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Apple Music: Kosten, Funktionen, Künstler

06.09.2016 | 09:51 Uhr |

Apple ändert den Algorithmus beim Abgleich von Musikdateien in Apple Music, statt Metadaten kommt der akustische Fingerabdruck zum Einsatz.

Wer kein Telekom-Kunde ist, kann auf das Angebot des Mobilfunkanbieters nicht zugreifen, kann momentan aber Apple Music im Abo etwas vergünstigt erhalten. Paypal bietet seit gestern auf seiner Seite Paypal-Gifts ebenfalls den Streaming-Dienst von Apple an. Die erste Option ist für drei Monate zum normalen Preis von 29,97 Euro, das Jahres-Abo ist jedoch für 99 Euro zu haben. Dies ist 20,88 Euro weniger als der Normalpreis (119,88 Euro) für den Dienst direkt bei iTunes.

Die Kollegen der iFun haben ebenfalls ein interessantes Detail im Google Play Store entdeckt. Apple Music als App hat im Konkurrenz-Store offenbar die Marke von 10 Millionen Downloads geknackt. Die Wettbewerber-App Spotify hat allerdings bereits mehr als 100 Millionen Downloads, hier muss man hinzufügen, dass Spotify jedoch deutlich länger im Goolge Play Store zur Verfügung steht: Apple Music wurde Ende 2015 im Google Play Store veröffentlicht, Spotify ist seit mindestens 2013 dort verfügbar.

Geänderte Metadaten-Verwaltung für Apple Music

Apple ändert den Abgleich von Audiodateien der iCloud-Musik-Bibliothek, was vor allem Doppelabonnenten von iTunes Match und Apple Music entgegen kommen wird. Denn mit einem Abo des Streamingdienstes wird iTunes Match nun endgültig überflüssig. Auch für Apple Music synchronisierte Titel nutzt Apple fortan den von iTunes Match bekannten akustischen Fingerabdruck, die Ergebnisse werden also genauer. Bisher waren nur die Metadaten entscheidend, was teils zu unsinnigen Ergebnissen führte, da etwa Studioaufnahmen und Liveversion durcheinander gerieten. Weitere Neuerung: Lädt man via Apple Music einen Titel, den man gekauft hat, aus der iCloud auf ein anderes Gerät, ist dieser nun frei von DRM – und ließe sich somit von einem zweiten Mac aus mit einem iPod Nano oder iPod Shuffle synchronisieren und auf CD brennen. Wer also iTunes Match und Apple Music abonniert hat, kann nun die automatische Verlängerung von iTunes Match bedenkenlos ausschalten. Das geht, indem man im iTunes Store auf seinen Account klickt und dort die Option wählt, das Abo nicht mehr zu verlängern. Wer bisher nur iTunes Match oder Apple Music oder keines von beiden abonniert hat, für den ändert sich nichts.

Apple Music ersetzt nun iTunes Match vollständig, die 25 Euro im Jahr kann man sich also sparen.
Vergrößern Apple Music ersetzt nun iTunes Match vollständig, die 25 Euro im Jahr kann man sich also sparen.

Apple Music hat am 30. Juni 2015 seinen Betrieb aufgenommen, skeptisch beäugt. Würde Apple mit dem Streamingdienst die Umsatzeinbrüche bei den Kaufdownloads kompensieren können? Genügend Künstler überzeugen können, ihre Werke auch im Abo anzubieten? Und schlussendlich: Genügend zahlende Kunden überzeugen können? Ein Jahr später sind einige dieser Fragen beantwortet, aber viele nach wie vor offen. Immerhin ist es Apple gelungen, schon 15 Millionen zahlende Kunden zu gewinnen, das ist immerhin die Hälfte der Kundenzahl von Spotify. Wir blicken auf ein Jahr Apple Music zurück – und schauen auch nach vorne.

Die Konkurrenz begehrt auf

Acht Jahre Vorsprung im Streaming-Business sind nicht so leicht aufzuholen, doch stagnieren die Zahlen Spotifys bei etwa 100 Millionen Nutzern, davon 30 Millionen zahlende Kunden. Anscheinend werden die Schweden angesichts des raschen Wachstums von Apple Music nervös und bezichtigt nun Apple der Wettbewerbsbehinderung. Stein des Anstoßes: Apple hat eine neue Version der Spotify-App für iOS zurückgewiesen. In einem Brief an Abgeordnete des US-Kongresses beschwert sich Spotify, dass Apple seinen Freigabeprozess für den App Store, als "Waffe" einsetze, um "Konkurrenten zu schaden". Apple stellt sich hingegen auf den Standpunkt, die App verletze mit seinem Businessmodell die Regeln des App Store. Wer In-App-Verkäufe einsetze, müsse auch Apples Abrechnungssystem nutzen, das sei in der Spotify-App nicht der Fall. Spotify stört sich vor allem an der "Apple-Steuer", die das Abo verteuere, im App Store verlangt Spotify bisher 13 US-Dollar, über seine Website 10 US-Dollar im Monat. In der App hat Spotify In-App-Käufe abgestellt, was gegen die Richtlinien des App Stores verstößt

Gegen die Vorwürfe Spotify's wehrt sich Apples Rechtsvorstand Bruce Sewell mit klaren Worten. Wie Sewell gegenüber Buzzfeed erklärt, wolle der Konkurrent im Streaming-Business nun auf einmal Ausnahmen von Regeln, die für alle Entwickler schon lange gelten. Zum Start von Apple Music habe es keine neuen Regeln gegeben, als Spotify zum Konkurrenten Apples wurde.  Apple müsse nun die "Halbwahrheiten und Gerüchte", die über den Vorfall kursieren, wieder gerade rücken. Spotify konnte bisher von App Store auch eher profitieren, 160 Millionen Mal wurde die App des Dienstes aus dem Store geladen.

Dass Streamingangebote wie Apple Music, Spotify und Tidal nicht nur dem Verkauf von CDs schaden, sondern auch dem von Downloads, mag keiner bestreiten. Apple hat jedoch Berichte zurückgewiesen, nachdem man den Verkauf von Musikdownloads über iTunes einstellen möchte und stattdessen nur noch Apple Music im Abo anbiete. Die Quellen des Branchenblatts Digital Music News beharren aber auf ihrer Darstellung: Bei Apple gebe es ernsthafte Überlegungen, in einem Zeithorizont von zwei bis drei Jahren den Verkauf von Downloads einzustellen. Man wolle nicht den gleichen Niedergang wie bei den CDs erleben. Wie schnell der Plan umgesetzt werden könnte, hängt von der weiteren Entwicklung des Streamingangebots Apple Music ab. Einstweilen verbleibt auch der Store mit Kaufdownloads fester Bestandteil von iTunes respektive von iOS.

Interesse an Tidal - der nächste Schritt

Noch bevor Apple im Mai 2014 bekannt gegeben hatte, Beats für 3 Milliarden US-Dollar aufzukaufen, war der Rapper Dr. Dre in einem Video zu sehen, in dem er in einem Tonstudio herumalberte, er sei ja nun bald der reichste Rapper der Welt. Apple dürfte das zwar nicht gefallen haben, der Deal scheiterte dennoch nicht. Man darf gespannt sein, ob Dr. Dres Sangeskollege Jay Z bald ähnliche Andeutungen macht und sich zumindest als den zweitreichsten Rapper der Welt bezeichnet. Denn Apple will angeblich den Streamingdienst Tidal übernehmen, in den sich Jay Z erst vor einem guten Jahr mit 56 Millionen US-Dollar eingekauft hatte. Derzeit liefen in Cupertino geheime Verhandlungen über ein Akquise, deren Ausgang sei aber völlig offen und ein Deal nicht zwangsläufig, berichtet das Wall Street Journal . Seitdem Jay Z Tidal führt, konnte der Dienst etliche Album-Premieren feiern und etwa neue Werke von Beyoncé, Rihanna und Kanye West zunächst exklusiv anbieten. Auch der im April verstorbene Prince hatte sein Gesamtwerk nur bei Tidal im Stream angeboten, bei Apple Music wohl zu Testzwecken nur ein einziges Album. Nach einer Übernahme könnte Apple Music deutlich an Abonnenten zulegen, Tidal würde immerhin bis zu vier Millionen Nutzer einbringen. Weit interessanter für Apple dürften aber die Beziehungen Jay Zs zu Musikerkollegen sein, die exklusive Vereinbarungen ermöglichten.  So war Apple seinerzeit auch mehr an Beats' Personal und Beziehungen interessiert als an den Kopfhörern.

Der Analyst Gene Munster spekuliert nun über den Preis, den Apple für Tidal bezahlen müsste und legt ihn auf 500 Millionen US-Dollar fest. Zum Vergleich: Für Beats hatte Apple seinerzeit 3 Milliarden US-Dollar bezahlt. Eine Übernahme von Tidal könnte jedoch das Angebot von Apple Music massiv verändern, erklärt Stereophile.com . Nicht nur kämen Künstler hinzu, die bisher nichts oder nur wenig über Apple Music streamten ( Prince ), Tidal brächte wohl auch ein Angebot mit hochaufgelöster Musik zu einem höheren Preis ein. Unwahrscheinlich, das Tidal in einer unabhängigen Form weiter existieren würde.

Wer alles dabei ist - und wer nicht

Im November 2015 hatte sich die britische Sängerin Adele geweigert, ihr neues Album " 25 " per Streaming auf Apple Music oder Spotify anzubieten. Das hat sich am 24. Juni geändert, das Werk steht seither via Apple Music zur Verfügung. Aber auch Nutzer von Spotify und anderen Streamingdiensten können es sich im Rahmen ihres Abos anhören und zu ihren Favoriten hinzufügen. Adele hatte Streaming nicht grundsätzlich abgelehnt, ihre Werke "19" und "21" sind seit Anbeginn von Apple Music im Katalog enthalten. Etwas überraschend war der Verzicht auf das Streaming von "25" dann doch, schließlich hatte die britische Sängerin ihr Album auch in einem ausführlichen Interview auf Beats 1 beworben. Adele's Vorgehen könnte aber Schule machen und neue Alben erst Monate nach ihrem Release auf Schallplatte, CD und als Kaufdownload in das Streaming gehen. Dies widerspricht aber den Interessen Apples, das möglichst viel exklusives Material im Stream anbieten möchte.

Eine völlige Absage an Streams im Allgemeinen und Apple Music im Speziellen hat hingegen Neil Young in einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung erteilt. Seiner massiven Kritik sind aber auch einige Widersprüche enthalten. Wörtlich heißt es in dem Interview etwa: "Apple verlangt, dass ein Song, den sie bei iTunes anbieten, nur eine bestimmte maximale Länge haben darf. Ein Technologiekonzern will mir vorschreiben, wie meine Arbeit auszusehen hat? Die können mich mal." Einer der Songs auf dem neuen Album " Earth " ist 28 Minuten lang, zwischen den Songs des Live-Albums sind keine Pausen. Was Apple aber ebenfalls verbiete: "Deshalb wird die Platte weder bei iTunes noch bei vergleichbaren Diensten erscheinen."

Diese Regeln müssen aber völlig neu sein oder exklusiv für Neil Young gelten, auf die Schnelle lassen sich zwei Gegenbeispiele finden, auch wenn diese älteren Datums sind. So ist Mike Oldfields Ein-Stück-Album " Amarok " aus dem Jahr 1990 sehr wohl bei Apple Music im Stream zu hören, auch Marillions " Clutching At Straws " legt keine Zwangspausen zwischen den ineinander übergehenden Songs ein.

Neil Young ist zudem bei seiner Ablehnung von Apple Music nicht ganz konsequent: Zahlreiche Alben des Künstlers sind sowohl im iTunes Store zu kaufen als auch Stream zu beziehen, hier allerdings nur ein Bruchteil des Gesamtwerkes.

In Konkurrenz zu Apple ist Neil Young mit seinem Projekt Pono getreten, einem Musik-Player, der nicht auf MP3 und andere komprimierte Formate setzt, sondern auf High-End-Audio. Schon 2008 hatte Young Apple vorgeworfen, mit dem iPod und dem iTunes Store die Qualität von Musik zu zerstören.  Großer kommerzieller Erfolg ist dem Pono nicht beschieden.

Kayne West im Februar: "My album will never never never be on Apple. And it will never be for sale... You can only get it on Tidal."  Der Wind hat sich allerdings längst gedreht zu haben, das einstige "forever Tidal-Exclusive" Album " The Life of Pablo ", das "nie, nie, niemals auf Apple" erscheinen sollte, gibt es nun doch bei Apple Music und dazu auch in den Streaming-Angeboten von Google und Spotify. Kurz vor seinem überraschenden Tod im April hatte auch der Popstar Prince seinen Widerstand gegen Apple Music offensichtlich aufgegeben - oder den Dienst zumindest einmal ausprobiert. Sein 2015er-Album " Hit 'n Run Phase Two ", das es ursprünglich auch nur bei Tidal gab, ist seit März bei Apple Music verfügbar. Von den anderen 37 Studioalben des Ausnahmemusikers verliert sich jedoch kaum eine Spur bei Apple Music, auch nicht von "Hit 'n Rund Phase One". Im iTunes Store ist das Werk von Prince weitestgehend als Bezahldownload verfügbar.

Eine Art von Kehrtwende hatte die Country-Pop-Sängerin Taylor Swift bereits letzten Sommer zum Start von Apple Music vollzogen, sie hatte die dreimonatige Testphase, in der Musiker kein Geld hätten bekommen sollen, stark kritisiert und damit gedroht, ihr Hit-Album "1989" nicht im Streaming anzubieten. Dieses war aber dann aber doch von Anfang an prominent bei Apple Music platziert, im Dezember folgte der Konzertfilm von der 1989-Tour (Wer übrigens das Album hören möchte, obwohl er oder sie Taylor Swift gar nicht schätzt: Ryan Adams hat es im vergangenen Winter komplett gecovered und bei Apple Music eingestellt. Natürlich unter dem gleichen Namen: 1989 ).

Es war am 24.12.15 wie ein Weihnachtsgeschenk: Nach langwierigen Verhandlungen haben die Rechtsvertreter der überlebenden Beatles sowie die Erben von John Lennon und George Harrison zugestimmt, die Werke der Fab Four auch auf Streamingdiensten anzubieten. Vor sechs Jahren erst waren die Beatles in den iTunes Store eingezogen, die Alben wurden dafür eigens neu aufbereitet.

Wer für Apple Music wirbt: Pop-Stars, Modeschöpfer und Rapper

Taylor Swift, vor einem Jahr Beschwerdeführerin gegen Apples Geschäftsmodell, dient dem Konzern nun als Testimonial für Apple Music. In einem in der Woche nach Ostern veröffentlichten Werbevideo zeigt die Sängerin, wie Apple Music und seine Wiedergabelisten das Fitnesstraining überstehen helfen – wenn man sich nicht zu sehr von der Musik ablenken lässt:

Der zu einem Werbespot gewordene, "vom wahren Leben inspirierte" Laufbandunfall war natürlich keiner, sondern von langer Hand geplant. Auch wenn das Veröffentlichungsdatum 1. April zunächst einen anderen Schluss nahelegte. Die Kollegen von Adweek haben die Hintergründe recherchiert und haben dabei erfahren, dass es bei dem einen Spot nicht bleiben werde, Taylor Swift werde in weiteren Kurzfilmchen Apple Music bewerben. Die Werbung sei ohne das Mitwirken einer Agentur entstanden, am kreativen Prozess war unter anderem der "Head of Content" von Apple Music, Larry Jackson und der ausführende Produzent von Believe Media, Anthony Mandler beteiligt. Einen derartigen Spot mit seinem Witz, seiner Information und seinem gewissen Etwas zu konzipieren, sei "wie einen Song zu schreiben", schwärmt Jackson. Die kurze Geschichte von der durch Musik vom Training abgelenkten Sängerin sollte laut Mandler zeigen, wie sehr Musik "jeden Aspekt des Lebens besetzt" – Apple Music sei dabei "das Rückgrat dieses Konzepts". Swift mit ihren 73 Millionen Followern in sozialen Medien sei eine ideale Partnerin gewesen, ihre Reichweite übertrifft die der klassischen Fernsehsender bei Weitem. Dennoch ist der Spot mittlerweile auch auf allen Kanälen des US-Fernsehens zu sehen. Und zeigt angeblich Wirkung: Die Verkäufe des in der Werbung zu hörenden Drake-Songs " Jumpman " seien weltweit um 431 Prozent angestiegen, die Abspielzahlen der erwähnten Wiedergabeliste "Gymflow" um 325 Prozent.

Schon wenige Wochen danach kommt ein weiteres Werbevideo für Apple Music mit der Country-Sängerin heraus. Mit dem Training scheint sie durch zu sein, die Geschichte geht nun weiter: Taylor Swift macht sich zum Ausgehen bereit und lässt beim Schminken vor dem Badezimmerspiegel die Playlist "Jukebox Hits: '00s Alternative Rock" spielen, respektive den ersten Titel daraus: "The Middle" von Jimmy Eat World. Logisch, dass der Lippenstift zum imaginierten Mikro wird. Eine Pointe wie in dem Video mit der Tretmühle fehlt.

Nach dem gefakten Unfall auf dem Laufband und dem Playbacktanz vor dem Badezimmerspiegel bekommen wir in einem dritten Werbevideo Taylor Swifts für Apple Music zu sehen, wie ihr Wohnzimmer aussieht. Naja, zumindest bekommen wir etwas zu sehen, das wir uns als das Wohnzimmer des Pop-Stars vorstellen sollen. Taylor freut sich auf einen "ruhigen Abend" und legt eine von Apple Music kuratierte Playlist "Friday Night Rocks!" auf. Der erste Titel " I Believe in a Thing Called Love " von The Darkness lässt sie schließlich auf dem Tisch tanzen. Das Gitarrenriff klingt zumindest im ersten Takt fast so, als stamme es von einer Band, die zuletzt ihren Sänger, der nicht mehr hören kann, durch einen ersetzte, der derzeit weder singen noch laufen kann...

Bei Swift als Testimonial bleibt es aber nicht: Der Rapper und Hip-Hop-Produzent DJ Khaled ist ein neues Werbegesicht für Apple Music. In den ersten beiden Spots tritt er mit dem Ex-Model Naomi Campbell und dem Schauspieler Ray Liotta auf. DJ Khaled ist seit diesem Jahr vertraglich an Apple gebunden, sein neues Album "Major Key" wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte zunächst exklusiv bei Apple Music erscheinen.

Apple hat zudem einen weiteren Prominenten für Apple Music verpflichtet, den Modeschöpfer Alexander Wang. Er hat sich dabei unter die Kuratoren eingereiht und präsentiert im Kanal Apple Music Fashion in den drei Playlists " Vibe ", Chill " und " Hype " seinen Musikgeschmack, eingeschränkt auf Genres wie Hip-Hop, Dance und Elektro.

Sonos und Airplay

Die bisherigen Abonnenten des Dienstes Beats Music, den es nur in den USA gibt, werden mit dem Umstieg auf Apple Music ein wesentliches Feature vermissen: Die gestreamte Musik lässt sich nicht mehr auf die Audiogeräte von Sonos weiter streamen. Abhilfe ist jedoch unterwegs. Wie der ehemalige Beats-CEO Ian Rogers - jetzt bei Apple Music Senior Director - auf Twitter ankündigte, wird "so bald wie möglich" Apple Music Sonos unterstützen, aber eben nicht zum Launch. Bestätigt hat dies Apple gegenüber Buzzfeed und die Ansage konkretisiert. Demnach arbeite man mit Sonos zusammen und werde bis zum Ende des Jahres die Unterstützung bringen.

Sonos-Anlagen lassen sich schon jetzt von iPhone und iPad drahtlos ansteuern, mit Hilfe der Sonos App . Ausgeschlossen davon sind aber Titel, die aus der iCloud auf iPhone und iPad gestreamt werden, man muss aus seiner iTunes-Mediathek sie also zuerst auf das Gerät laden. Apple Music lässt sich aber drahtlos ohne Weiteres auf Airplay-fähige Geräte streamen, auch auf das Apple TV und damit das Soundsystem des Fernsehapparates. Eine Apple Music App für das Apple TV hat Apple für den Herbst angekündigt - neue Hardware ist ohnehin überfällig schon im Vorfeld der WWDC wurde über einen TV-Streamingdienst und eine neue Software für das Apple TV spekuliert.

Oberfläche von Apple Music
Vergrößern Oberfläche von Apple Music

Features

  • 30 Millionen Lieder aus dem iTunes Store als Stream und Download

  • In Deutschland, Österreich, Schweiz

  • "iTunes Match" inklusive – exotische Lieder werden hochgeladen und als Stream verfügbar

  • iTunes Radio – Streaming mit neuen, kuratierten Listen

  • Beats 1, Musikradio mit Shows und Interviews

  • Komplette Integration mit iTunes und der Musik-App

  • Siri-Unterstützung („Spiele Charts von 1989“)

  • „Connect“: Künstlern folgen, exklusive Inhalte und Botschaften sehen

  • Für fast alle Geräte (iOS, PC, Mac, Android)

Was Apple Music kostet

Apple Music kostet 9,99 Euro pro Monat für das Einzelabo. In den ersten drei Monaten ist Apple Music gratis. Eine Besonderheit von Apple Music: Für 14,99 Euro pro Monat dürfen bis zu sechs Familienmitglieder Apple Music gemeinsam nutzen, erhalten dabei aber individuelle Empfehlungen. Dies zeichnet Apple Music vor der Konkurrenz aus, einzig Spotify bietet eine Option für Familienangehörige, diese müssen aber pro Person den halben Kaufpreis entrichten, so dass 6 Familienmitglieder bei Spotify insgesamt mehr als doppelt so viel wie für Apple Music zahlen – insgesamt fast 35 Euro pro Monat.

An einer teilnahmeberechtigten Hochschule eingeschriebene Studenten und Studentinnen können seit Frühjahr 2016 Apple Music für den halben Preis beziehen. Ob ihre Universität oder Fachhochschule mit dabei ist, erfahren die Studierenden über das Portal UNiDAYS , bei dem sie eingeloggt sein müssen, um Apple Music für 5 Euro im Monat zu bestellen. Die Mitgliedschaft ist allerdings auf 48 Semester, pardon, 48 Monate begrenzt, das Abo ist aber nicht funktional eingeschränkt. Studententarife gibt es auch in Australien, Dänemark, Großbritannien, Irland, Neuseeland und den USA.

Breites Angebot

30 Millionen Titel hat es laut Apple im Stream zum Start des Angebots gegeben, nur Spotify hat ähnlich viel zu bieten. Zum Kauf bietet der iTunes Store jedoch 43 Millionen Songs an - die Unterschiede sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Ein Jahr nach dem Start des Angebots ist die Lücke auch deutlich geringer geworden, nicht nur, weil die Beatles ihren Gesamtkatalog auch im Streaming anbieten.

Die drei Kernfunktionen von Apple Music.
Vergrößern Die drei Kernfunktionen von Apple Music.
© Apple

Die Einschränkungen

Rechtlich ausgedrückt ist ein Musikabo wie Apple Music oder Spotify Premium eine auf die Dauer des Abos befristete Nutzungslizenz. Sie als Kunde haben sich die Hör-Rechte an der Musik nur ausgeliehen. Sobald Sie Ihr Abo beenden, verschwindet auch der Zugriff auf die Musik wieder. Dazu ist die Wiedergabe auf die unterstützten Geräte und Apps beschränkt. Alben aus Apple Music auf einen USB-Stick kopieren und ins Autoradio stecken, geht nicht. Sie können Musik jedoch wie gewohnt per Bluetooth oder Airplay an Lautsprecher und Audiogeräte übertragen. Beinahe ironisch, dass Apple iTunes im Jahr 2001 als Tool eingeführt hatte, um Ihre Musik von CD zu importieren, digital zu verwalten und beispielsweise Mixtapes auf CD zu brennen – oder auf den iPod zu kopieren. "Die Musik gehört Dir", sagte Apple damals.

Zukunft

Neben Apple Music gibt es einige weitere Musikangebote von Apple. Wie geht es bei diesen weiter?

iTunes Store : Apple wird weiterhin Alben und einzelne Lieder als Download verkaufen. Schließlich sind nicht alle Künstler bei Apple Music dabei und nicht jeder Nutzer will einen Abo-Dienst.

iTunes Match : Der Cloud-Dienst für eigene Musik wird zunächst bestehen bleiben. Da iTunes Match aber ohnehin in Apple Music enthalten ist, steht die weitere Zukunft dieses Produktes womöglich auf der Kippe.

iTunes Radio : Die virtuellen Radiostreams nach Genre und Geschmack bleiben erhalten, die Premium-Version davon ist Teil von Apple Music. Mit Apple Music kommt iTunes Radio zudem erstmals nach Deutschland.

Die technischen Hürden

Um Musik von Apple Music zu hören, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Der Dienst funktioniert auf vielen Apple-Geräten, aber nicht auf allen. Apple Music setzt entweder ein iOS-Gerät mit mindestens iOS 8.4 (iPad 2 und iPhone 4S oder neuer) voraus oder die neueste iTunes-Version 12.2 am PC oder Mac. Linux ist hier außen vor. Dies gilt leider auch für die iPods, ausgerechnet Apples klassischer Musikplayer ist raus. Nur der iPod Touch mit iOS 8.4 kann mitspielen, alle anderen bleiben leider außen vor. Seit November 2015 gibt es die App Apple Music auch für Android, mit dem Apple TV 4 und tvOS 9.x und höher lässt sich Apple Music auch auf den Fernseher streamen. Seit Februar 2016 können auch Besitzer der Soundsysteme von Sonos Apple Music in all ihren Räumen nutzen.  Apple Music lässt sich auch mit jedem Windows-PC nutzen. Alles, was Sie dazu benötigen, ist die Apple-Software iTunes und eine Apple-ID, also ein Konto für den iTunes Store. Damit können Sie Apple Music am Rechner ausprobieren. Apple Music ist ebenfalls als eine gesonderte App im Google Play Store vertreten . Nach Wunsch können sich die Android-Nutzer die App herunterladen und den Dienst aus seinem Smartphone nutzen.

Apple Music offline nutzen

Wer mit einem schmalen Datentarif unterwegs ist oder schlicht Wert darauf legt, dass der Musikstream nicht mitten im U-Bahntunnel abbricht, der hört Musik am liebsten ohne Streaming. Apple Music kann hierbei glücklicherweise helfen. Denn so lange das Abo läuft, darf man Musik beliebig herunterladen und auch lokal ohne Streaming anhören. Dies funktioniert genau so wie heute schon mit Musik von iTunes Match oder "iTunes in the Cloud": wir sehen die verfügbare Musik in der Übersicht und ein Klick auf das Cloud-Symbol startet den Download. Mit den Updates der Musik-App hat Apple die Symbolik deutlich verbessert, es wird schneller klar, welche Songs bereits auf das iPhone geladen sind und welche nur in der Cloud hängen.

Verbindung aus der Garage

Der Bereich Connect in Apple Music ist für diejenigen Musikhörer interessant, die mehr über ihre Lieblingskünstler erfahren wollen. Diese wiederum können einfach aus Garageband auf Connect posten - interessant ist diese Option also auch für vertragslose Künstler. Diese Verknüpfung ist im jüngsten Update auf Garageband 10.1 auf dem Mac noch nicht eingerichtet, mit der iOS-Version auf iPhone und iPad ist sie schon möglich. Künstler sollen so direkt mit ihren Fans in Verbindung treten können, etwa neue Hook-Lines oder Riffs vorstellen und so eine Art von Marktforschung betreiben können.

Wem Connect nichts gibt und wer sich lieber auf die Musik konzentrieren will, kann die Funktion unter iOS 8.4 einfach ausschalten. Dafür muss man in der App Einstellungen zunächst die Einschränkungen aktivieren (Einstellungen - Allgemein - Einschränkungen). Ist das passiert, findet sich im zweiten Schalter-Block der Eintrag "Apple Music Connect". Schiebt man den Regler nach links, verschwindet Connect aus der Music-App. Noch besser: Auf der frei gewordenen Stelle erscheinen die Playlists, man kann also  mit einem Tipp auf sie zugreifen.

Etwas anders lässt sich Connect in der aktuellen Version von iTunes 12.2 abschalten. Dafür ruft man aus der Menüleiste die Einstellungen auf (unter iTunes) oder alternativ die Tastenkombination Befehlstaste-Komma. Unter "Kindersicherung" gibt es eine neue Checkbox "Apple Music Connect", über die man das neue soziale Netzwerk deaktivieren kann. In iOS 10 und iTunes unter macOS verschwindet Connect nicht ganz, wird aber zu einem Unterpunkt von "Für Dich" degradiert.

Was sich mit iOS 10 und macOS ändert

Anlässlich seiner Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple auch Neuerungen und Verbesserungen von Apple Music gezeigt, die jedoch erst einmal nur für die mobile App Music auf iPhone, iPad und iPod Touch relevant sind. iTunes auf dem Mac und die Integration von Apple Music in das Programm bleibt nach dem jüngsten Update auf Version 12.4 erst einmal unverändert. Doch auch unter dem kommenden macOS Sierra wird Apple Music ein neues Gewand bekommen.

Wie der bei Apple zuständige Senior Vice President Eddy Cue stolz verkündet sei das völlig neue Design des Dienstes einem Prinzip untergeordnet: "Die Musik soll der Held sein". Mit den Änderungen verspricht Apple einen intuitiveren Zugang zur Musik. Und in der Tat ist die einst überfrachtete App in iOS 10, dessen finale Version im Herbst erscheinen wird,  deutlich übersichtlicher geworden. Der erste und wichtigste Tab der App heißt nun "Library", der auch einen Punkt "Kürzlich hinzugefügt" erhält und schneller den Zugriff auf die auf dem iPhone gespeicherte Musik liefert – besonders unterwegs fernab von offenen WLANs nützlich. Neu und ziemlich cool: Zu den Songs gibt es nun auch Texte, jedoch noch keine konkrete Aussage, wie komplett die Sammlung der Lyrics denn nun ist. Während der Show zeigt die Musik-Promoterin Bozoma Saint John, die mit Beats zu Apple gekommen war, jedoch anhand eines Klassikers, wie nützlich das Feature sein kann. Wer von uns hat sich nicht gefragt, welche Silben, Worte und Satzfragmente da nun genau in "Rapper's Delight" uns zu Ohren kommen?

Der Tab "For You" in der Music-App bringt die kürzlich gespielten Songs in den Vordergrund und präsentiert auf täglicher Basis neue Wiedergabelisten. Connect, das bisher eher lieblos gepflegte soziale Netz, in dem sich Künstler ihren Fans präsentieren können, ist nun zu einem Unterpunkt von "Für Dich" geworden. Der nächste Tab heißt "Browse", hier findet man vor allem die kuratierten Wiedergabelisten und Top-Charts. Radio bleibt ein eigener Tab, Beats 1 steht natürlich hier im Vordergrund und gibt hier den Zugang zu vergangenen und künftigen Radioshows. Die Genre basierten Stationen bleiben in einem Unterpunkt von Radio.

Die Musik-App auf iPhone und iPad hat anfangs durch Unübersichtlichkeit geglänzt, schon mit dem Update auf iOS 9 ist vieles besser geworden, da Apple die Bedienoberfläche verschlankt und vereinfacht hat. Weitere Optimierungen bringt nun aber iOS 9.2, in dem Fehler beim Speichern von Songs auf dem iPhone behoben sind. Will man einen Song einer Wiedergabeliste hinzufügen, kann man nun dabei auch eine neue erstellen. Im Bereich Wiedergabelisten sind nun nicht mehr die zuletzt erstellten zu sehen, sondern die häufig genutzten. Zudem hat Apple die Abteilung der klassischen Musik verbessert und die Namen der Komponisten sichtbar gemacht, nachdem sich manche Nutzer über die "Kraut und Rüben" im Bereich Klassik beschwert haben. Auch schön: Schon in der Übersicht sieht man, welche Alben und Songs bereits auf das iPhone (oder iPad und iPod Touch) geladen sind. Endlich aber bekommt die Oberfläche die gewohnte optische Konsistenz zurück. Will man Alben und Songs aus der Cloud laden, kann man jetzt wieder das Wolkensymbol mit dem Pfeil nutzen. Der grammatikalisch fragwürdige Eintrag "Offline verfügbar" ist aus dem Extra-Menü (die drei Punkte) verschwunden.

Das war der Start am 30. Juni 2015: Zane Lowe legt in Los Angeles los

Pünktlich um 8 Uhr Westküstenzeit (17 Uhr MESZ) stellte Apple am 30. Juni das Update auf iOS 8.4 bereit, das die neue Musik App mitbringt, die Voraussetzung für Apple Music ist . Zeitgleich erscheint auch OS X 10.10.4, ein paar Stunden später dann iTunes 12.2 für den Mac und für Windows. Auch Macs mit älteren Betriebssystemen als OS X 10.10 Yosemite kommen in Genuss des neuen iTunes, da Apple die Musiksoftware auf dem Desktop nicht an das aktuelle Betriebssystem koppelt. Bis 18 Uhr MESZ haben die meisten Musikfreunde ihre Geräte aktualisiert und können dem neuseeländischen DJ Zane Lowe lauschen, wie er das Programm von Beats 1 eröffnet : Der erste über das Internet-Radio gestreamte Song heißt "Spring King" und stammt von der Band City aus Manchester. Lowe ist nur einer von drei populären DJs, die für Beats 1 aus London, New York und Los Angeles senden, weitere prominente Kollegen sind Ebro Darden und Julie Adenuga, die das weltweit empfangbare 24/7-Programm musikalisch gestalten. Anders als die Kollegen vom Formatradio haben die drei Aushängeschilder und ihre weniger prominenten Kollegen nicht auf Einschaltquoten zu achten. Obwohl das Programm einen möglichst breiten Geschmack bedienen soll, leisten sich die DJs auch Überraschungen.  Zane Low spielt etwa noch vor 18.30 Uhr "For Those About to Rock" von AC/DC - und wenig später Pharrell Williams' neue Single "Freedom" in einer Weltpremiere.  Das Programmschema und Informationen zu den DJs hat Apple übrigens auf tumblr bereit gestellt.

Die drei von der Funkstelle: Julie Adenuga, Ebro Darden und Zane Lowe (von links)
Vergrößern Die drei von der Funkstelle: Julie Adenuga, Ebro Darden und Zane Lowe (von links)
© Apple
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