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Apple: Dreifach-Strategie für Notebooks

25.03.1999 | 00:00 Uhr |

Apple nimmt drei Absatzmärkte für Notebooks ins Visier, wie Steve, Jobs, Interims-CEO (iCEO) des Mac-Herstellers, den Aktionären des Unternehmens auf der gestrigen Jahreshauptversammlung mitteilte.

Jobs' Ankündigung, "möglicherweise gibt es drei Märkte für portable Computer" steht im Gegensatz zur früheren Strategie Apples, sich darauf zu konzentrieren, den High-End und den Consumer-Markt zu bedienen.

Die augenblicklichen Pläne des Unternehmens würden auf Kunden abzielen, die Jobs "digital road warriors" (="digitale Straßenkämpfer") nannte - damit sind Anwender gemeint, die das Powerbook auch außerhalb des Büros beruflich nutzen und dann nicht auf CD-ROM, DVD und 14-Zoll-Monitore verzichten möchten.

Ohne weitere Einzelheiten zu nennen, erwähnte Jobs, daß Apple auch eine kostengünstige, Version dieser Notebooks für Einsteiger plane. Für ein drittes Produkt das auf die Bedürfnisse von Angestellten abgestimmt sein, die sich von unterwegs lediglich ihre E-Mails abholen wollten, bestünden weitere Marktchancen, so Jobs.

Ein Produkt in der Tradition des Newton sei jedoch mangels Nachfrage nicht geplant. "Für unser augenblickliches Geschäft ist ein solches Produkt nicht relevant. Wir haben uns dazu entschieden, nicht in diesen Markt einzusteigen," so Jobs auf Nachfrage von Aktionären.
Stattdessen wolle Apple mit 3Com kooperieren und Teile der Palm-Technologie lizensieren, nachdem der Kauf der Palm-Division im letzten Jahr gescheitert war.

Gut gelaunte Aktionäre

Waren die letzten Versammlungen noch vom Groll der Aktionäre über die negative Entwicklung der Firma geprägt, sah sich Steve Jobs aufgrund der jüngsten Erfolge am Mittwoch einem wohlwollenden Publikum gegenüber.
Von Aktionären aufgefordert, darüber nachzudenken, das "Interims-" aus seinem Titel zu streichen, stellte der iCEO jedoch klar, daß er sich mit diesem Thema momentan nicht beschäftige.

Zu Apples Marktchancen bestätigte Jobs erneut, den Fokus weiterhin auf die Märkte in Bildung, Design und Publish zu setzten. Der Versuch, Microsoft, von der Marktführerposition im Unternehmensbereich zu verdrängen, erfordere nach Jobs Worten "eine enorme Kraftanstrengung ohne eine große Aussicht auf kurzfristigen Erfolg." Daher wolle sich Apple weiterhin auf kleinere Märkte konzentrieren.

Erneut in den Aufsichtsrat wählten die Aktionäre William Campbell, Präsident und CEO von Intuit; Gareth Chang, Vizepräsident für Marketing bei Hughes Electronics und Jerome York, früherer Finanzchef bei IBM und Chrysler. Zudem willigten die Aktionäre ein, in Zukunft alle Mitglieder des Aufsichtsrates jährlich zu wählen.

Die gestrige Versammlung gab Jobs die Gelegenheit, für Mac OS X Server und die bunten iMacs zu werben. Seit einer Woche verfügbar, sei das Server-Betriebssystem auf "überwältigende" Reaktionen der Öffentlichkeit gestoßen. Mehr als 16.000 Entwickler hätten sich mittlerweile bei Apple registrieren lassen, um Zugriff auf die freigegebenen Teile des Quell-Codes zu erhalten. Zudem hebe die Zahl von Downloads von Software für Mac-OS X Server 100.000 überschritten.
Zum Thema iMac mußte Jobs jedoch zugeben, daß die Farbe bei der Kaufentscheidung eine geringere Rolle spiele als vermutet.

Ebenso mußte der iCEO eingestehen, daß Apple eine schlechte Note für den Hard- und Softwaresupport verdiene. Die Mitarbeiter seien sich des Problems jedoch bewußt und arbeiteten daran, es abzustellen.

Lisa M. Bowman (für macneews.com) / pm

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