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Apple veröffentlicht Unterstützerbriefe

08.03.2016 | 11:22 Uhr |

Apple bekommt im Streit gegen das FBI nicht nur Unterstützung aus der Industrie, sondern auch von Bürgerrechtlern.

Mehrere Bürgerrechtsorganisationen in den USA springen Apple bei und senden an das Gericht, das am 22. März über Apples Einspruch verhandeln muss, ihre Argumente in mehreren Unterstützerbriefen ("Amicus Brief"). Mit dabei sind unter anderem die American Civil Liberties Union (ACLU), Access Now und die Wickr Foundation.

Lesen Sie hier alles über die komplette Entwicklung des Falls Apple vs. FBI

Die Argumente sind bekannt: ACLU und die anderen fürchten, dass der Fall eine Präzedenz dafür schaffen würde, private Unternehmen als verlängerten Arm der Behörden zu nutzen. Dies würde die Bürgerrechte untergraben.

Auf seiner Website hat Apple die Unterstützerbriefe gesammelt , darunter findet sich auch eine Schreiben eines Ehemanns eines der beim Attentat im Dezember verletzten Opfers.  Als erste Bürgerrechtsorganisation hatte sich die Electronic Frontier Foundation (EFF) bereits am 16. Februar zu Wort gemeldet, und der Regierung vorgeworfen, von Apple einen Generalschlüssel zu fordern.

Auch Unternehmen wie Microsoft, Facebook und Google haben Apple ihre Unterstützung bekunde t, wenn auch nicht in Form juristischer Dokumente. Während sich Silicon Valley überwiegend auf Seiten Apples schlägt, kommt aus der Politik aber auch Gegenwind. Vor allem Vertreter der Republikanischen Partei schlagen sich mehr oder minder deutlich auf Seiten des FBI, Politiker der Demokraten unterstützen eher Apples Argumente.

Ein weiterer Unterstützer , der in einem Amicus Brief an das zuständige Gericht seine Argumente dargelegt, warum das FBI seine Forderung nach einer Umgehung der Sicherheitsmechanismen zurückziehen sollte, ist der Anbieter von E-Mail-Verschlüsselung Lavabit. Ein unsicheres iOS würde die Glaubwürdigkeit der Marke Apple massiv schädigen, auch andere betroffene Firmen würden sich daher überlegen, sich außerhalb der USA anzusiedeln. Lavabit war selbst vor drei Jahren den "außerordentlichen Forderungen" des FBI ausgesetzt und hatte in deren Folge seinen Dienst im August 2013 geschlossen.

Am 16. Februar hatte ein Gericht Apple dazu verurteilt, dem FBI bei der Entschlüsselung des iPhone 5C des Attentäters von San Bernardino Sayed Farook zu helfen, effektiv fordert die Behörde eine Hintertür in iOS, die sich auch in anderen Fällen nutzen ließe. Apple sieht daher die Sicherheit von Millionen von iPhones in Gefahr, da auch Kriminelle oder repressive Regimes die Technik nutzen könnten, um an vertrauliche Daten zu gelangen. Apple hat gegen die Entscheidung, die auf dem Gesetz All Writs Act von 1789 basiert, Berufung eingelegt und argumentiert unter anderem mit aus der US-Verfassung abgeleiteten Rechten. Demnach sei auch Software und insbesondere ihre Verschlüsselung von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Das FBI hätte aber auch ohne Mitwirken Apples an Backupdaten des iPhones gelangen können, beging aber einen entscheidenden Fehler, in dem es den Arbeitgeber des Attentäters das iCloud-Passwort ändern ließ. Dadurch war die Chance auf weitere automatische Backups vertan, in einer Anhörung des Rechtsausschusses des US-Kongresses räumte FBI-Chef James Comey diesen Fehler auch ein.

Vollmundig verkündet hat der Softwareentwickler John McAfee jedoch, er und sein Team könnten das betroffene iPhone innerhalb einer halben Stunde knacken . McAfees Behauptungen halten jedoch keiner realistischen Überprüfung stand. Gleichwohl betont der Präsidentschaftskandidat der Libertären Partei, die Forderung des FBI nach einem Generalschlüssel sei überzogen und gefährlich.

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