessiert zu sein. In einer E-Mail an Mitarbeiter hatte Tim Cook widersprochen, am Montag hatte Apple bekannt gegeben, die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfabriken von Foxconn, Pegatron und Quanta von der unabhängigen Fair Labor Association (FLA) untersuchen zu lassen.

"Niemand in unserer Industrie unternimmt mehr zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen als Apple," erklärte Cook gestern auf der Konferenz. "Wie untersuchen permanent die Fabriken und gehen dabei tief in die Zuliefererkette rein. suchen Probleme, finden Probleme und lösen Probleme. Und wir legen alle Ergebnisse offen, da wir glauben, dass Transparenz in diesem Bereich sehr wichtig ist." Die Teams, die sich um die Überprüfung der Zulieferer kümmerten, würden sich auf die schwierigsten Probleme konzentrieren und so lange vor Ort bleiben, bis sie gelöst seien. Apple könnte der Industrie damit ein Vorbild geben, meint Cook, der seine eigene Erfahrung in einer Papierfabrik in Alabama und einem Aluminium verarbeitenden Betrieb in Virginia herausstellt. "Apple nimmt Arbeitsbedingungen sehr Ernst und das schon über einen langen Zeitraum," fasst Cook zusammen. Jeder Arbeiter in der Zuliefererkette soll laut Apple das Recht auf einen fairen und sicheren Arbeitsplatz haben, anständige Löhne für seine Arbeit beziehen und frei seine Meinung äußern. Zulieferer müssten diesen Bedingungen zustimmen, bevor sie für Apple tätig werden. Diese Standards über die gesamte Lieferkette aufrecht zu erhalten und zu überprüfen sei aber eine komplexe Angelegenheit, räumt Cook ein.

Wie Apple in seinem Supplier Responsibility Report im Januar beschrieben hat, ist besonders die Beschäftigung Minderjähriger ein Dorn im Auge des Konzerns. Heuere ein Zulieferer absichtlich Jugendliche und Kinder an, sei das ein Kündigungsgrund. Auch in Sachen Arbeitssicherheit will Apple keine Kompromisse machen. Fehle ein Feuerlöscher in der Kantine, werde die Fabrik Apples Prüfung so lange nicht bestehen, bis er ersetzt sei. Bei den Arbeitszeiten habe Apple Fortschritte gemacht, bei 60 Wochenstunden müsse Schluss sein. 84 Prozent der bisher überprüften Betriebe haben diese Schranke auch beachtet, "Signifikant mehr als in der Vergangenheit, aber da müssen wir besser werden." Fortbildung sei ebenso ein Thema, 60.000 Arbeiter hätten bereits Englisch- und Betriebswirtschaftskurse belegt. Über Fortschritte will Apple monatlich auf seiner Website berichten.

Die bei der FLA in Auftrag gegebene Überprüfung der Fabriken in China ist laut Cook "die wahrscheinlich gründlichste in der Geschichte der Massenfertigung", auf die Ergebnisse sei man gespannt.

"Wir wissen, dass die Leute an Apple einen hohen Anspruch stellen. Wir haben sogar eine noch höhere Erwartung an uns selbst. Unsere Kunden erwarten, dass wir anführen und das werden wir auch weiter tun." Apple sei mit den talentiertesten Mitarbeitern "gesegnet", für die Zuliefererkette wolle man die gleiche Verantwortung wie bei der Produktentwicklung walten lassen.

Wachstumspotential im mobilen Bereich

Tim Cook hat sich zudem auch zum aktuellen Geschäft Apples geäußert: Unter dem Gelächter de Publikums nannte Tim Cook die Verkaufszahl von 37 Millionen iPhones im ersten Quartal für "bescheiden", konkretisierte aber, dass Apple bei den Smartphones einen Anteil von 27 Prozent halte und im gesamten Markt "nur" neun Prozent. Es sei also noch Raum für Wachstum, die gesamte Industrie sei "atemberaubend". Das iPhone habe Apple zudem dabei geholfen, bei mehr Leuten bekannt zu werden und mit Kunden in Kontakt zu treten, die für Apple zuvor kein Auge hatten.

Das iPad mache trotz der zunehmenden Konkurrenz keine Sorge, der Preis sei nicht der wichtigste Aspekt. Wer eines der billigen Tablets erstehe, freue sich zwar an der Kasse, zu Hause sei die Freude meist schnell verflogen. Der Kannibalisierungseffekt des iPad auf den Mac sei auch nicht so groß, wobei Apple lieber sich selbst auffresse als das einen anderen zuzugestehen. "Wir halten keines unserer Teams auf, wenn sie das absolut größte Produkt entwickeln, das unsere Verkäufe in anderen bereichen behindern könnte."

Das Apple TV bleibe trotz der zuletzt anständigen Verkaufszahlen ein "Hobby", Cook erklärte die Sprachregelung mit den Erwartungen der Aktionäre. Diesen wolle man damit klar machen, dass die Größe des Marktes nicht vergleichbar mit Apples anderen Geschäftsfeldern sei. Man glaube aber nach wie vor daran, aus diesem Markt etwas herausholen zu können. Das Wort Dividende nahm Cook nicht in den Mund und relativierte die auf 97,6 Milliarden US-Dollar bilanzierten Barreserven. Tatsächlich habe man Milliarden in die Zuliefererkette gesteckt und weitere Milliarden für die Übernahme von Firmen und Patenten investiert. Die Barreserven - kurzfistig flüssig hätte Apple laut seiner letzten Bilanz nur knapp über zehn Milliarden US-Dollar - seien aber Gegenstand "aktiver Diskussionen" darüber, wie man sie zum Wohl der Aktionäre einsetzen könne.

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