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Apple: Lieber nur ein iPhone-Mobilfunkpartner in Europa

18.01.2007 | 16:41 Uhr |

So sehr man Apple-Europachef Pascal Cagni mit Fragen zum neuen "Wunder-Handy" iPhone löchert - viel schlauer ist man danach nicht. Ob es stimmt, dass Apples erstes Handy beim Europa- Start Ende 2007 auch UMTS-fähig sein wird? Neun oder zehn Monate seien eine lange Zeit in der IT-Branche, sagt Cagni. "Im Moment sind wir, wo wir sind."

iPhone in Hand: Pressebild von Apple
Vergrößern iPhone in Hand: Pressebild von Apple

Also im GSM-Netz mit der Erweiterung EDGE, die maximal etwa ein Fünftel der Geschwindigkeit einer DSL-Leitung erreicht. Ob etwas an den Berichten dran ist, dass das iPhone- Schlüsselelement, der berührungsempfindliche Bildschirm, vom deutschen Zulieferer Balda hergestellt wird? "Wir machen keine Angaben zu unseren Zuliefern", hakt Cagni ab.

Immerhin deutet er an, dass Apple es vorziehen würde, das iPhone wie in den USA auch in Europa in Kooperation mit nur einem Mobilfunk- Anbieter auf den Markt zu bringen. Grund: Das erhöhe die Flexibilität zum Beispiel bei der Einführung neuer Dienste. "Wenn es aber nicht anders gehen sollte, werden wir auch mit mehreren Partnern arbeiten." Apple sei da nicht dogmatisch. Und die Frage, ob die Preise von 899 bzw. 999 Euro, zu denen die iPhones einige Tage lang bei Amazon.de zu bestellen waren, etwas über die tatsächlichen Beträge für Europa aussagen, quittiert er mit einem klaren "absolut nicht".

Nach dem bisher erfolgreichsten Apple-Quartal mit einem Milliardengewinn und 21 Millionen verkauften iPods kann sich auch Cagni über ein gutes Geschäft in Europa freuen. Die iPod-Marktanteile bei Musikplayern, traditionell eher niedrig im Vergleich zu den dominierenden 72 Prozent in den USA, seien in wichtigen europäischen Ländern um 10 bis 20 Prozentpunkte gewachsen. In Deutschland kam man in dem Quartal auf 25 Prozent, an manchen Tagen sei sogar jeder dritte verkaufte Musikplayer ein iPod gewesen, sagt Cagni. Für die erhebliche Differenz zum US-Marktanteil macht er unter anderem die Masse an Billigangeboten verantwortlich. Gerade bei kleinen Geräten mit Flash-Speicher sind sie zu finden und da will Cagni mit dem kleinsten iPod Shuffle kontern, von dem er in den kommenden Monaten viel erwartet.

Konkrete Termine für die ersten Apple Stores in Deutschland gibt es unterdessen weiterhin nicht. Bisher arbeitet Apple hier zu Lande mit deutschen Vertriebspartner zusammen.

So gut die Apple-Ergebnisse im vergangenen Quartal auch ausgefallen sind, im Mittelpunkt des Interesses steht wie schon in den vergangenen Tagen das iPhone. Selbst in der Telefonkonferenz mit Analysten war die erste Frage, ob Apple für die kommenden Monate einen Rückgang beim iPod-Absatz erwartet, weil die Käufer erstmal auf die iPhones warten. Es sei noch zu früh, um das einzuschätzen, sagte Finanzchef Peter Oppenheimer dazu. Man vertraue auf die Attraktivität des iPod-Angebots. "Der iPod-Absatz wird noch alle überraschen", gibt sich Cagni noch zuversichtlicher.

Nach der ersten Begeisterung über das Mobiltelefon kommen bei Marktbeobachtern unterdessen auch Zweifel an dem iPhone-Konzept auf. Unter anderem wird der Verzicht auf die UMTS-Unterstützung kritisiert. Dies untergrabe die so in den Vordergrund gestellte Internet-Funktionalität, wenn man nicht gerade in nähe eines schnellen WLAN-Hotspots sei. "Mit der Zeit werden wir da sein, wo die Technologie ist", sagte Oppenheimer in der Telefonkonferenz. Ansonsten mache man über Pläne traditionell keine Angaben.

Die aufsehenerregende Klage des Netzwerkspezialisten Cisco, der Rechte auf den Namen "iPhone" geltend machen will, tut Apple weiterhin mit dem knappen Kommentar ab, sie sei lächerlich und Ciscos Markenrechte "bestenfalls dünn". Auch andere nutzten ihn und zudem wolle Apple als erstes Unternehmen ein "iPhone"-Handy herausbringen. Im Internet tobt seit Tagen ein Streit unter Markenrechtsexperten darüber, ob Ciscos iPhone-Rechte nicht bereits verfallen seien, weil das Unternehmen lange keine Produkte unter dem Namen herausbrachte. Cisco selbst wies die Spekulationen kurz angebunden zurück. "Wir haben alle Anforderungen erfüllt, um unsere Markenrechte aufzuerhalten", hieß es im Firmenblog in fetter Schrift.

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