1992512

Apple Pay: Das iPhone wird zur digitalen Kreditkarte

09.09.2014 | 23:35 Uhr |

Im Rahmen des lange erwarteten Special Events zum iPhone hat der Konzern aus Cupertino auch einen eigenen Bezahldienst vorgestellt – Apple Pay.

Unter der Führung von Eddy Cue, Apples "SVP für Internet Software and Services", hat Apple tatsächlich einen eigenen Mobile-Payment-Dienst namens „Apple Pay“ entwickelt. Das Ziel des neuen Dienstes: Das Wühlen im Portemonnaie auf der Suche nach der eigenen Kreditkarte soll der Vergangenheit angehören und der Zahlvorgang soll schneller, einfacher und sicherer werden – aber fürs Erste nur innerhalb der USA.

Exklusiv für die neuen iPhones

Dank des NFC-Chips (NFC steht für „Near Field Communication“, zu Deutsch: Nahfeldfunk), den Apple in den beiden neu vorgestellten iPhone-Modellen 6 und 6 Plus sowie in der Apple Watch verbaut, soll das Bezahlen künftig per iPhone und Appple Watch innerhalb weniger Sekunden vonstattengehen. Apple setzt dabei auf eine Kombination aus besagter NFC-Antenne zur Datenübertragung, der Passbook-App – hier werden die Kreditkarten digital abgelegt – und dem Fingerabdruck-Scanner Touch-ID als Sicherheitsmechanismus. Neue Karten werden einfach zur digitalen Geldbörse hinzugefügt, indem man sie mit der Kamera des iPhone abfotografiert, die Werte von Hand eingibt oder einfach seine ohnehin schon bei iTunes hinterlegte Kreditkarte importiert. 

Statt allerdings die Kreditkartendaten im Klartext in die Passbook-App zu schreiben, verwendet Apple eine einmalig vergebene Geräte-Identifikationsnummer (im englischen Apple-Sprech „Device Account Number“ genannt), die dann verschlüsselt im sogenannten „Secure Element“, einem speziell gesicherten Teil des A8-Chips im iPhone 6/ 6 Plus abgelegt wird. Apple verspricht dabei, dass zu keiner Zeit persönliche Daten auf Apples Servern landen – ein Versprechen, das wir natürlich zum jetzigen Zeitpunkt (und in Ermangelung eines deutschen Starttermins für Apple Pay) nicht seriös überprüfen können. 

Die zu Apple Pay hinzugefügten Kreditkarten werden in Passbook gespeichert.
Vergrößern Die zu Apple Pay hinzugefügten Kreditkarten werden in Passbook gespeichert.
© Apple

Die tatsächliche Zahlung am Point-of-Sale erfolgt dann über eine für jeden Vorgang zufällig generierte Transaktionsnummer, die in Kombination mit den verschlüsselt gespeicherten Daten in Passbook und dem „Secure Element“ sowie dem Finger auf dem Touch-ID-Sensor die eigentliche Zahlung auslöst. Ein Piepen, begleitet von einer kurzen Vibration des iPhone signalisiert eine erfolgreiche Zahlung.

Doch was, wenn das iPhone mal verloren geht und alle Kreditkartendaten mit ihm? Für diesen Fall hat Apple den Funktionsumfang von „Mein iPhone suchen“ erweitert. Dort lassen sich künftig nicht mehr nur verschütt gegangene iPhones und iPads fernlöschen, sondern auch gezielt die Kreditkartendaten in Passbook unbrauchbar machen.

Payment-Vielfalt in den Staaten

An solchen Terminals erfolgt die Zahlung via NFC.
Vergrößern An solchen Terminals erfolgt die Zahlung via NFC.
© PayPass

Apple hat bei der Vorstellung von Apple Pay klargemacht, dass der Dienst vorerst nur in den USA starten wird – und auch dort erst im Oktober mit einer kleinen Verzögerung zum Start von iOS 8 (geplant am 17. September). Dazu hat man mit den drei größten Kreditkartenfirmen American Express, Visa und Master Card sowie einem Großteil der US-amerikanischen Banken Verträge geschlossen – im Rahmen der Keynote erklärt Tim Cook, dass man über 80% der Kreditkartenumsätze mit den entsprechenden Instituten ins Boot geholt hat. Beachtlich, vor allem wenn man erwägt, dass die Nutzungsdaten von Apple Pay anoymisiert werden und das Geschäft für die Banken und Kreditkartenfirmen damit etwas unattraktiver wird.

Alle Finanzpartner sind aber wertlos, wenn es keine Möglichkeiten zur Nutzung von Apple Pay im Handel gäbe. Deswegen hat Apple nicht nur mit den Kreditkartenriesen und Banken verhandelt, sondern auch mit unzähligen Händlern in den USA. Herausgekommen ist eine Unterstützung von Apple Pay vom Apple Store über den Disney Store bis zu McDonalds und Staples. Als Gegenstück im Handel genutzt werden übrigens gängige NFC-Bezahlterminals , wie man sie auch in Deutschland von Services wie Visa Paywave oder Master Card Pay Pass (bekannt von o2 Mpass ) her kennt. 

Kommentar: Apple kann das Mobile Payment retten

Ich persönlich halte Apples Bezahldienst Apple Pay fast schon für die letzte Chance auf einen großen Erfolg für mobiles Bezahlen. Musste man sich bisher auf sein iPhone einen NFC-Aufkleber pappen und auch Kleinbeträge per SMS authentifizieren, könnte mit dem Wegfall der unnötigen Barrieren auch die Akzeptanz für Mobile Payment im Allgemeinen steigen. Denn Services, die mit althergebrachten Verhaltensweisen wie der Bezahlung mit Bargeld oder Plastikkarte konkurrieren, müssen sich natürlich anfühlen und dürfen nicht länger dauern als das Kramen nach ein paar Scheinchen im Geldbeutel. 

Florian Kurzmaier, freier Autor und Blogger (shortmaiersblog.wordpress.com).
Vergrößern Florian Kurzmaier, freier Autor und Blogger (shortmaiersblog.wordpress.com).

Diese Voraussetzungen scheint Apple Pay zu erfüllen, denn es sitzt inmitten des Alltagsgegenstandes iPhone und scheint schnell und unkompliziert zu funktionieren – fast so einfach wie Visas Paywave-System (wo der NFC-Chip in der Kreditkarte sitzt). Der einzige Wermutstropfen ist eigentlich, dass der Dienst für den als schwierig geltenden deutschen Markt noch kein konkretes Datum hat.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1992512