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Apple-Microsoft-Vertrag kurz vor dem Auslaufen

25.02.2002 | 16:53 Uhr |

Unter Buh-Rufen hatte Steve Jobs im August 1997 eine weit gehende Kooperation mit Microsoft angekündigt. Die Vereinbarungen laufen im Sommer aus, die Zukunft bleibt ungewiss.

München/Macwelt - Mittlerweile ist es fast fünf Jahre her, dass Apple-Boss Steve Jobs auf der Macworld Expo 1997 in Boston eine Kooperation mit dem Softwaregiganten Microsoft verkündete. Apples damaliger iCEO stellte die Kooperation als "längst nötigen Schub" für Apple dar, sie gestaltete sich bei näherem Hinsehen als komplexer. Der Software-Riese diskutierte damals recht heftig darüber, die Entwicklung des Office-Pakets für den Mac einzustellen. Apple steckte gerade in seiner tiefsten Krise und machte Milliardenverluste. Doch hatte der Mac-Hersteller noch einige Klagen wegen Verletzungen von Patenten gegen Bill Gates' Firma laufen. Im Tausch gegen einen zukunftsweisenden Deal rief Cupertino seine Anwäte zurück.
Microsoft verpflichtete sich, weiterhin seine Office-Produkte auch für die Macintosh-Plattform zu entwicklen und Apple packte im Gegenzug zu allen ausgelieferten Rechnern den Internet Explorer dazu. Zusätzlich zum Office-Explorer-Deal erwarb die Gates-Company Apple-Aktien im Wert von 150 Millionen US-Dollar.

Das Abkommen, das man für die Dauer von fünf Jahren getroffen hat, läuft im August aus. Unklar ist bis dato, ob beide Unternehmen die Zusammenarbeit weiterführen werden oder ob sich deren Wege zu diesem Zeitpunkt wieder trennen. Beide Parteien machten bis jetzt jedenfalls die Erneuerung des Abkommens nicht zum Thema. Tatsache ist aber, wie es Tim Deal, Analyst im Bereich Business Research, gegenüber dem Online-Nachrichtendienst ZDnet formuliert, dass Apple die Übereinkunft vor fünf Jahren mehr gebraucht hat als heute. Der Mac-Hersteller braucht aber Microsoft weiterhin, um seinen Marktanteil von unter fünf Prozent auch in Zukunft zu stabilisieren und auszubauen.

Zuletzt ging Apple jedoch zaghaft auf Konfrontationskurs. So sprach sich Steve Jobs gegen das Vergleichsangebot von Microsoft aus, dass amerikanische Schulen mit Millionen älterer PCs mit Windows als Betriebssystem überschwemmen sollte. Ebenso entschloss sich der Mac-Hersteller nach dem Aus von Excite, ein neues Informationsportal in Zusammenarbeit mit Netscape zu initiieren, das man ab diesem Zeitpunkt bei Apple als neue Standardstartseite für alle neuen Maschinen definierte. Netscape gehört zu Teilen dem Microsoft-Erzrivalen AOL Time Warner.

Weder Cupertino noch Redmond sehen aber ihre Zusammenarbeit als gefährdet an.
Bei Verantwortlichen von Apple und Microsoft heißt es immer wieder, das die Partnerschaft der beiden Unternehmen zwischen zeitlich so gestärkt ist, dass diese keine Erneuerung durch einen schriftlichen Vertrag bedarf. Der Manager der Macintosh Business Unit bei Microsoft Kevin Browne erklärt in einem Interview, das vertragliche Regelungen 1997 unumgänglich waren, wenn man das damalige Gegeneinander der beiden Firmen betrachtet. Das schriftliche Agreemnet hat diese Gegensätze aus der Welt geschafft. In der heutigen Zeit gibt es seiner Ansicht nach keine Situation, die neuer Verträge bedarf. Ebenso betont er, dass Microsoft aus vielen Gründen heraus sich auch weiterhin im Mac-Sektor engagieren wird. Das Geschäft in diesem Bereich sei profitabel und auch aus strategischen Gründen würde man bei Microsoft nicht über eine Beendigung der Zusammenarbeit nachdenken. Für den Softwarehersteller stellen die geschätzten 17 Millionen Mac-Nutzern ein großes Kundenpotential dar, da lediglich 3,5 Millionen von ihnen nach Angaben von Microsoft ein Office-Produkt benutzten.

Ähnlich sieht es auch Apples Vizepräsident Phil Schiller. Für ihn geht es nicht darum, Microsoft zum heutigen Zeitpunkt dazu zu verpflichten, auch in Zukunft Office-Produkte für den Mac anzubieten, sondern aus seiner Warte aus hat der Softwarehersteller seine Loyalität gegenüber der Apple-Plattform schon längst unter Beweis gestellt. So ist die Entwicklung von Office v. X für Schiller ein positives Signal in Richtung Mac von der Gates-Company. Außerdem seinen solche Verträge in diesem Bereich auch nicht üblich. Auch andere Entwickler, wie Adobe, Macromedia oder Quark entwickeln ihre Produkte nicht auf Vertragsbasis für den Mac.

Einige Analysten sehen aber weiterhin eher Mac-unfreundliche Strömungen innerhalb des Mircosoft-Konzerns, wenn man die 160 Angestellten der Mac- Business -Unit außen vor lässt. Michael Silver von Gartner stellt fest, dass für alle anderen Units des Software-Konzerns Mac-Produkte keine Rolle spielen. Zum Beispiel die Windows Digital Media Division, die den Mulitmedia-Player Windows Media Player und Multimedia-Funktionen für das neue Betriebssystem Windows XP entwickelt, sah es nicht für notwendig an, den Player zeitgleich mit der Fertigstellung zum kostenlosen Download freizugeben. Weit über die üblichen Marketingausreden hinaus sahen Analysten eher die Intention der verspäteten Veröffentlichung im gleichzeitigen Start des neuen Betriebssystems Windows XP, auf dem man sich bei Microsoft konzentrieren wollte. Auch die massiven Investitionen in den Webservice .Net gehen der Analystenmeinung zu Folge zurzeit absichtlich an der Mac-Plattform vorbei, um auch hier das eigene System XP nicht zu untergraben.

Apples Vize bleibt aber weiterhin hinsichtlich der Unterstützung Microsofts gegenüber dem Mac optimistisch und sieht die Probleme zwischen den Plattformen mit der Verwendung von offenen Standards, wie zum Beispiel MP3 und JPEG schwinden. Im Gegensatz dazu geht man in Redmond aber einen anderen Weg. So muss der Anwender von XP für die komplette Unterstützung von MP3s Extrakosten in Kauf nehmen. Für die Verwendung von JAVA muss er sich die entsprechende Virtual Machine erst aus dem Web holen. Ganz im Gegensatz zu der Unterstützung des Net-Standards von Microsoft, diese bekommt er standardgemäß mitgeliefert.

Aufgrund dieser Tendenzen würde es vile Analysten nicht weriter verwundern, wenn einige Zeit nach Ablauf des Vertrags Microsoft die Weiterentwicklung von Mac-Produkten verkümmern lässt oder gar einstellt. Solche Spekulationen haben - auch angesichts der kartellrechtlichen Situation - durchaus mit Schwarz-Malerei zu tun, die Entwicklungen sollten jedoch verantwortlichen bei Apple zu denken geben. mh

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