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Apple-Führung will Jobs dauerhaft als CEO

19.01.1998 | 00:00 Uhr |

Die Nachricht, daß Apple im vergangenen Quartal erstmals seit Mitte 1996 wieder mit Gewinn gearbeitet hat und einen Profit von 47 Millionen Dollar erwirtschaftete, ist nach Ansicht von Aufsichtsratsmitgliedern und Mitarbeitern des Mac-Herstellers Beweis genug, daß der Interims-Vorstandsvorsitzende Steve Jobs dauerhaft an der Spitze des Konzerns bleiben muß.

In Interviews und auf Pressekonferenzen während der Computermesse Macworld Expo in San Francisco (6. bis 9. Januar) teilten Firmenoffizielle mit, daß sie versucht hätten, Jobs als Chief Executive Officer (CEO) des Konzerns zu halten. "Wir haben den besten CEO der Welt bei Apple", sagte Larry Ellison, Mitglied des Apple-Aufsichtsrats. "Steve ist der richtige Mann, um Apple zu leiten", so Ellison, der zugleich Aufsichtsrats- und Vorstandschef des Datenbankherstellers Oracle ist.

Jobs, der Apple zusammen mit Steve Wozniak gründete, mußte den Mac-Hersteller 1985 verlassen und gründete daraufhin die Firma Next. Nachdem Apple im Dezember 1996 Next für rund 400 Millionen Dollar gekauft hatte, kehrte Jobs als Berater des damaligen Vorstandschefs Gi l Amelio zu Apple zurück. Nach dem Rauswurf von Amelio im Juli 1997 übernahm Jobs zunächst inoffiziell die Konzernleitung, bevor er im September offiziell Interims-CEO wurde. Der charismatische Firmengründer erklärte damals, er wolle helfen, das finanziell angeschlagene Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zurückzuführen und einen neuen Vorstandschef zu suchen, bekräftigte aber wiederholt, daß er für diesen Posten voraussichtlich nicht zur Verfügung stehen werde.

Larry Ellison teilte mit, die Mitglieder des Aufsichtsrats hätten versucht , Jobs umzustimmen. "Wir haben alles versucht", so Ellison.

In den vergangenen beiden Wochen hatten mehrere Topmanager bei Apple durchblicken lassen, daß auch sie Jobs gerne auf die Dauer halten würden und daß es mittlerweile schwierig geworden sei, eine andere Lösung zu finden. Einen neuen CEO zu finden ist "nicht so einfach, wie wir es uns im Juli und August vergangenen Jahres vorgestellt hatten", erklärte Finanzvorstand Fred Anderson nach Jobs' Eröffnungsrede zur Macworld Expo in der vorvergangenen Woche. Er glaube aber nicht, so Anderson weiter, daß ein neuer CEO, wenn er gefunden sei, die von Jobs initiierten Strategien zur finanziellen Gesundung des Unternehmens (im wesentlichen Kostensenkung und Beendigung der Lizenzierung des Mac-Betriebssystems an andere Computerhersteller) ändern werde und könne. "Eine Sache braucht Apple auf keinen Fall: eine weitere 180-Grad-Kehrtwendung in der Strategie", so Andersons Einschätzung. "Ein Strategiewechsel ist unnötig!"

Larry Ellison, der Jobs seinen besten Freund nennt, erklärte, der Aufsichtsrat habe einen Topmanager von Hewlett-Packard (HP) als CEO-Kandidaten ins Auge gefaßt, nannte aber keine weiteren Details. Obwohl dieser HP-Manager ein "Erste-Klasse-CEO" sei, bestünde noch ein Unterschied zwischen einem Erste-Klasse-CEO und Steve Jobs, so Ellison. "Steve Jobs ist besser."

In einer Telefonkonferenz nach Bekanntgabe der endgültigen Quartalsergebnisse am Mittwoch vergangener Woche sagte Finanzchef Anderson zwar, daß Apple die CEO-Suche fortsetzen werde. Doch kommt es möglicherweise zu einer ganz anderen Lösung. Zwei Alternativen zeichnen sich ab, und beide sind durchaus denkbar.

Alternative eins: Jobs entschließt sich doch noch dazu, den CEO-Posten für einen längeren Zeitraum zu bekleiden, bis Apple dauerhaft über den Berg ist, und begnügt sich anschließend mit dem Vorsitz des Aufsichtsrats (Chairman), um sich dann wieder mehr seiner Firma Pixar widmen zu können.

Die zweite Alternative: Jobs wird jetzt schon offiziell Aufsichtsratsvorsitzender, während Finanzvorstand Fred Anderson zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wird. Diese Lösung hätte mehrere Vorzüge. Jobs wäre weiterhin der starke Mann bei Apple, der die grundlegenden strategischen Entscheidungen fällt, was er will, wie Apples Deutschlandchef Peter Dewald am Donnerstag gegenüber Macwelt erklärte. Anderson wiederum wäre als CEO für die Umsetzung der Strategien und das Tagesgeschäft verantwortlich, Aufgaben, die der Finanzchef bereits in den vergangenen Monaten sehr erfolgreich durchführte. So könnte das Topmanagement auch ausschließen, daß es - durch einen von außen kommenden CEO - zu grundlegenden Änderungen in der strategischen Ausrichtung der Firma kommt. Dewald hält diese Alternative durchaus für denkbar. Jedoch hat Anderson sich bislang noch nicht geäußert, ob er an dem CEO-Posten Interesse hat, was verständlich ist, da sich Jobs offenkundig noch nicht entschieden hat.

Eine Entscheidung in Sachen CEO ist aus Apples Sicht nicht besonders dringlich. Das Unternehmen ist nicht führungslos, im Gegenteil: Es wird von starker Hand regiert - und das mit ersten Erfolgen, wie die jüngsten Quartalsergebnisse zeigen. Doch sitzt Apple Wall Street im Nacken. Anlagefirmen, Banken und Broker erwarten eine klare Personalentscheidung. Möglicherweise fällt sie im Vorfeld der Jahreshauptversammlung der Apple-Aktionäre am 3. Februar. ab

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